Die Einsparungen in den sozialen Fördermittel treffen Menschen,
die uns am Herzen liegen.

Rüsselsheim, 15.10.2003

Das Sparpaket des hessischen Ministerpräsidenten hat große Betroffenheit bei allen Mitgliedern des Dekanatsrates ausgelöst. Der Dekanatsrat des katholischen Dekanates Rüsselsheim / Groß-Gerau befürchtet, dass die geplanten Kürzungen für viele soziale Dienste und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Groß-Gerau das „Aus“ oder große Einschnitte im Leistungsumfang für Obdachlose, Bewohner von sozialen Brennpunkten, Frauen in Notsituation und Beratung in „Wiedereinstieg“ ins Berufsleben, Suchtkranke, Psychisch Kranke, überschuldete Menschen und Ausländer in schwierigen Situationen bedeutet.
10 Einrichtungen verlieren den Landeszuschuss zu fast 100 %. Darunter fallen die Schuldnerberatung in Rüsselsheim, die Erziehungsberatung des Caritasverbandes und Diakonischen Werkes in Rüsselsheim, das Frauenzentrum, der Kinderschutzbund, und die Beratungsstelle für seelisch Kranke des Caritasverbandes. Genauso bedroht sind Projekte wie Wildwasser, die Jugend- und Drogenberatungsstelle.

Dieser Kahlschlag trifft die Grundstruktur der sozialen Beratung und Dienste im Dekanat. Besonders hart betroffen sind vor allem Menschen ohne Lobby und damit jene Dienste und Einrichtungen, die sich für die Schwächsten und für die Menschen, die am Rande leben einsetzen.

„Menschen, die uns am Herzen liegen“ ist seit Jahren das Leitthema im katholischen Dekanat und eine zentrale Aussage im Sozialwort der beiden Kirchen. „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ stehen die uns verpflichtenden Sätze: „ In der vorrangigen Option für die Armen als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns konkretisiert sich die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. Dabei zielt die biblische Option für die Armen darauf, Ausgrenzung zu überwinden und allen am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Sie lenkt den Blick auf die Empfindungen der Menschen, auf Kränkungen und Demütigungen von Benachteiligten, auf das Unzumutbare, das Menschenunwürdige, auf strukturelle Ungerechtigkeit.“

In dem vorgelegten Sparprogramm der hessischen Landesregierung wird in erschreckender Weise gegen unsere Option gehandelt. Das bisherige soziale Netz im Kreis Groß-Gerau leistet einen großen Beitrag zum sozialem Frieden und wurde im Kommunalisierungsprozess von allen gesellschaftlichen Gruppierung gestaltet und getragen. Als engagierte Christen wollen und müssen wir erreichen, dass Menschen in schwierigen Situationen Halt und Perspektiven finden und haben können.

Wir fordern alle Christinnen und Christen auf - in ihren Wohn- und Wirkungsbereich auf - die Landespolitiker und Regierungsmitglieder, insbesondere auf den Ministerpräsidenten einzuwirken, dass „Hessen sozial bleibt“!

Für den Dekanatsrat

Dr. Peter A. Schult (Vorsitzender)
Norbert Kissel, Pfarrer (Dekan)

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