Männerseelsorge des Bistum Mainz

Wir, das Referat Männerseelsorge, sind die Fachstelle für Männerarbeit im Bistum Mainz.

Als solches bieten wir Männern verschiedene Möglichkeiten, sich mit der Vielfalt männerspezifischer Themen, Fragestellungen und Problemen auseinanderzusetzen.

Wir begrüßen sie auf unserer Homepage und wünschen ihnen viel Spaß beim Durchstöbern.

 

Eindrücke vorausgegangener Veranstaltungen:

 
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Aufrappeln lohnt sich

Viele Teilnehmer bei der Nachtwanderung der Männerseelsorge des Bistums

Gute Laune nach einer anstrengenden Nachtwanderung. Im Kloster Jakosberg wartet das Frühstück.

Gute Laune nach einer anstrengenden Nachtwanderung. Im Kloster Jakosberg wartet das Frühstück.

 

Für Pater Anselm Grün ist die Nacht zum Karfreitag von
besonderem Tiefgang: „Hier wird uns das Grundgesetz des Lebens vor Augen geführt: Annehmen Gründonnerstag), Loslassen (Karfreitag), Einswerden (Karsamstag), Neuwerden (Ostern)." Norbert Fluhr berichtet über seine Erfahrungen bei einer Nachtwanderung der Männerseelsorge des Bistums.

Franz Adolf ist bereits zum sechsten Mal dabei. Der 59-Jährige genießt in der Männerrunde, die sich am Gründonnerstag gegen 22 Uhr im Pfarrheim St. Stephan in Mainz-Gonsenheim eingefunden hat, einen „Guide"- Status. Er ist einer von 44 Pilgern, die Stephan Weidner vom Ehe- und Familienreferat des Bistums und Peter-Josef Becker von der Pfarrgemeinde begrüßen. Vor dem Aufbruch stimmen sich die Männer in einer kurzen Vorstellungsrunde auf ihr gemeinsames Unterwegs-Sein ein. Knapp 30 Kilometer wollen sie in der Nacht zum Karfreitag wandern, mal schweigend, mal erzählend, mal betend. So steht es im Programm.


„Das schafft ihr schon" sagt der erfahrene Pilger

Franz Adolf nickt: „Das schafft ihr schon", beschwichtigt er manchen skeptischen Blick. Sechs Stationen liegen vor uns, bevor wir uns im Morgengrauen beim steilen Aufstieg zum Kloster Jakobsberg quälen „dürfen". Aber noch ist es nicht so weit: Stephan Weidner verteilt zur Stärkung auf der spirituellen Reise die restlichen Brote, die beim Agape- ottesdienst überreicht wurden. Im Hof des Pfarrheims bittet er die Teilnehmer, Holzscheite für das Feuer einzupacken. Symbolwirkung haben auch die Steine, die an den einzelnen Stationen zu einem Kreuz zusammengefügt werden sollen.
22.30 Uhr. Die muntere Männergemeinschaft setzt sich in Bewegung: Am Wendelinusheim im Gonsenheimer Wald ist der erste Halt. Als Bibeltext haben Weidner und Becker die Vorbereitung des Paschamahls aus dem Lukas-Evangelium ausgesucht. Das Abendmahl hat eine 2000-jährige Tradition - ein Gedanke, der Halt und Sicherheit in Krisenzeiten geben soll. Schweigend setzen die Pilger
ihren Weg durch Budenheims Straßen zum Campingplatz Uhlerborn fort. Jesus spürte angesichts des Todes Angst, fühlte sich verlassen. Ängste, die die Gruppe im Dunkel der Nacht nachempfinden kann.
Petrus steht im Widerspruch seiner Emotionen: „Auf mich
kannst du dich verlassen!", verkündet er noch eben im Brustton der Überzeugung, nicht lange danach weint er bitterlich. Reaktionen, die Menschen auch im Alltag begleiten. Aber nur, wer sich zu seinen Schwächen bekennt, kann auch um Verzeihung bitten. Pilatus will es bei der Auspeitschung Jesu belassen, heißt es im Lukasevangelium. Der Männergemeinschaft, die in Frei-Weinheim Station macht, wird bewusst: Auch wir fallen im Alltagoft um.

Warme Getränke und frischer Streuselkuchen


Die vorletzte Station: Gau-Algesheim. Es ist fünf Uhr. Ein
freundlicher Mitarbeiter aus Gau-Algesheim hat warme Getränke mit seinem Fahrzeug an die Feuerstelle gebracht. Dazu gibt es frischen Streuselkuchen, den sich die Männer munden lassen.
Weidner liest: „Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt." Einer von ihnen bekennt seine Schuld; der andere reagiert mit Hohn und Spott. Auch wir haben die Möglichkeit, uns zu entscheiden. Wir müssen die Scherben und die Chancen anschauen und uns der Frage stellen, ob wir auf Gottes Gnade vertrauen oder nicht. Ein „Vielleicht" gibt es nicht. Beschwerlich ist der Aufstieg zum Jakobsberg. Jeder muss seinen eigenen Rhythmus finden.
Es ist kurz nach sechs Uhr, als die ersten Pilger das Ziel erreichen. Weidner verkündet die Botschaft der Engel im leeren Grab: Jesus ist auferstanden und hat die Fesseln
des Todes hinter sich gelassen.
Beim Frühstück im Kloster sinnieren die Männer über die Überwindung der Tiefen des Lebens und Sterbens. Die Quintessenz: Es lohnt sich, sich aufzurappeln und die Reise zu sich selbst anzutreten.

 

Zur Sache
150 Männer auf vier Routen
150 Pilger beteiligten sich bei den vier Nachtwanderungen, die die Männerseelsorge des Bistums
am Gründonnerstag veranstaltete. Regen Zuspruch fand nicht nur die Route von Mainz-Gonsenheim zum Kloster Jakobsberg. Weitere Gruppen wanderten von Klein-Karben (Wetterau) nach Altenstadt, von Alzey nach Weinolsheim und von Darmstadt nach Dieburg. (nfl )

 

(Aus: Bistumszeitung Glaube und Leben, Nummer 15, 11.04.2010)

 


 

"Die Nacht der großen Gefühle"

 

Einen weiteren Artikel zur Gründonnerstag-Nachtwanderung aus der Allgemeinen Zeitung vom 03.04.2010 können sie mit einem Klick auf den Link lesen:

 

Die Nacht der großen Gefühle (Allgemeine Zeitung, 03.04.2010)


Aus dem Bauch heraus

Workshop der Männerseelsorge vermittelt die Kraft des Trommelns

Von Norbert Fluhr

Zur Mitte kommen und zum eigenen Rhytmus finden: Das lernten Männer in einem Trommelworkshop im Haus St. Gottfried in Ilbenstadt mit Musiktherapeut Rainer Maria Müller (Mitte). Dazu eingeladen hatte die Männerseelsorge des Bistums Mainz.

Zur Mitte kommen und zum eigenen Rhytmus finden: Das lernten Männer in einem Trommelworkshop im Haus St. Gottfried in Ilbenstadt mit Musiktherapeut Rainer Maria Müller (Mitte). Dazu eingeladen hatte die Männerseelsorge des Bistums Mainz.

 

Trommeln kann jeder. Das rhythmische Schlagen verströmt Lebensfreude, löst Emotionen und Aggressionen aus, fördert die non-verbale Kommunikation. Erfahrungen, die zwölf Teilnehmer eines Workshops der Männerseelsorge im Haus St. Gottfried in Ilbenstadt machten.

Dumpf prasseln die Schläge auf die Djemben und Congas. Die Fenster scheinen zu vibrieren. Die Spielfreude der zwölf Trommler ist unverkennbar. Für Werner Kahlau aus Griesheim und Alfred Weierich aus Aschaffenburg keine ungewohnten Klänge. „Berührungsängste" sind den beiden fremd, denn zum zweiten Mal haben sie sich für das Kreativseminar angemeldet.

„Wir machen hier keinen Wettbewerb"

Walter Massoth weiß seit Jahren die faszinierende Klangfülle einer Trommel zu schätzen. Der Bürstädter hat seine eigene Djembe, die er liebevoll mit einem Flausch an der Oberfläche geschmückt hat, zum Workshop mitgebracht. Musikalische Vorkenntnisse sind aber nicht erforderlich, macht Musiktherapeut Rainer Maria Müller gleich zu Beginn deutlich. Das Gemeinschaftsgefühl der Männergruppe ist bedeutsam, fördert die Dynamik. Wer kurz aus dem Rhythmus gerät, steht nicht unter Druck. „Wir machen hier keinen Wettbewerb", sagt Müller, der in Reborn, ganz in der Nähe von Meisenheim, ein Studio und ein Atelier eingerichtet hat. Die Menschen seien in unserem Kulturkreis von Strukturen geprägt. Beim Trommeln sei es aber bedeutsam, „aus dem Bauch heraus etwas klingen zu lassen, um die zurückkommende Kraft in uns zu spüren."

Zur Mitte kommen, zum eigenen Rhythmus finden, heißt Müllers Credo. Eine Botschaft, die bei den Männern ankommt. Das gemeinsame Spiel verbindet, „erdet" jeden Einzelnen. Ein therapeutischer Ansatz, denn Veränderungen werden spürbar. Im Grunde gebe es nur drei Gefühle, erläutert der Männerreferent des Bistums Mainz, Hubert Frank: Freude, Trauer und Angst. Emotionen, die bei den Teilnehmern unterschiedliche Wirkungen auslösen. Wichtig ist nur eins: „Bleibt bei euch - findet in diesem Moment euren eigenen Rhythmus."

Drei Taktmaße sind keine Hexerei

Es ist ein gruppendynamischer Prozess des Sich-Einlassens auf das Ungewisse - so wie im Lebensalltag, in dem der Mensch vor wichtigen Entscheidungen steht. Drei Taktmaße sind keine Hexerei. Müller demonstriert dies: Dem dumpfen Bass-Schlag in der Mitte der Trommel folgt ein offener Schlag, der von einem Slag, dem peitschenartigen Randschlag, abgerundet wird. Ausgelassenheit zeigen die Trommler beim Samba, im Zwei- Viertel-Takt wiegen die Männer die Instrumente. Dabei kommt es zu spontanen phonetischen „Überlagerungen". Der Fachmann nennt dies Polyrhtythmik. Beim anschließenden Reaggae folgen die Männer den Anweisungen von Müller fast spielerisch. Nur der zweite und vierte Schlag wird betont, die Zwischenschläge sind die off-Beats.

Dass sich die Männer binnen kurzer Zeit zu einer eingeschworenen Gemeinschaft verfestigt haben, zeigt sich am Abend beim Lagerfeuer. „Wir müssen uns erden", sagt Frank. Den festen Boden unter den Füßen spüren die zwölf Trommler, auch wenn einige im Crescendo der Trommel-Performance einen Freudentanz um das offene Feuer vollführen.

(Aus: Bistumszeitung Glaube und Leben, Nummer 46, 15.11.2009)

 

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