´Tag der Arbeitswelt´ in Groß-Gerau

Weihbischof Neymeyr eröffnete Ausstellung ´Gute Arbeit - unser Anliegen´

Groß-Gerau. Der Mainzer Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr hat im Werk Groß-Gerau des weltweit tätigen Unternehmens ´Procter&Gamble´ am Mittwoch, 17. September, die Ausstellung ´Gute Arbeit - unser Anliegen´ eröffnet. Anlass war der ´Tag der Arbeitswelt´ im Dekanat Rüsselsheim, der unter dem Motto ´Das einzige Beständige ist der Wandel´ stand. Rund 25 hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Dekanat hatten die Möglichkeit, sich über das Unternehmen ´Procter&Gamble´ zu informieren und bei einer Führung durch das Unternehmen die Produktion vor Ort zu erleben. ´Der Tag der Arbeitswelt´ ist traditioneller Bestandteil einer Dekanatsvisitation.

´Wir möchten Einblicke erhalten, wo und unter welchen Umständen die Menschen arbeiten, die wir für das Evangelium begeistern wollen´, sagte Weihbischof Neymeyr. Die Ausstellung ´Gute Arbeit´ sei in diesem Zusammenhang eine ´gute Anregung und eine Möglichkeit ins Gespräch zu kommen, sowohl von Seiten der Betriebsräte und Arbeitnehmer als auch von Seiten der Unternehmer´. Die Ausstellung der Betriebsseelsorge war am 30. April durch den Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, und den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, in Mainz erstmals vorgestellt worden. Sie zeigt anhand von Aussagen aus der Bibel und der katholischen Soziallehre auf zwölf Stelltafeln Kriterien von guter Arbeit.

In Anlehnung an die Ausstellung spielte auch das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz eine große Rolle beim ´Tag der Arbeitswelt´. Seit rund fünf Jahren habe ´Procter&Gamble´ keinen meldepflichtigen Unfall mehr zu verzeichnen, sagte Sicherheitsingenieur Manfred Schuck, der durch die Produktionshallen führte. Seine Frau, Daniele Schuck, Krankenschwester und unter anderem innerbetriebliche Suchtberaterin, sah allerdings im Stress einen besonderen Belastungsfaktor für die in der Produktion tätigen Arbeitnehmer. Die Arbeit im Schichtbetrieb und der Lärm an den Produktionsstätten führe zu einer Zunahme von stressbedingten Krankheiten. ´In einem Monat werden zwei bis drei unserer Mitarbeiter mit Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt ins Krankenhaus eingewiesen. Das ist längst keine Managerkrankheit mehr.´ Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Zarges sieht vor allem ein Problem für ältere Erwerbstätige: ´Im Schichtbetrieb ist es schwer möglich, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten.´

Das Unternehmen besitzt ein eigenes Gesundheitszentrum auf dem Produktionsgelände. Für Prävention würden viele Untersuchungsangebote, Gesundheitstage, Rückenschulen, Entspannungseinheiten und Grippeschutzimpfungen angeboten. Eine gute Ergonomie sei besonders wichtig, sagte Daniele Schuck. Insgesamt gebe es 113 Ersthelfer und 13 Betriebssanitäter. Zwei Mal wöchentlich sei ein Werksarzt anwesend. Auch an Beratungsstellen, unter anderem an die Suchtberatungsstelle der Caritas in Rüsselsheim, werde weitervermittelt.

Als Teil des internationalen Unternehmens ´Procter&Gamble´ sei das Werk Groß-Gerau auf einen ständigen globalen Wandel eingestellt, sagte der Werksleiter Gunnar Langhof. Es bestehe vor allem der Druck, als wohlhabendes Land attraktiv für den Export zu bleiben. ´Alle 18 Monate werden die Produkte gewechselt und andere Angebote produziert. Alle drei bis fünf Jahre kann man von einer grundlegenden Veränderung in der Arbeitswelt sprechen. Das Arbeitsumfeld sieht dann wieder ganz anders aus´, sagte er. Deutschland müsse außerdem gut ausgebildete Mitarbeiter haben, um trotz Konkurrenz ein attraktiver Standort zu bleiben, erklärte der Personalleiter des Unternehmens, Manfred Schüller. Die Mitarbeiter hätten auch die Möglichkeit sich innerhalb des Betriebes beruflich weiter zu entwickeln. Die Firma bilde pro Jahr vier Mechatroniker aus, die, wenn möglich, übernommen würden.

´Procter&Gamble´ wurde 1837 in Cincinnati im Bundesstaat Ohio gegründet. Das Unternehmen, das etwa 138.000 Mitarbeiter in über 80 Ländern beschäftigt, produziert unter anderem Marken wie Pampers, Ariel und Head&Shoulders. In Deutschland sind an 20 Standorten rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk in Groß-Gerau, welches seit 1964 besteht, wurde von ´Procter&Gamble´ im Jahr 1985 aufgekauft. 1996 wurde es mit dem Mainzer Werk zusammengelegt. 2002 wurde die Produktion komplett nach Groß-Gerau verlagert. Das Werk in Groß-Gerau, das in über 50 Länder exportiert, ist europäisches Produktionszentrum für Hustenbonbons und Produkte zur Selbstmedikation, sowie strategische Europazentrale für Mundpflegeprodukte. 500 Mitarbeiter aus 23 Nationen sind dort zurzeit beschäftigt.

Für Pastoralreferentin Ingrid Reidt, die seit 2007 die Regionalstelle für Betriebsseelsorge in Rüsselsheim leitet und zusammen mit Dekan Norbert Kissel zum Besuch in den Betrieb eingeladen hatte, war es der erste ´Tag der Arbeitswelt´. Zuvor war sie fünf Jahre lang in der Hochschulgemeinde in Mainz tätig. ´Für uns als Betriebsseelsorge ist es natürlich wichtig zu erfahren, welche Themen die Menschen bewegen. Dafür ist es notwendig, wie hier bei ´Procter&Gamble´ in Kontakt mit Unternehmen und Betriebsräten zukommen.´

2008-09-27 „Tag der Arbeitswelt" in Groß-Gerau

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Weihbischof Dr. Neymeyr am Tag der Arbeitswelt bei "Procter & Gamble" in Groß-Gerau

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