Pfarrer Karl Zirmer, kommissarischer Leiter der Pfarrgruppe Mainspitze, Dekanat Rüsselsheim

Perspektive 2010 – Wie wird das Bistum Mainz nach der Umsetzung der Umstrukturierung aussehen?

Ich bin kein Prophet und die Entwicklung verläuft auch nicht mit geschichtlicher Notwendigkeit nach einem vorgegebenen Muster. Aber einiges kann man mit großer Wahrscheinlichkeit jetzt schon voraussehen:

Das Bistum wird personell kleiner werden. Wir werden 2010 weniger Gläubige haben als jetzt. Dazu zwei Bemerkungen: Die Kirchenaustritte haben sich auf einem hohen Niveau stabilisiert! Auch wenn die Zahl der Kircheneintritte zunimmt, steht immer noch einer relativ hohen Anzahl von Kirchenaustritten eine bescheidene Anzahl von Kircheneintritten gegenüber. Da sollte man sich keine Illusionen machen!

Zweitens: Die Zahl der Beerdigungen ist immer noch größer als die Zahl der Taufen. Wir werden 2010 auch weniger Ressourcen haben: weniger Geld, weniger Immobilien, weniger Personal. Das ist zunächst ein Verlust und erschwert für alle Beteiligten und Betroffenen die pastorale Arbeit.

Die notwendig gewordenen Strukturreformen führen nicht automatisch zu einem missionarischen Aufbruch. Aber die schrumpfenden Ressourcen dürfen uns auch nicht entmutigen und zur Resignation führen. Die Tatsache, dass uns weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, kann zu einem Umdenken führen, dass uns veranlasst mit den vorhandenen Kräfte sehr sorgsam umzugehen, sie zu bündeln und effizienter einzusetzen. Gleichzeitig sind in der Kooperation in größeren pastoralen Einheiten neue Chancen enthalten, die entdeckt und wahrgenommen werden wollen.

Wenn wir die Strukturreform nicht nur als ein notwendiges Übel betrachten, dass wir zähneknirschend hinnehmen, sondern sie als eine Herausforderung für unsere Pastoral sehen und annehmen, dann kann es doch noch zum erwarteten und erhofften missionarischen Aufbruch kommen.

Worüber werden wir uns freuen, mit Blick auf den Weg dahin? Worüber werden wir klagen, weil etwas nicht mehr ist?

Wir werden die Erfahrung machen, dass der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus nicht nur anstrengend ist, sondern eine echte Bereicherung darstellen kann. Vorhandene Charismen werden in Zukunft nicht nur auf der Ebene der Pfarrei zur Geltung kommen, sondern werden durch die größere pastorale Einheit auch einen größeren Wirkungsraum bekommen. Die Kontakte zwischen den Gemeinden werden intensiver, man kann voneinander lernen und einander unterstützen.

Wir werden darüber klagen, dass wir (manchmal zu viel) Zeit und Kraft zum Koordinieren und Organisieren verwenden müssen, die uns dann fehlen wird bei der Seelsorge für den einzelnen Menschen.
Termine und Veranstaltungen, bei der die Präsenz aller in der Pastoralen Einheit wirkenden hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwartet wird, werden nicht weniger, sondern mehr (z. Bsp. Pfarrversammlung, Dankeschönabend bzw. Neujahrsempfang für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pfarrfest u.ä.). Wir werden klagen über zu wenig Kontakte zur Basis. Denn für persönliche Gespräche und Kontakte bleibt uns zu wenig Zeit übrig.

Was steht für Sie jetzt an zu tun oder zu lassen mit Blick auf das Jahr 2010 hin?

Sobald klar war, dass die Mainspitzgemeinden eine Pfarrgruppe bilden sollen, haben die Hauptamtlichen und die Mitglieder unserer Gremien ohne zu zögern die neue Herausforderung angenommen. Trotz Enttäuschungen und Irritationen, die es am Anfang gegeben hat, haben wir uns mit einer positiven Einstellung auf dem Weg einer engeren Kooperation gemacht.

Bereits Ende November haben wir die Entscheidung über die Zusammensetzung des neuen Seelsorgerates getroffen. Erste Früchte der Zusammenarbeit auf Pfarrgruppenebene gibt es bereits: die Firmvorbereitung und die Taufkatechese werden seit Ende 2005 bzw. Anfang 2006 auf der Ebene der Pfarrgruppe durchgeführt. Ein weiteres wichtiges Ergebnis unserer Zusammenarbeit ist der gemeinsamen Pfarrbrief der Pfarrgruppe Mainspitze, der am 15.Januar 2006 zum ersten Mal erschienen ist.

Im Verhältnis Pfarrer- Pfarrvikar gibt es noch einige Unklarheiten: Welche Befugnisse hat der Pfarrvikar mit dem Titel Pfarrer? Welche Aufgaben soll der Pfarrer wahrnehmen in der Gemeinde, in der der Pfarrvikar mit dem Titel Pfarrer der Seelsorger vor Ort ist? Bei der Klärung dieser Fragen sind wir auf die Unterstützung des Bischöflichen Ordinariates angewiesen. Wir denken dabei an konkrete Empfehlungen und Entscheidungskriterien, die die zu beachten sind.
Die Aufgaben, die jetzt zu bewältigen sind, werden bestimmt durch die Verlaufsplanung des Bistumsprozesse. Einerseits geht es um die Erarbeitung des Kooperationsvertrages zwischen den Pfarrgemeinden, andererseits um die Vereinbarung bezüglich der Aufteilung der Arbeitsfelder und Kompetenzen im Team der Hauptamtlichen. Die Hauptamtlichen sind sich darüber einig, dass sie noch Beratungsbedarf haben, um die ihnen gestellten Aufgaben in zufriedenstellender Weise bewältigen zu können.

  

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