Alternative Dekanatswallfahrt 2011
Frohbotschaft ist Parteibuch
Radwallfahrer machen auf christliche Soziallehre aufmerksam
Soziale Gerechtigkeit – für Christen nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses Programm. „Brennpunkte“ in der Region beweisen: Es ist topaktuell.
´Wie wollten im wahrsten Sinne des Wortes die Orte erfahren, an den Menschen in Not sind,´ sagt Ingrid Reidt, Organisatorin der Radwallfahrt der Regionalstelle für Betriebsseelsorge Rüsselsheim. Unter dem Motto ´Unsere Soziallehre gegen soziale Leere´ bezwangen 20 Teilnehmer insgesamt 56 Kilometer – von Rüsselsheim über Groß-Gerau und Büttelborn bis nach Maria Einsiedel.
Gemeinsam zielen die Radler verschiedene Stationen an, an jeder Haltestelle erwartet sie ein Impuls, um noch einmal an das ´Fundament´ der Soziallehre zu erinnern. ´Unser ‚Parteibuch‘ für unser durchaus auch politisches Handeln ist die jüdisch-christliche Frohbotschaft und der soziale Auftrag, der aus ihr erwächst´, sagt Ingrid Reidt. Deshalb begleitet ein Zitat von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1967 die Wallfahrer den ganzen Weg: ´Noch einmal sei feierlich daran erinnert, dass die Wirtschaft ausschließlich dem Menschen zu dienen hat.´ Ein Satz aus der Enzyklika ´Populorum progressio´.
Einen Stopp machen die Wallfahrer beim SCR Sils Center in Rüsselsheim: ´In dieser Firma sind über 30 Prozent Leiharbeiter beschäftigt´, sagt Reidt. ´Aus diesem Grund wurde hier im Februar ein Aktionstag gemeinsam mit der IG Metall veranstaltet.´ Der Aufenthalt der Radwallfahrer steht hier unter der Stichwort ´Lohngerechtigkeit statt Missbrauch von Leiharbeit´. ´Es war uns auch wichtig, an soziale Brennpunkte zu fahren, um hier die Situationen ins Gebet zu nehmen´, betont die Betriebsseelsorgerin. Genau das haben die Radwallfahrer und der dortige Betriebsrat getan.
´Arbeitsbedingungen schaffen Lebensbedingungen. Und ein wichtiger Teil der christlichen Soziallehre ist es, gerechte Lebensbedingungen für alle zu fordern.´
Eine weitere Station: die Groß-Gerauer Tafel. ´Gerade hier sieht man die Folgen der derzeitigen Situation´, sagt Ingrid Reidt. ´Hierher kommen viele, die trotz Arbeit von Armut betroffen sind´, weiß sie und fügt hinzu: ´Um das zu ändern, braucht es zwar auch Barmherzigkeit, aber vor allem müssen wir stetig darum kämpfen, dass sich etwas ändert. Wir müssen mit aller Beharrlichkeit an der sozialen Frage dranbleiben.´
Daniela Traschitt / Glaube & Leben







