Dr. Rudolf Vögele, Referent für Pastorale Projekte und Koordination im Erzbistum Freiburg
Perspektive 2010 – Wie wird das Bistum Mainz nach der Umsetzung der Umstrukturierung aussehen?
Nach den Erfahrungen im Erzbistum Freiburg, in dem mit der Umstrukturierung bereits Mitte der 90er Jahre begonnen wurde, scheint es mir sehr wagemutig, als Perspektive für 2010 schon eine Zeit nach der Umsetzung zu sehen. Falls die Mitwirkenden im Bistum Mainz nicht völlig anders geartet sind als andere Diözesane, wird es wahrscheinlich auch im Jahre 2010 noch viele 'Baustellen' geben. Diese werden zwar deutlich darauf hinweisen, dass nur wenig beim Altem bleibt. Aber die neue Struktur und das veränderte Selbstverständnis, Kirche "in erneuerten Pastoralen Einheiten" zu denken und zu leben, wird sich an manchen Orten nur erahnen lassen. Es würde mich sehr überraschen, wenn nicht auch das Bistum Mainz von einer großen Ungleichzeitigkeit geprägt wäre. Und das heißt ganz pragmatisch: dort, wo sich Verantwortliche von neuen pastoralen Einheiten auf die Veränderung einlassen und sie konstruktiv gestalten, wird die Umsetzung auch weit vorangeschritten sein; wo sich diese eher verweigern und nach dem Motto leben: "Wie du warst vor aller Zeit...", da wird man auch wenig Veränderungen entdecken können.
Worüber werden wir uns freuen, mit Blick auf den Weg bis dahin?Worüber werden wir klagen, weil etwas nicht mehr ist?
Freude wir bei jenen aufkommen, die sich gerne auf Veränderungen einlassen und diese kreativ gestalten wollen und dürfen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen positiven Ansatz darin sehen, Kirche als "Netzwerk" von vielen Gemeinden und Gemeinschaften zu sehen und eine arbeitsteilige Kooperation zu verwirklichen, werden den Weg dahin als sehr spannend und chancenreich erleben. Wenn Begriffe wie "Entlastung" und "Konzentration auf das Eigentliche" erfahrbare Wirklichkeiten und Ergebnisse des Prozesses werden, wird dieser Weg von vielen mit gegangen und mit gestaltet.
Umgekehrt werden auch viele darüber klagen, dass nun auch die Kirche den "Vor-Ort-Service" reduziert und vieles nicht mehr halten kann, was sich in vergangenen Zeiten bewährt hat - weil und wenn sie nicht wahrnehmen, dass diese Zeiten halt tatsächlich vergangen sind...
Was steht für Sie jetzt an zu tun oder zu lassen auf das Jahr 2010 hin?
Als Referent im Erzbistum Freiburg, der gerade diese pastorale Entwicklung im Blick hat, ist es mir wichtig, immer wieder auch die positiven Erfahrungen in solchen Veränderungsprozessen zu kommunizieren. Wie in der Information Nr. 4 zum Bistumsprozess im Kapitel 4 bereits begonnen, müssen Mitwirkende eine Plattform haben, auf der sich gegenseitig motivieren, ihre Erfahrungen austauschen und auch vor Fehlern warnen können. Wenn die Kirche im Bistum Mainz in den kommenden Jahren immer wieder und immer mehr als eine "lernende Organisation" erlebt wird - vom Kardinal bis zum einfachen Gläubigen, dann stärkt dies sowohl die Eigenverantwortung als auch das Gemeinschaftsbewusstein. Insofern braucht es heute meines Erachtens weniger der Reglementierungen und Vorschriften, sondern mehr der gemeinsam erarbeiteten Leitlinien, die auch umsetzbar sind. Insofern stünde für mich, wenn ich im Bistum Mainz verantwortlich wäre, eine intensive Phase der Motivation an, denn nur Motivierte motivieren auch andere.
