Neu erschienen zum Jubiläumsfestjahr 2006:
Hrabanus Maurus
Hymnen
ensemble Cosmedin
CD-Präsentation im Mainzer Dom
Bistum Mainz
Inhalt
1. Festum nunc celebre/In ascensione Domini/Hymnus ad matutinum
Text: Rabanus Maurus (probabiliter) (780–856) / Melodie: Liber hymnarius Bari
Gesang, Röhrenglocken, Zimbeln
2. Tibi, Christe, splendor patris/Hymnus de Michaele Archangelo
Text: Rabanus Maurus (probabiliter) / Melodie: Liber hymnarius Solesmes
Gesang, Langhalslaute
3. De laudibus sanctae crucis VII
Text: Rabanus Maurus / Rezitation, Langhalslaute
4. Veni, creator Spiritus/Hymnus in Pentecostem
Text: Rabanus Maurus (probabiliter) / Melodie: Ambrosius von Mailand (340–397)
Gesang, Röhrenglocken, Glöckchen
5. Epitaph
Text: Rabanus Maurus / Rezitation
Stephanie Haas (Gesang)
Christoph Haas (Langhalslaute, Röhrenglocken, Rahmentrommeln, Percussion)
Ersteinspielung März 2006 in Koproduktion mit dem SWR
CD (incl. Textbuch mit Übersetzungen) € 8,50 (ggf. zuzügl. Versandkosten)beim Infoladen des Bistums Mainz erhältlich:
http://www.bistum-mainz.de/infoladen
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Dr. habil. Stephanie Haarländer, Mainz
Zur Vorstellung der CD „Hrabanus Maurus: Hymnen“ mit dem Ensemble Cosmedin
(Dom zu Mainz, Ostkrypta, 25. März 2006)
Rabanus (Hrabanus) Maurus, Mönch und Abt in Fulda und von 847 und 856 Erzbischof von Mainz und einer der großen Theologen der späten karolingischen Epoche, hat uns ein großes Oeuvre hinterlassen. Sechs große Bände sind (auf Latein) gedruckt - sechsmal so viel wie von Hildegard von Bingen, ein Teil ist noch ungedruckt, das meiste (im Gegensatz zu Hildegard) nicht übersetzt. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt ohne Zweifel auf seinen Kommentaren zu nahezu allen Büchern der Bibel.
Von seinen Gedichten ist das berühmteste sein Erstlingswerk, das Lob des heiligen Kreuzes, dessen wohl schönste Handschrift wir bis zum 28. Mai 2006 im Mainzer Dommuseum bewundern können, das bekannteste dagegen seine selbstverfasste Grabinschrift, eine Bilanz seines Lebens aus eigener Feder.
Das Problem ist, dass Raban andere Gedichte nur zum Teil, die Hymnen aber gar nicht mit einer Kennzeichnung versehen hat, die diese Texte als seine Werke ausweisen könnten. Wir sind also auf spätere Zuschreibungen angewiesen.
Gedichte und Hymnen wurden erstmals 1617 in Mainz von Christoph Brower zum Druck gebracht - zehn Jahre vor der ersten Gesamtausgabe, aber ein gutes Jahrhundert nach dem Erstdruck des "Lobes des heiligen Kreuzes". Brower hat seine Texte einer Fuldaer Handschrift entnommen, die heute bis auf ein Fragment verloren ist. Und er hat nur diejenigen als echt rabanisch bezeichnet, die in den ältesten Teilen der Handschrift schon als solche gekennzeichnet waren. Eine spätere Hand hat nämlich weitere hinzugefügt und Raban zugeschrieben. Hier war er vorsichtig und hat sie als "zweifelhaft", mit einem Sternchen bezeichnet. Die auf der CD vom „Ensemble Cosmedin“ vorgetragenen Texte sind alle ohne Sternchen, also schon ganz früh Raban zugeschrieben worden. Soweit die sachlichen Informationen.
Hier aber geht es nicht um das gesprochene Wort, sondern um das Wort, das von Musik getragen, gestützt wird. Was hätte Raban an meiner Stelle hier zur Einführung gesagt? Da schaut man am besten an zwei Stellen seines pastoralliturgischen Handbuchs für angehende Kleriker nach. Sicher, er hat sich bei Isidor von Sevilla, bei Cassiodor und bei Augustinus informiert und sich dann ihre Worte zu eigen gemacht (De institutione clericorum II,49 über Hymnus, III,24 über die Musik als eine der sieben freien Künste).
So weiß er zu sagen, dass Hymnendichter eine Reihe berühmter Vorfahren haben: den König David, die Propheten, die Jünglinge im Feuerofen, ja Christus und die Apostel selbst – Hymnen sind also göttlichen und menschlichen Ursprungs zugleich. Sie dienen dazu, den Geist auf Gott hinzulenken, ja mehr noch, das Gemüt zur Gottesliebe zu entflammen.
Ein Kleriker, so schreibt Raban in eigenen Worten, der sich auf diese edle und nützliche Kunst nicht versteht, kann eigentlich gar nicht richtig Gottesdienst feiern. (Haec ergo disciplina tam nobilis est, tamque utilis, ut qui ea caruerit, ecclesiasticum officium congrue implere non possit.) Wenn er die Lesungen angemessen vorträgt, wenn er die Psalmen rezitiert, dann hat das mit Musik zu tun.
Dann erzählt Raban, nach dem römischen Schriftsteller Varro, wie aus den drei Töchtern des Jupiter und der Memoria, den Musen, neun geworden sind. Eine Stadt gab für ihren Apollotempel drei Musenstatuen in Auftrag und schrieb einen Wettbewerb unter drei Bildhauern aus. Aber jeder schuf so schöne Musenstatuen, dass die Stadt sich nicht entscheiden konnte und alle neun behielt. Und tatsächlich ist die Musik so dreifach besetzt: durch Saitenspiel, durch Flötenklang, durch Gesang.
(Kalliope [auch heroische Dichtung, Epik], Euterpe, Erato [auch Tanz])
(Klio [Geschichte, Kithara], Melpomene [Tragödie, Trauergesang], Terpsichore [Lyra], Urania [Sternkunde], Thalia [Komödie], Polyhymnia [Tanz, Pantomime, Geometrie])
Tatsächlich kann Klang drei Formen haben, so Raban in Anklang an Augustinus, der ein sehr musikalischer Kirchenvater war, weiter: in der Stimme dessen, der singt, im Blasen von Trompeten und Flöten, im Schlagen von Saiteninstrumenten und Glocken. Wir haben hier auf der CD immerhin zwei Formen des Klangs, wie sie Augustinus und Raban im Ohr haben.
Unser ganzes Leben aber läuft nach Gesetzen der Musik ab: ob wir sprechen oder ob das Blut durch unsere Adern pulst - im Rhythmus des Herzschlages nämlich. Denn die Musik ist das praktizierte Wissen vom rechten Maß - wenn wir einen rechten Lebenswandel führen, dann gehorchen wir Gesetzen der Harmonie, der Musik. Wenn wir Böses tun, "haben wir keine Musik", so heißt es hier wörtlich. (Musica quippe scientia est bene modulandi; quod si nos bona conversatione tractamus, tali disciplinae probamur semper esse sociati, quando vero iniquitates gerimus, musicam non habemus.)
Himmel und Erde und alles, was sich nach göttlicher Ordnung vollzieht - all das ist nicht ohne Musik: Caelum quoque et terra, vel omnia, quae in eis superna dispensatione peraguntur, non sunt sine musica disciplina ...
Mainz, 25. März 2006
Ensemble Cosmedin
Die Programme des Musiker-Paares Stephanie und Christoph Haas (Stuttgart) spannen einen Bogen über viele Jahrhunderte: Gesänge aus der Frühzeit der Christentums, vor allem aber die außergewöhnlichen Gesänge der Hildegard von Bingen, die in ihrer Klarheit und Expressivität, mit ihrem großen Tonumfang und mit ihren kühnen und unerwarteten Intervallsprüngen erstaunlich „modern“ wirken. Sie treffen auf Werke zeitgenössischer Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Aribert Reimann und Mauricio Kagel.
Stephanie Haas studierte bei Konrad Richter (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart), bei Helmut Lachenmann und Ellinor Junker-Giesen. Sie schöpft ihre Gestaltung der mittelalterlichen Gesänge aus einem intensiven Studium der handschriftlichen Quellen und dem Aufspüren der textbezogenen Melodie-Phrasierungen. Sie steht in intensivem Austausch mit zeitgenössischen Komponisten und sang zahlreiche Uraufführungen, darunter „Aus den Visionen der Hildegard von Bingen“ von Sofia Gubaidulina.
Aufgewachsen mit klassischer europäischer Musik studierte Christoph Haas in Westafrika, Lateinamerika und Südindien die großen Rhythmuskulturen der Welt. Auf der persischen Langhalslaute entwickelte er innovative Spieltechniken und emanzipierte die Tambura zum Soloinstrument. Als Komponist gilt sein besonderes Interesse den Beziehungen zwischen Raum und Klang, Architektur und Musik. Seine Kompositionen schlagen Brücken zwischen Orient und Okzident, Alter und Neuer Musik.
Konzertreisen führten das Duo u. a. in die Kathedralen von Chartres und Vézelay, nach Mailand (San Lorenzo Maggiore), Ulm (Münster), Aachen (Pfalzkapelle), Hildesheim (St. Michael), Paderborn (Abdinghofkirche, Bartholomäuskapelle), Chur (Kathedrale), Insel Reichenau (St. Georg), Paris, Hirsau, Gernrode, Goslar, Halberstadt und Berlin. Einladungen zu Festivals (Hildegard-Herbst Bingen, Dommusiktage Bad Gandersheim). Zahlreiche CD-Aufnahmen und Rundfunk-Sendungen.
Weitere Informationen: www.ensemble-cosmedin.de
