MBN vor 40 Jahren
Mit ihren „Glaubensgesprächen für erwachsene Christen“ habe die Diözesanzentrale für Erwachsenenbildung „einen unerwarteten Erfolg“ erzielt. Das berichten Rektor Helmut Hanschur und Dr. Irene Willig, die seit 1963 für die religiöse Bildung Erwachsener im Bistum zuständig sind. Im anstehenden Wintersemester würden an rund 25 Orten im Bistum Glaubensgespräche angeboten. Die Kurse umfassen 14 Abende mit je einem Referat und anschließender Diskussion. Weiter heißt es in den MBN: „Die Mindestteilnehmerzahl von 30 wird oft weit überschritten. In Darmstadt trugen sich sogar 280 Personen ein. Die Vortragsmanuskripte werden schriftlich ausgegeben, so dass eine persönliche Nacharbeit möglich ist. Die Gesamtkosten für die zurzeit laufenden Glaubensgespräche belaufen sich auf etwa 36.000 D-Mark, von denen 30.000 D-Mark von der Diözese getragen werden, da je Teilnehmer nur fünf D-Mark Gebühr erhoben werden. Die örtliche Leitung der Gespräche liegt oft in den Händen von Laien.“
Schwerpunkte der Diskussionen seien „die Vereinbarkeit von evolutionistisch-naturwissenschaftlichem Denken mit der Theologie und von Konfession und Religion - Fragen, die die Glaubenssituation in unserer in einem allgemeinen Umbruch begriffenen Industriegesellschaft widerspiegeln“. Eine Hauptaufgabe der Diözesanzentrale für Erwachsenenbildung sind nach Angaben von Hanschur die „Offenen Wochenend-Tagungen“ zu aktuellen theologischen Fragen in Mainz und Heppenheim sowie Ehe- und Familienbildung mit Ehevorbereitungs- und Erziehungskursen. Ständig ausgebaut würden die Referenten-, Programm- und Materialdienste. „Sie sollen, wie Hanschur betonte, die Eigeninitiative anregen und stärken, auf die in erster Linie die Bildungsarbeit in den Pfarreien begründet sein müsse. Man erhofft sich hier große Hilfe und Unterstützung durch die geplanten Pfarrgemeinderäte.“
Mainzer Bistumsnachrichten vom 30. November 1967 (Nr. 2/1967)
Angekündigt wird das 50-jährige Priesterjubiläum von Prälat Adam Gottron am 28. Dezember 1967. Gottron (geboren am 10. Oktober 1889) wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt durch „die Pflege und Erforschung der geistlichen Musik, insbesondere aus dem alten Kurmainz. Es ist sein Verdienst, dass sie heute wieder bekannt ist und erklingt“, heißt es in den MBN. Gottron, der vor allem als Religionslehrer im Bistum tätig war, übernahm 1959 eine Honorarprofessur für mittelrheinische Musikgeschichte an der Mainzer Universität. 1962 wurde er zum Mainzer Ehrenbürger ernannt. Gottron starb am 18. Januar 1977 in Mainz.
Am 12. Dezember 1967 wurde vom Mainzer Diözesan-Kirchenstiftungsrat der Haushaltsplan 1968 einstimmig verabschiedet. Mit 48,7 Millionen D-Mark liege der Plan um 3,6 Millionen über dem Vorjahresetat. Die Einnahmen des Bistums ergäben sich im Wesentlichen aus 41 Millionen D-Mark Kirchensteuereinnahmen und drei Millionen D-Mark Staatsleistungen der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Ausgaben entfielen „in klassischer Dreiteilung“ auf Personalkosten (35,5 Prozent), Haushaltszuschüsse für die Pfarreien (23,9 Prozent) und Baukosten (27,8 Prozent). „Der Schuldenstand der Diözese liegt 1968 mit 9,7 Millionen D-Mark um über eine Million D-Mark niedriger als im Vorjahr“, heißt es weiter.
Der Mainzer Generalvikar Ludwig Haenlein kündigte in seiner Eigenschaft als Bischöflicher Baureferent die für 1968 genehmigten Bauprojekte an: zwei Kirchenneubauten, sieben Kirchenrenovierungen, zwei Pfarrhäuser und zwei Renovierungen von Pfarrhäusern sowie fünf neue Kindergärten und sechs Jugendheime. 1967 seien insgesamt elf Kirchen fertiggestellt worden, zehn seien derzeit noch im Bau befindlich. Bischof Hermann Volk begründete den hohen Baukostenanteil. In den MBN heißt es dazu: „Infolge der mit der Industrialisierung einhergehenden Bevölkerungsbewegung aus den Großstadtzentren in die Randgebiete der Ballungsräume entstehe die Notwendigkeit, dort neue Gotteshäuser, Kindergärten, Seelsorgezentren usw. zu bauen. Dabei habe die Kirchenbehörde nicht nur aus finanziellen Gründen sparsam zu sein, sondern vom Sinn und der Aufgabe der Seelsorge her. Praktisch heiße das, zwar bescheidene und würdige, aber keine dürftigen Kirchen zu bauen.“
Bischof Volk ging bei der Sitzung des Diözesan-Kirchenstiftungsrates auch auf die Personalsituation des Bistums ein. „Wenn 1967 auch die relativ hohe Zahl von 27 Seminaristen die Priesterausbildung begonnen habe, so müsse doch die Frage ständig gestellt werden, welche - auch seelsorglichen - Aufgaben künftig Laien - gegen entsprechendes Entgelt - übertragen werden könnten. Durch den Nachwuchsmangel insbesondere der krankenpflegenden und kinderbetreuenden Frauenorden wachse der Bedarf an Laienhelferinnen ständig. Um dieser Entwicklung materiell Rechnung zu tragen, wurde allein der Aufwand für die Caritas und Sozialhilfe um 119.000 D-Mark auf 1,7 Millionen D-Mark gesteigert.“
Mainzer Bistumsnachrichten vom 20. Dezember 1967 (Nr. 3/1967)