MBN vor 40 Jahren

Die Mainzer Bistumsnachrichten berichten von einer Initiative der beiden Pfarrgemeinderäte in Heusenstamm, die gegen die Verteilung eines Flugblatts durch einen Lehrer protestiert haben, das zum Austritt aus dem Religionsunterricht aufruft. Der Lehrer hatte am Kreisgymnasium in Heusenstamm während des Unterrichts ein Flugblatt verteilt, „das von der Projektgruppe Trennung von Schule und Kirche im Sozialistischen Lehrerbund Frankfurt am Main verfasst und gemeinsam mit der Unabhängigen Sozialistischen Schülergemeinschaft Frankfurt am Main herausgegeben wurde". Über den Inhalt des Flugblattes berichten die MBN: „Darin wurden die Schüler zum massenhaften Austritt aus dem Religionsunterricht aufgefordert, da er unkritisch mache, zur Anpassung nötige, die in der Taufe erschlichene Christianisierung verfestige, die Kinder mit Mythen und Legenden voll stopfe, in dem alle entscheidenden Fragen wie kirchlicher Antisemitismus, triebfeindliche Sexualmoral, Diffamierung der Frauen mit den Folgen im Hexenwahn, die religiöse Rechtfertigung der Klassenstruktur der Gesellschaft usw. übergangen und verkürzt würden."

Weiter heißt es: „Die Pfarrgemeinderäte legten in einem Schreiben an den Leiter des Gymnasiums sofort schärfsten Protest gegen die Unterrichtsgestaltung des entsprechenden Lehrers ein, der den Unterricht zu abfälligen Äußerungen über die christlichen Kirchen benutze, falsche Interpretationen und Darstellungen der christlichen Glaubenswahrheiten verbreite, durch die Verteilung des Flugblattes seine Kompetenz weit überschritten und die Kinder aufgefordert habe, sich gegen Eltern und Lehrer zu stellen. Es wurde weiterhin gebeten, solche Vorfälle abzustellen. Die dann erfolgte Suspendierung des Lehrers war nicht verlangt worden." Aus den Bistumsnachrichten geht hervor, dass die Kolpingsfamilie Heusenstamm eine öffentliche Diskussion zum Thema „Elternrecht, Schule, Kirche" veranstaltet hat, „während der der betreffende Lehrer ausgiebig sein Verhalten erläutern konnte, ohne dass es jedoch zu einer Einigung kam". Abschließend heißt es: „Kurz vor dem angedrohten ‚Go-in' beim Heusenstammer Sonntagsgottesdienst als Protest gegen die Suspendierung des Lehrers, zu dem die verschiedenen außerparlamentarischen Oppositionsgruppen von Studenten und Schülern in Frankfurt am Main aufgerufen hatten, informierten die Pfarrgemeinderäte die Presse mit genauen Unterlagen."

In zwei Einführungskursen sind im Jahr 1968 insgesamt 110 Laienhelfer für die Kommunionausteilung ausgebildet und vom Bischof ausgesandt worden. In den Bistumsnachrichten heißt es dazu: „Sehr aufgeschlossen zeigten sich die Laien der Diözese Mainz für die seit Anfang des Jahres bestehende Möglichkeit, als Gemeindehelfer für die Kommunionausteilung zugelassen werden zu können." Und weiter: „Neben den praktischen Anweisungen wurde ihnen eine theologische Weiterbildung in Fragen des Gottesdienstes, der Gemeinde und der eucharistischen Frömmigkeit geboten. Die Pfarrgemeinden reagierten auf ihre neuen Helfer durchweg positiv. Gelegentlich geäußerte Bedenken seien durch die Praxis und den Vollzug des Gottesdienstes schnell zerstreut worden, bestätigte der Bischöfliche Zeremoniar, Dr. Günter Duffrer. Es sei daran gedacht, im nächsten Jahr die Kurse als regionale Einkehrtage fortzusetzen und dem Wunsch nach Vertiefung und Weiterbildung der Laienhelfer durch neue Zusammenkünfte zu entsprechen."

Mainzer Bistumsnachrichten vom 10. Dezember 1968 (Nr. 15/1968)