Dekanatsreferent Hans-Georg Orthlauf-Blooß, Dekanat Alzey-Gau-Bickelheim
Perspektive 2010: Wie wird das Bistum Mainz nach der Umsetzung der Umstrukturierung aussehen?
Ich meine „Umorientierung“ ist eine treffendere Umschreibung für das, was für die kommenden Jahre ansteht. Es geht um ein grundlegendes Umdenken. Es muss deutlich werden, dass eine noch tiefgreifendere Veränderung notwendig ist. Die nun erfolgte Ressourcenkonzentration (weniger Personal, Gebäude und Finanzen in größeren Seelsorgeeinheiten) kann nur ein erster Schritt sein. Sie soll, so paradox es vielleicht scheint, bessere Voraussetzungen für die Zukunft schaffen. Viel entscheidender wird die jetzt folgende Phase sein: Die geforderte Neuausrichtung der Seelsorge im Sinne missionarischer Gemeinden. Dies ist vielleicht für die meisten noch ein etwas nebulös wirkendes Vorhaben. Für mich bedeutet es, dass wir versuchen einladender und authentischer als bisher
„das Evangelium in die Lebensspur der Menschen hinein zu buchstabieren“.
Wir müssen uns in unserem Reden und Engagement auf den Grund unseres Christseins bestimmen und den Gewinn unseres Glaubens durchsichtiger machen. Wenn dies in den kommenden Jahren immer öfter gelingt, dann ist die Chance groß, dass unsere Gemeinden an Ausstrahlung gewinnen und wieder mehr Menschen beginnen nach Gott zu fragen und sich von unserem Christsein anstecken lassen.
Worüber werden wir uns freuen, mit Blick auf den Weg bis dahin?
Worüber werden wir klagen, weil etwas nicht mehr ist?
Lebendige Gemeinden fallen nicht vom Himmel. Wir brauchen dazu kreative Ideen und aufrüttelnde Visionen. Wir werden uns dabei freuen können über das miteinander Suchen nach neuen Konzepten und Strategien und das gemeinsa-me Ausprobieren. Vielleicht wird die Umsetzung brach liegende Kräfte wachru-fen und zur Entdeckung neuer Ressourcen führen. Mit klarer Zielformulierung und Schwerpunktsetzung müssen wir der Gefahr von Überforderung und Verzettelung begegnen. In unserer Dekanatskonferenz haben wir damit gute Erfahrungen gemacht. Die Hauptamtlichen arbeiten in Gruppen an verschiede-nen Themen über einen längeren Zeitraum zusammen. Für die Beteiligten wurde das Miteinander dadurch intensiver, effektiver und verbindlicher. Allerdings wird nicht alles gelingen. Es wird auch Sackgassen geben. Auch sollten wir uns nicht vornehmen, das ganze verlorene Terrain wieder zurück zu gewinnen. Entscheidend wird sein, wie wir mit der Not der Menschen umgehen. Überlassen wir das den Caritas-Profis oder müsste nicht jeder ... ?!? Ich habe den Einbruch z.B. in der Jugendarbeit erlebt, wenn plötzlich das personale Angebot des Hauptamtlichen nicht mehr zur Verfügung steht. Schmerzlich werden wir sicher das ein oder andere Gebäude vermissen.
Was steht für Sie jetzt an zu tun oder zu lassen auf das Jahr 2010 hin?
Auf den Prüfstand müssen natürlich auch die Angebote auf Dekanatsebene. Was ist noch leistbar und was bringen sie hinsichtlich ihrer missionarischen Nachhaltigkeit und der Unterstützung der Gemeinden. Die Bedeutung des Dekanates wird insgesamt wachsen (müssen). Nach der Auflösung der Pfarrverbände ist das Dekanat verstärkt zur Kooperation der Hauptamtlichen sinnvoll zu nutzen. Persönlich will ich mich an der Weiterentwicklung von neuen Konzepten beteiligen. Lassen sich die ermutigenden Erfahrungen aus dem Mainzer LOS-Projekt (Lebensraumorientierte Seelsorge) auch auf den eher ländlichen Raum übertragen? Was können wir aus anderen Kontinenten z.B. von den „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ für einen lebendigen Gemeindeaufbau bei uns lernen? Unbedingt fördern möchte ich Gruppen und Kreise in den Pfarreien, in denen Gemeindemitglieder versuchen ihr Leben und ihren Glauben miteinander zu teilen und versuchen in Gemeinde und Gesellschaft hineinzuwirken.
