MBN vor 40 Jahren

Am 14. Mai 1969 fand der Medienempfang des Bistums Mainz anlässlich des „Welttages der sozialen Kommunikationsmittel" (18. Mai 1969) erstmals gemeinsam mit dem Nachbarbistum Limburg statt. Der Mainzer Bischof Hermann Volk hatte die Journalisten aus den beiden Bistümern an diesem Mittwochnachmittag um 17.00 Uhr ins Mainzer Haus am Dom eingeladen. Im Einladungstext, der im Archiv der Pressestelle erhalten ist, heißt es: „Um Ihnen die Möglichkeit zu weiteren Gesprächen zu geben, werden auch die Herren des Domkapitels und Referenten des Bischöflichen Ordinariates anwesend sein."

In seiner Ansprache sagte Volk: „Ich möchte Sie nicht über Ihren Beruf belehren, sondern mit Ihnen einige Probleme und Überlegungen anstellen, die sich im Anschluss an den Grundgedanken des diesjährigen Welttages der Kommunikationsmittel ‚Die Familie und die Massenmedien' aufdrängen." Er wies auf die besondere Verantwortung der Massenmedien hin, die „Vermittlungsinstanzen für die Meinungen, Gedanken und Vorstellungen der einzelnen Menschen und der Gruppen in der Gesellschaft" seien. Wörtlich sagte er: „Indem Sie mitteilen, was diese Gruppen bewegt, was sie denken und tun, vermitteln Sie zwischen den Menschen und Gruppen in einer sonst unüberschaubar gewordenen Gesellschaft. Aus dieser anspruchsvollen Auffassung von der Massenkommunikation ergeben sich die weitreichenden sozialen Verpflichtungen Ihres Berufes. Sie sind Anwälte auch und gerade jener Gruppen, die wie die Familie nicht durch lautstarke Lobbys repräsentiert werden."

Weiter heißt es in der Ansprache von Bischof Volk: „Es kann auch nicht verschwiegen werden, dass durch eine immer massivere Brutalitäts- und Sexualitätswelle das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums aus Geschäftsinteresse nicht selten missbraucht wird. Sie haben die Möglichkeit, vor allem die junge Generation auf die Zukunft hin zu orientieren, ihr Engagement auf die großen und wichtigen Fragen der Menschheit zu lenken. Wir können an der Tatsache nicht gedankenlos vorbeigehen, dass es sich bei der ‚rebellischen' Jugend um die erste Generation handelt, die von klein auf mit den Informationen aus dem Fernsehen aufgewachsen ist."

Auch auf die heute als „Medienkompetenz" diskutierte Thematik geht Volk im Folgenden ein. „Aber hier ergibt sich ein weiteres Problem. Die Fähigkeit nämlich, mit einem Fernsehgerät umzugehen, sagt noch nichts darüber aus, wie der Zuschauer mit dem umzugehen vermag, was ihm gezeigt wird. Die Fähigkeit zu lesen, besagt noch wenig über das Vermögen, das Gelesene zu ordnen, Entscheidungen zu treffen und sich auszukennen in der Welt. Wir Bischöfe sehen eine große Aufgabe der Kirche darin, dass dieses Vermögen gestärkt und entfaltet wird. Auch Sie können dazu einen Beitrag leisten. Die Massenmedien geben sich große Mühe, der Wirtschaft zu erklären, warum es sich lohnt, durch sie Werbung zu treiben. Mindestens die gleichen Anstrengungen sollten Sie unternehmen, um den Lesern, den Zuschauern und Zuhörern zu erläutern, wie die modernen Massenmedien aufgebaut sind und arbeiten. Das Publikum hat nicht weniger Recht auf eine ‚Gebrauchsanweisung' Ihres Organs als die Werbetreibenden. Hier müssen neue Wege gesucht und mutig gegangen werden."