MBN vor 40 Jahren

Auf Einladung des Diözesan-Caritasverbandes besuchten 60 Teilnehmerinnen den ersten Fortbildungskurs für Gemeindekrankenschwestern der Diözese Mainz. Der Mainzer Bischof, Dr. Hermann Volk, feierte zu Beginn der Tagung, die vom 13. bis zum 18. Juli 1969 in Braunshardt stattfand, die Heilige Messe, wie es in einer undatierten Pressemitteilung dazu heißt. Das Auftaktreferat „Die Gemeindekrankenpflege im Wandel" hatte Marta Belstler gehalten, die Leiterin der Abteilung Gesundheits- und Altenhilfe beim Caritasverband in der Erzdiözese Freiburg. Schwerpunkt war die fachliche Fortbildung zu verschiedenen Krankheiten, unter anderem zu Tuberkulose und ein ganzer Tag zum Thema „Alterskrankheiten". Die Woche wurde mit einer religiösen Betrachtung von Domkapitular Dr. Adam Groh zum Thema „Die Schwester im Dienste der Kranken" abgeschlossen.

Anlässlich des 100. Jubiläums der Predigt zur sozialen Frage von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler vor 10.000 Arbeitern fand auf der Liebfrauenheide am 20. Juli 1969 ein Gedenkgottesdienst statt, bei dem der Bischof von Essen, Dr. Franz Hengsbach, die Predigt hielt. Bischof Ketteler hatte damals am Ende einer Visitationsreise im Dekanat Seligenstadt unter der Überschrift „Die Arbeiterbewegung und ihr Streben im Verhältnis zu Religion und Sittlichkeit" gepredigt. Das Ruhrwort (26. Juli 1969), die Kirchenzeitung des Bistums Essens, zitiert Bischof Hengsbach mit den Worten: „Wir deutschen Bischöfe und Priester bekennen uns zu der von Ketteler betonten Tradition, die ihren Grund im Evangelium hat. Wir sehen darin einen wesentlichen Teil unseres kirchlichen Amtes. Auch heute noch ist die Welt weit entfernt von der Lösung der sozialen Frage des industriellen Zeitalters."

Weiter heißt es im Ruhrwort über die Predigt von Hengsbach: „Schon früh schwebte Ketteler das Ziel einer breiten Eigentumsstreuung vor und einer Sozialpartnerschaft, die auch die Verantwortung in der Wirtschaft breiter streute. Erst heute erkennen wir die ganze Tragweite dieser Ziele. Es kann nicht Sache der Kirche sein, für ihre Verwirklichung konkrete Vorschläge zu machen. Sie wird aber nicht müde werden alle Beteiligten, Staat und Sozialpartner, zu bitten, gerade diesem Bereich der Sozialpolitik besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Auch für eine weltweite Solidarität in der Lösung des Problems der Entwicklungshilfe sind gerade diese Bemühungen bedeutsam."