Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 42, 11. November 2009
Bischöfliche Pressestelle Mainz, Leiter: Tobias Blum, Bischofsplatz 2, 55116 Mainz
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Vorschau
Gottesdienst zum Abschluss des Domjubiläums (15.11.)
Finissage der Handschriften-Ausstellung (18.11.)
Vorstellung der CD „Nachtlieder" (25.11.)
Personalien
Kardinal Lehmann würdigte Weihbischof Guballa
Berichte
Caritas-Aktion „Eine Million Sterne" vorgestellt
Domengel auf Westquerhaus zurückgekehrt
Herbstvollversammlung des Katholikenrates
Ferdinand Kallab-Preis für Offenbacher Schwestern
Akademietagung zur Pius-Bruderschaft
Seltene Handschriften in der Martinus-Bibliothek
Uraufführung des Stückes „Der heilige Paulus"
Vortrag zur Erinnerung an die Shoa
Pfarrstiftung St. Martin in Ober-Olm gegründet
Vorschau
Gottesdienst zum Abschluss des Domjubiläums (15.11.)
ZDF übertragt 90-minütige Eucharistiefeier mit Kardinal Karl Lehmann live
Mainz. Mit einem Pontifikalamt im Mainzer Dom endet am Sonntag, 15. November, das diesjährige Jubiläum „1.000 Jahre Mainzer Willigis-Dom". Hauptzelebrant und Prediger des 90-minütigen Gottesdienstes, der ab 10.00 Uhr live vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) übertragen wird, ist der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann. Im Anschluss daran findet ab 12.00 Uhr im Erbacher Hof in Mainz ein Empfang für geladene Gäste statt. Nach der Begrüßung durch den Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, sind dabei Ansprachen von Kardinal Lehmann und ZDF-Intendant Markus Schächter als Vertreter der Medienpartner vorgesehen. Das Domjubiläum wird von vier Medienpartnern unterstützt: durch das ZDF, den Südwestrundfunk (SWR), die Allgemeine Zeitung Mainz und die Mainzer Rhein-Zeitung.
Eröffnet worden war das Jubiläumsjahr am 1. Februar mit einem Pontifikalamt im Mainzer Dom, an dem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, teilnahm. Bisherige Höhepunkte waren neben der Pontifikalvesper mit Kardinal Lehmann und Bundespräsident Horst Köhler am 11. Oktober etwa die Übergabe der Sonderbriefmarke der Deutschen Post zum Domjubiläum an Kardinal Lehmann im August und das „Wochenende der Dombauhütten", in dessen Rahmen ein 20 Tonnen schweres Modell des Willigis-Doms vorgestellt wurde. Bereits Ende Januar hatte ein Benefizspiel des 1. FSV Mainz 05 gegen Bayern München im Mainzer Bruchwegstadion einen Erlös von 100.000 Euro für die Stiftung Hoher Dom zu Mainz erbracht.
Darüber hinaus fanden im Laufe des Jubiläumsjahres Veranstaltungen für verschiedene Zielgruppen aus dem Bistum Mainz statt: So beispielsweise ein „Tag der Kindertagesstätten", der wegen des großen Interesses wiederholt werden musste, ein „Tag der Pastoralen Räte", ein „Tag der Erstkommunionkinder" oder ein „Tag der Religionslehrer". Zudem wurden zahlreiche Führungen, Konzerte, Vorträge und Lesungen veranstaltet. Die Chöre am Mainzer Dom etablierten außerdem eigens die Konzertreihe „1.000 Jahre Kirchenmusik - Stunde der Kirchenmusik". Insgesamt gab es im Jubiläumsjahr über 100 Veranstaltungen, die durchweg sehr gut besucht waren, teilweise auch nach kürzester Zeit ausverkauft waren, wie etwa das Domkonzert mit der Mezzosopranistin Elina Garanca im Mai.
tob (MBN)
Finissage der Handschriften-Ausstellung in der Martinus-Bibliothek (18.11.)
Vortrag von Professorin Uta Störmer-Caysa über die beiden Mystiker Eckhart und Seuse
Mainz. Zum Abschluss der Ausstellung mit seltenen mittelhochdeutschen Originalhandschriften aus dem zwölften bis 16. Jahrhundert in der Mainzer Martinus-Bibliothek wird am Mittwoch, 18. November, um 19.00 Uhr Professorin Uta Störmer-Caysa einen Vortrag halten. Sie ist Universitätsprofessorin für Ältere Literaturgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und spricht zum Thema „Meister Eckhart und Seuse - Wie wurden die deutschen Mystiker im Mittelalter gelesen?" Die Finissage wird von Professor Hans Ulrich Schmid, Leipzig, musikalisch begleitet. Der Eintritt ist frei.
Die Exponate aus den Schatzkammern der Martinus-Bibliothek und der Stadtbibliothek Trier bieten einen Gang durch die hochmittelalterliche deutsche Literaturgeschichte und werden anlässlich des 60. Jubiläums der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz ausgestellt. Gezeigt wird ein repräsentativer Einblick in die verschiedenen Epochen, Literaturgattungen und Buchtypen, in denen das mittelalterliche Deutsch überliefert ist: von einer frühmittelalterlichen Übersetzung und Auslegung des „Hohenliedes" der Bibel aus dem elften Jahrhundert über das Nibelungenlied, den höfischen Roman bis zu Schriften deutscher Mystiker wie Meister Eckhart und Heinrich Seuse aus dem 14. Jahrhundert. Neben reinen Texthandschriften werden auch einige mit kolorierten Federzeichnungen illustrierte Bücher zu sehen sein. Die selten ausgestellten Exponate können aus konservatorischen Gründen nur zwei Wochen lang gezeigt werden.
Hinweis: Martinus-Bibliothek - Wissenschaftliche Diözesanbibliothek Mainz - Grebenstraße 8 (Eingang), Augustinerstraße 34 (Postanschrift), 55116 Mainz, Tel.: 06131/266-222, Fax: 06131/266-387, E-Mail: martinus.bibliothek@bistum-mainz.de, Internet: www.bistum-mainz.de/martinus-bibliothek - Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18.00 Uhr.
tob (MBN)
Vorstellung der CD „Nachtlieder" (25.11.)
Neues CD- und Konzertprojekt im Bistum Mainz
Seligenstadt. Den vielfältigen Aspekten der Nacht ist das neue Konzert- und CD-Projekt „Nachtlieder" des Bistums Mainz gewidmet: 22 deutschsprachige Gedichte aus vier Jahrhunderten von Autorinnen und Autoren wie Friedrich Schiller, Joseph von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff, Georg Heym, Rainer Maria Rilke, Gertrud von Le Fort, Rudolf Alexander Schröder und Christine Lavant wurden von Thomas Gabriel, Regionalkantor in Seligenstadt, vertont. Das Staunen über den bestirnten Nachthimmel, die Ruhe einer Mondnacht und der Zauber eines südlichen Sommerabends kommen darin ebenso zur Sprache wie das ausgelassene nächtliche Treiben in einer Großstadt oder die Erfahrung von Angst und Einsamkeit. Neben religiös gefärbten Erfahrungen haben aber auch Humor und Heiterkeit über nächtliche Verwirrungen in dem Programm ihren Platz. Der lyrisch-musikalische Rundgang lade dazu ein, „das Phänomen der Nacht, dem wir uns in den Lichtkammern unserer Häuser und allzu beleuchteten Städte nur noch selten wirklich aussetzen, in seiner Vielfalt und letzten Tiefe neu zu entdecken", schreibt Dr. Barbara Nichtweiß, Leiterin der Abteilung Publikationen im Bistum Mainz, im Geleitwort zur CD, der auch alle Gedichttexte beigelegt sind.
Die Lieder werden interpretiert von Simone Pannes, seit 1. Oktober musikalische Leiterin des Chorstiftes Kiedrich, und von Thomas Gabriel. Begleitet werden sie von Dirko Juchem (Flöte, Bassflöte, Sopran- und Tenorsaxophon, Bassklarinette), Frank Willi Schmidt (Kontrabass und E-Bass) und Tilman Jerrentrup (Violoncello). Die Uraufführung des Programms „Nachtlieder" findet am Mittwoch, 25. November, um 20.00 Uhr im Pfarrsaal von St. Marien, Steinweg 25, in Seligenstadt statt. Ab diesem Abend ist auch die vom Bistum Mainz zusammen mit dem Musikverlag „ifo-classics" produzierte CD-Version des Programms erhältlich.
Hinweise:
- Die Karten für das Konzert kosten zehn Euro und sind an der Abendkasse sowie bei der Buchhandlung Bücherwurm, Tel. 06182/21771, und bei der Touristen-Information Seligenstadt, Tel.: 06182/87177 erhältlich.
- CD „Nachtlieder. Vertonungen deutscher Lyrik von Thomas Gabriel", 22 Lieder mit Simone Pannes, Dirko Juchem, Frank Willi Schmidt, Tilman Jerrentrup und Thomas Gabriel, 69 Minuten, Bistum Mainz Publikationen/ifo-classics Saarbrücken, 15 Euro
- Der Tonträger ist ab dem 26. November unter anderem erhältlich im Infoladen des Bistums Mainz, Heiliggrabgasse 8, 55116 Mainz, Tel.: 06131/253-888, E-Mail: infoladen@bistum-mainz.de, Internet: www.bistum-mainz.de/publikationen, sowie bei „Engelsklang", Amselweg 3, 63500 Seligenstadt, Tel.: 06182/787490, E-Mail: info@engelsklang.com
ni (MBN)
Personalien
Lehmann: „Du hast eine große Menschlichkeit"
Festliches Abendessen für Weihbischof Guballa im Erbacher Hof
Mainz, 8.11.2009: Kardinal Karl Lehmann (l.) mit dem Jubilar Weihbischof Dr. Werner Guballa
© Bistum Mainz / Matschak
Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat Weihbischof Dr. Werner Guballa für seine zahlreichen Dienste in der Diözese gedankt. „Entscheidend ist aber, wie Du diese Ämter ausübst, und zwar in großer Kontinuität in den verschiedenen Aufgaben und über die Jahre. Du hast eine große Menschlichkeit mit einer großen Einfühlungsgabe in Menschen", sagte Lehmann anlässlich eines festlichen Abendessens für Guballa am Sonntag, 8. November, im Erbacher Hof in Mainz. Guballa hatte am 30. Oktober seinen 65. Geburtstag gefeiert. Guballa war vor seiner Ernennung zum Weihbischof im Jahre 2003 Subregens, Studentenseelsorger in Mainz, Pfarrer und Dekan in Darmstadt sowie Generalvikar des Bistums.
Lehmann würdigte auch die Spiritualität Guballas: „Auch wenn Du viel Sinn hast für die menschliche Erdung unserer Arbeit, so ist Dir doch in allem das geistliche Fundament sehr wichtig. In allen Bereichen sorgst Du für eine tiefe Spiritualität." Und weiter sagte er: „Auch ist Deine kirchliche Loyalität ohne alle Schauklappen und mit großer Offenheit für uns alle wohltuend. Ich danke Dir auch persönlich von ganzem Herzen für die stets geschenkte Solidarität und die hohe Bereitschaft, für mich selbst Aufgaben zu übernehmen."
Werner Guballa wurde am 30. Oktober 1944 in Marienborn bei Mainz geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie zunächst an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und später an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Kardinal Jan Willebrands weihte ihn am 10. Oktober 1970 in Rom zum Priester. Im Jahr 1975 schloss Guballa seine Studienzeit in Rom mit einer theologischen Promotion über den Dominikaner Melchior Cano OP ab. Noch im gleichen Jahr nahm er seine Seelsorgetätigkeit im Bistum Mainz als Kaplan in Bensheim-St. Georg auf. Von 1977 an war er fünf Jahre als Subregens und Ökonom am Bischöflichen Priesterseminar in Mainz tätig. Im Februar 1982 beauftragte ihn Kardinal Hermann Volk mit der Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde St. Albertus in Mainz. 1991 wechselte er als Pfarrer nach Darmstadt-St. Ludwig, wo er 1992 auch zum Dekan des Dekanates Darmstadt gewählt wurde.
Am 1. Oktober 1996 übernahm Guballa in der Nachfolge von Martin Luley das Amt des Generalvikars im Bistum Mainz. Guballa wurde am 20. Februar 2003 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof ernannt und gemeinsam mit Dr. Ulrich Neymeyr am Ostermontag, 21. April 2003, von Kardinal Karl Lehmann im Mainzer Dom zum Bischof geweiht. Seit 1. Mai 2003 ist er als Bischofsvikar für die Geistlichen und Ordensleute im Bistum Mainz sowie für das Institut zur geistlichen Begleitung der hauptberuflich in der Seelsorge Tätigen verantwortlich. Anfang 2004 ist Guballa von Kardinal Lehmann zum Bischofsvikar für die Caritas und zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Caritasverbandes für die Diözese Mainz ernannt worden. Papst Johannes Paul II. würdigte ihn mit den Ehrentiteln „Kaplan seiner Heiligkeit" (Monsignore) im Jahr 1992 und „Ehrenprälat Seiner Heiligkeit" (Prälat) im Jahr 1998.
am (MBN)
Berichte
Kinderarmut ist eine Schande
Pressekonferenz mit Kardinal Lehmann zur Caritas-Aktion „Eine Million Sterne"
Mainz, 10.11.2009: Pressekonferenz zur Aktion "Eine Million Sterne" mit (v.l.) Caritas-Pressesprecher Axel Geerlings-Diel, Diözesancaritasdirektor Thomas Domnick, Kardinal Karl Lehmann und dem Mainzer Caritasdirektor Wolfgang Schnörr.
© Bistum Mainz / Matschak
Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat die Menschen im Bistum Mainz dazu aufgerufen, sich an der Aktion „Eine Million Sterne - damit Kinder leben" zu beteiligen. „Gerade in Mainz dürfen wir das Domjubiläumsjahr nicht schließen, ohne uns im Herzen durch das weltweit verständliche Symbol des jungen Soldaten Martinus erweichen und aufrufen zu lassen, der für den frierenden Bettler seinen Soldatenmantel teilt. Er ruft uns heute nicht minder auf, alle unsere Lebenschancen besonders mit Kindern zu teilen", sagte Lehmann bei einer Pressekonferenz am Dienstag, 10. November, im Erbacher Hof in Mainz. Die Aktion „Eine Million Sterne", die am 2. Juni dieses Jahres begann, ist eine Solidaritätsaktion der Caritasverbände im Bistum Mainz und will auf Kinderarmut in Deutschland und Brasilien aufmerksam machen.
Lehmann, der Schirmherr der Aktion ist, unterstrich, dass es eine „Schande" sei, wenn man die Situation der Kinderarmut in einem vergleichsweise reichen Land wie Deutschland hinnehme. „Es hat mich in den letzten ein bis zwei Jahren sehr bewegt, immer wieder die Erfahrung machen zu müssen, dass täglich viele Kinder und Jugendliche in unseren Städten kein warmes Essen bekommen und auch sonst gravierende Mängel in ihrem Leben erfahren", sagte der Kardinal. Gemeinsam mit den Caritasdirektoren im Bistum Mainz sei man der Meinung gewesen, im Rahmen des Jubiläums „1.000 Jahre Mainzer Willigis-Dom" auf diese „schreiende Not" aufmerksam machen zu müssen.
Der Mainzer Diözesancaritasdirektor Thomas Domnick formulierte in seinem Statement die politischen Forderungen der Caritas. Er wies darauf hin, dass in Deutschland rund 1,74 Millionen Kinder und ihre Familien von Hartz IV leben. Die Caritas fordere unter anderem eine Anhebung der Kinderregelsätze bei Hartz IV, den Ausbau des Kinderzuschlags sowie einen kostenfreien Zugang zu schulischen Bildungseinrichtungen verbunden mit Lehr- und Lernmittelfreiheit.
25.000 Streichholzbriefe verteilt
Für die Aktion wurden seit Juni rund 25.000 Streichholzbriefe in Postkartengröße für eine Spende von drei Euro ausgegeben. Mit der Spende werden zum einen Lichteraktionen, die vom 12. bis 14. November in der Diözese und in der Stadt Mainz stattfinden, unterstützt. Zum anderen fließt je ein Euro in diözesane Projekte zur Armutsbekämpfung sowie in ein Projekt für brasilianische Straßenkinder von Caritas International. Die Lichter-aktionen sollen ein äußeres Zeichen für solidarisches Handeln mit armen Kindern und ihren Familien sein.
Ihren Abschluss findet die Aktion „Eine Million Sterne" am Samstag, 14. November, mit einer zentralen Lichteraktion ab 17.30 Uhr vor dem Mainzer Dom. „In Mainz werden wir rund 4.500 Kerzen aufstellen. Damit wollen wir deutlich machen, dass in unserer Stadt 4.500 Kinder und ihre Familien von Hartz IV leben. Jedes Kind ist uns wichtig und jedes Kind ist uns ein Auftrag", sagte Caritasdirektor Wolfgang Schnörr vom Caritasverband Mainz e.V. Er wies darauf hin, dass Kinderarmut nicht nur materielle Armut, sondern auch fehlende gesellschaftliche Teilhabe bedeute. Daher werde der Mainzer Caritasverband die Spenden unter anderem für Angebote im Bildungsbereich verwenden.
Die Kerzen werden in der Form des Flammenkreuzes der Caritas aufgestellt. Im Rahmen der Aktion wird es zwei Talkrunden (um 17.55 Uhr und um 18.25 Uhr) geben, an der unter anderen Kardinal Lehmann, Malu Dreyer, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen in Rheinland-Pfalz, sowie Kurt Merkator, Sozial- und Finanzdezernent der Stadt Mainz, teilnehmen. Moderiert werden die Talkrunden von der ZDF-Journalistin Susanne Conrad. Für Unterhaltung sorgen der Kabarettist Tobias Mann und die Hechtsheimer Jugendband. Außerdem werden Fotos der dezentralen Lichteraktionen, die an den zwei Tagen zuvor in Bad Nauheim, Bensheim, Bingen, Gernsheim, Gießen, Offenbach und Worms stattfanden, gezeigt. Bei diesen Aktionen werden jeweils rund 2.000 Kerzen aufgestellt, auch hier ist ein Bühnenprogramm vorgesehen.
Hinweis für die Redaktionen: Für Journalisten besteht am Samstag, 14. November, die Möglichkeit, vom Westturm des Mainzer Domes aus die aufgestellten Kerzen zu fotografieren oder zu filmen. Treffpunkt für den Fototermin ist um 18.15 Uhr das Haus Nr. 10 am Markt, 55116 Mainz. Der Fototermin wird ungefähr eine halbe Stunde dauern.
am (MBN)
Domengel zurückgekehrt
Kopie des Originalengels aus dem 13. Jahrhundert steht wieder auf dem Westquerhaus
Mainz, 9.11.09: Der neue Domengel wird auf den Mainzer Dom gehoben.
© Bistum Mainz / Matschak
Mainz. Eine Kopie des steinernen Domengels ist am Montag, 9. November, mit Hilfe eines Autokranes wieder auf den Nordgiebel des Westquerhauses gesetzt worden. Der neue Domengel ersetzt eine Kopie des Originalengels aus dem 13. Jahrhundert, die am 9. Mai 2007 vom Mainzer Dom heruntergehoben wurde. Der neue Domengel wurde von Steinbildhauer Frank Schärf von der Mainzer Dombauhütte angefertigt, der dafür in vier Monaten 400 Arbeitsstunden benötigte. Die künstlerische Gesamtleitung lag bei Dr. Hans-Jürgen Kotzur, Dom- und Diözesankonservator sowie Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums.
Der Originalengel aus dem 13. Jahrhundert ist bereits zwei Mal durch eine Kopie ersetzt worden: im Jahr 1770 und im Jahr 1974. Der Originalengel steht inzwischen im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum. Die Kopie von 1974 wies zahlreiche Risse auf, weshalb eine erneute Kopie nötig war. Die neue Kopie ist ca. 1,20 Meter hoch, wiegt rund 200 Kilogramm und ist aus Miltenberger Sandstein. Der Engel trägt ein Kreuz und ein Buch in seinen Händen.
am (MBN)
Einladung zum Ökumenischen Kirchentag in München
Herbstvollversammlung des Katholikenrates im Bistum Mainz
Mainz, 7.11.2009: Mit dem Thema Ökumene beschäftigte sich der Katholikenrat des Bistums Mainz bei seiner Herbstvollversammlung
© Bistum Mainz / Blum
Mainz. Im Vorfeld des Zweiten Ökumenischen Kirchentages (ÖKT) im kommenden Jahr war die Ökumene Schwerpunktthema der zweitägigen Herbstvollversammlung des Katholikenrats im Bistum Mainz von Freitag, 6., bis Samstag, 7. November, im Erbacher Hof in Mainz. Die Mitglieder des Katholikenrates diskutierten am Samstagmorgen intensiv verschiedene ökumenische Fragestellungen zusammen mit Monsignore Dr. Anton van Hooff, Ökumene-Referent des Bistums Mainz, und Pfarrer Jörg Bickelhaupt, Beauftragter für interkonfessionelle Fragen vom Ökumene-Zentrum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Dr. Simone Schwanitz, Mitglied des Präsidiums des ÖKT, warb am Ende der Sitzung für die Teilnahme am ÖKT vom 12. bis 16. Mai 2010 in München. Sie wies darauf hin, dass im kommenden Jahr die Orthodoxie stärker in das Programm eingebunden werde als das noch 2003 beim ersten ÖKT in Berlin der Fall gewesen sei.
Zu Beginn hatte van Hooff darauf hingewiesen, „dass erst der Paradigmenwechsel des Zweiten Vatikanischen Konzils es ermöglicht habe, innerhalb der katholischen Kirche positiv mit nichtkatholischen Christen umzugehen". Er verdeutlichte die Entwicklung, die es in der Ökumene seit dem Konzil gegeben habe: Während in den 1960er Jahren das Ideal „der einen Kirche, die über alle Verschiedenheiten hinausgeht" vorgeherrscht habe, sei in den 1970er Jahren deutlich geworden, „dass es dieses Ideal nicht geben kann, weil die Verschiedenheit der Christen eine historische Tatsache ist, die nicht mit einer Unterschrift aufgehoben werden kann". Daher orientiere sich die Ökumene inzwischen an einem Einheitsverständnis, das die Verschiedenheit unter den Glaubensgemeinschaften integriere und in der Regel als „versöhnte Verschiedenheit" oder „differenzierter Konsens" bezeichnet werde.
Tun, was bereits möglich ist
Mainz, 7.11.2009: Referenten des Tages waren Monsignore Dr. Anton van Hooff, Ökumene-Referent des Bistums Mainz, und Pfarrer Jörg Bickelhaupt, Beauftragter für interkonfessionelle Fragen vom Ökumene-Zentrum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
© Bistum Mainz / Blum
Es sei „tragisch", dass es in der Ökumene „zwei Geschwindigkeiten" gebe, die der Kirchenleitungen und die der Basis. „Es ist eine Tatsache, dass sich diese Geschwindigkeiten immer weiter voneinander entfernen. Deshalb ist es eine große Aufgabe, diese beiden Geschwindigkeiten der Ökumene in Sichtweite zu halten", sagte van Hooff. Er warb bei den Mitgliedern des Katholikenrates für einen realistischen Blick auf die Ökumene. Wörtlich sagte er: „Zielen Sie nicht auf die ganz großen Schritte, sondern gehen Sie die Schritte, die möglich und notwendig sind." Insgesamt sei in der Ökumene „bereits mehr möglich als viele denken und wissen". Und weiter: „Dies bringt mit sich, dass man eigentlich nicht ständig fragen muss, was ist erlaubt und was nicht. Wir müssen nur begründen, was wir nicht gemeinsam dürfen."
Es gebe „kein größeres Hindernis für die Einheit der Kirchen als die verschiedenen Vorstellungen von der Einheit", sagte Bickelhaupt. Er hoffe, dass es „einen starken Impuls für die Ökumene bringt, wenn sich im Vorfeld des ÖKT jeder Christ bewusst macht, dass die Kirchen durch die Trennung am eigenen Leib verwundet sind". Wörtlich sagte er: „Die Vielfalt gehört zur Kirche dazu, nicht aber die Trennung." Bickelhaupt betonte ebenfalls, „dass die Konfessionen bei der Mehrheit der Gemeindedienste ohne Probleme zusammenarbeiten können". Beide Referenten sprachen sich für einen konfessionellen Religionsunterricht an Schulen aus und damit gegen einen ökumenischen Religionsunterricht. Bickelhaupt ergänzte, dass er sich für den konfessionellen Religionsunterricht „eine stärkere ökumenische Öffnung" wünsche.
„Konkretisierung" der pastoralen Richtlinie zur Nachhaltigkeit verabschiedet
Am Freitagabend, 6. November, hatte der Katholikenrat unter anderem „eine Konkretisierung" der pastoralen Richtlinie zur Nachhaltigkeit verabschiedet, die vom Sachausschuss „Bewahrung der Schöpfung und des menschlichen Lebens" als „Orientierung und Ermutigung" für die diözesanen Gremien entwickelt wurde. Darin bittet der Katholikenrat die Einrichtungen im Bistum, sich vor allem bei „der Beschaffung von Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern auf die Einhaltung der Kriterien der Nachhaltigkeit zu verpflichten". Außerdem regt der Katholikenrat einen eigenen Finanzierungsfonds beim Bistum für nachhaltige Projekte und die Auslobung eines Preises für Nachhaltigkeit an. Der Katholikenrat hatte sich bereits bei seiner Frühjahrsvollversammlung für die Selbstverpflichtung der Pfarreien zur „Nachhaltigen Gemeinde" ausgesprochen. Weiteres Thema des Treffens war die Vorstellung der Arbeit der muttersprachlichen Gemeinden im Bistum. Die Sprecherin des Katholikenrates, Dr. Hildegard Dziuk, Darmstadt, leitete die Sitzung.
tob (MBN)
Ferdinand Kallab-Preis für italienische Schwestern
Sozialpreis der Stadt Offenbach für karitative Arbeit verliehen
Offenbach. Der Offenbacher Konvent der Schwestern unserer Lieben Frau der Barmherzigkeit ist am Donnerstag, 5. November, für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Ferdinand Kallab-Preis der Stadt Offenbach ausgezeichnet worden. Der Offenbacher Sozialpreis wurde von Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann stellvertretend an Schwester D´Errico Assunta und Schwester D´Amore Teresa überreicht. Der Sozialausschuss der Stadt würdigte bei seinem einstimmigen Votum für den Konvent dessen „vorbildliche ehrenamtliche Arbeit im Rahmen der sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Betreuung und Fürsorge von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen sowie Familien". An der Feier zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung nahmen auch der Offenbacher Dekan, Pfarrer Michael Kunze, und der Pfarrer von Offenbach St. Marien, Hans Blamm, teil.
tob (MBN)
Lehmann: Eine kluge Entscheidung des Papstes
Akademietagung im Erbacher Hof zur Diskussion um die Pius-Bruderschaft
Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat es als „eine kluge Entscheidung von Papst Benedikt XVI." bezeichnet, dass die gerade begonnenen Gespräche des Vatikan mit der Pius-Bruderschaft auf die Frage der Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils konzentriert worden seien. Der Kardinal äußerte sich am Samstagabend, 7. November, zum Abschluss der Akademietagung „Kirche, wohin gehst du? Tradition und Kirche im Gegenwind" im Erbacher Hof in Mainz. Die Tagung zur Diskussion um die Pius-Bruderschaft wurde von der Bistumsakademie Erbacher Hof veranstaltet.
Lehmanns Referat stand unter der Überschrift „Die Frage nach Offenbarung - Kirche - Tradition. Aspekte einer systematischen Entfaltung". Darin zeigte er anhand von vier Texten, dass es vom Alten Testament bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil „einen durchgehenden roten Faden zu den Bereichen Offenbarung, Kirche und Tradition gibt". Er stellte folgende „grundlegenden Texte" vor: aus dem Alten Testament Deuteronomium 26,5-9, aus dem neuen Testament die Verse 1-11 aus dem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefs, eine Stelle aus „Adversus haereses" von Irenäus von Lyon (Buch I, Kapitel 10, Absatz 2) und die Artikel neun und zehn der Dogmatischen Konstitution „Dei Verbum" über die Offenbarung des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Über den Text aus „Dei Verbum" sagte er wörtlich: „Natürlich wird diese wechselseitige Bestimmung von Offenbarung und Schrift, Tradition und Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer wieder, je nach Situation, Zeitgenossen, kulturellen Milieus und den verschiedenartigen Zugängen unterschiedlich formuliert. Aber es bleibt bei dem aufgezeigten Grundgefüge. Nach langen und schwierigen Debatten und Auseinandersetzungen hat das Zweite Vatikanische Konzil einen eindrucksvollen Text formuliert, der eine Zusammenfassung der verbindlichen Aussagen der Kirchen darstellt." Lehmann hatte zu Beginn darauf hingewiesen, dass das Thema in Ruhe besprochen werden müsse und die Akademie deshalb Anfang des Jahres „keinen Schnellschuss" zu der Diskussion um die Pius-Bruderschaft gemacht habe.
Kardinal Lehmann hatte sich in diesem Jahr bereits in seinem Hirtenwort zur Österlichen Bußzeit am ersten Fastensonntag zum Thema geäußert und das Vorgehen von Papst Benedikt XVI. bei der Aufhebung der Exkommunikation der vier unerlaubt geweihten Bischöfe der Pius-Bruderschaft verteidigt. Das Hirtenwort trägt den Titel „Kirche - wohin gehst du? Eine Orientierung zur Diskussion um den Weg nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil".
Dr. Sven Boenneke aus Mainz hatte in seinem Referat darauf hingewiesen, dass die Pius-Bruderschaft die Gültigkeit der katholischen Messe im Anschluss an die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in Zweifel zieht. Die Gültigkeit hänge nach Ansicht der Bruderschaft von der Intention des Priesters ab, der den Gottesdienst feiert. Insgesamt sei es schwierig, einen offiziellen Standpunkt der Bruderschaft auszumachen, da grundlegende Texte weitgehend fehlten. Er bezog sich unter anderem auf Texte aus dem Katechismus der Bruderschaft und ihres Gründers Erzbischof Marcel Lefebvre. Nach dem Selbstverständnis der Bruderschaft sei ihr Widerstand gegen die katholische Kirche durch einen Kirchennotstand erforderlich geworden. Boenneke sprach zum Thema „Zum kirchlichen Handeln der Pius-Bruderschaft - ein Realitätstest".
Professor Wolfgang Beinert aus Regensburg machte in seinem Referat deutlich, dass die Fundamentalkritik der Bruderschaft, das Zweite Vatikanische Konzil sei lediglich ein Pastoralkonzil, falsch sei. „Sachlich wie quantitativ ist kein Primat der Pastoral beim Zweiten Vatikanischen Konzil festzustellen." Darüber hinaus seien die dogmatischen Erklärungen „genauso verbindlich wie die aller anderen Konzilien", sagte der Dogmatikprofessor. Und weiter: „Wer eine pastorale Unverbindlichkeit postuliert, muss sich nach seiner Rechtgläubigkeit fragen lassen." Die eigentliche systematische Leistung des Zweiten Vatikanischen Konzils sei es gewesen, „dass es die Einseitigkeit der Scholastik durch das Bekenntnis zur gesamten Überlieferung ersetzt hat". Beinerts Referat stand unter der Überschrift „Bloß pastoral oder dogmatisch verpflichtend? Zur Verbindlichkeit des Zweiten Vatikanischen Konzils".
Der Ökumene-Referent des Bistums Mainz, Dr. Anton van Hooff, betonte, dass Erzbischof Lefebvre „die lebendige Tradition des Glaubens verlassen hat". In der Sicht der Pius-Bruderschaft werde „die vielschichtige Wirklichkeit der Überlieferung, die Kirche konstituiert, zu einer abstrakten Tradition verkürzt", sagte er. In der „eindimensionalen Betrachtung" von Tradition durch die Bruderschaft werde die Geschichte „bloß als Vehikel gesehen, dass die sich gleichbleibende ‚Tradition' zu nachkommenden Generationen transportiert. Ein Austausch zwischen Glaube und Menschheitsgeschichte findet nicht statt." Dr. van Hooff sprach zum Thema „Tradition ereignet sich in der Geschichte. Was bleibt im Wandel?"
In den drei Vorträgen am Vormittag lag der Schwerpunkt auf den Wurzeln, dem Traditionsverständnis und dem politischen Umfeld der Pius-Bruderschaft in Frankreich. Referenten waren Professor Karl-Heinz Menke aus Bonn, Professor Alois Schifferle aus Eichstätt und Dr. Jean-Louis Schlegel aus Paris. Der Direktor der Akademie, Professor Dr. Peter Reifenberg, hatte die Teilnehmer begrüßt und die Tagung zusammen mit Studienleiterin Dr. Bernadette Schwarz-Boenneke moderiert. Zum Abschluss des Tages feierten die Teilnehmer gemeinsam mit Kardinal Lehmann die Eucharistie in der Kapelle des Erbacher Hofes.
tob (MBN)
„Wir zeigen Handschriften, die wirklich sehr selten sind"
Ausstellung in der Martinus-Bibliothek zeigt Originalhandschriften aus Mainz und Trier
Mainz, 5.11.2009: Die Macher der Handschriftenausstellung in der Martinus-Bibliothek: (v.l.) Dr. Ralf Plate, Prof. Dr. Christoph Gerhardt, Petra Plättner, Katharina Hanuschkin und Dr. Helmut Hinkel
© Bistum Mainz / Matschak
Mainz. In der Mainzer Martinus-Bibliothek sind ab Freitag, 6. November, zwei Wochen lang mittelhochdeutsche Originalhandschriften aus dem zwölften bis 16. Jahrhundert zu sehen. Die Exponate aus den Schatzkammern der Martinus-Bibliothek und der Stadtbibliothek Trier bieten einen Gang durch die hochmittelalterliche deutsche Literaturgeschichte. „Wir zeigen Handschriften, die wirklich sehr selten sind", sagte der Direktor der Martinus-Bibliothek, Dr. Helmut Hinkel, vor Journalisten am Donnerstag, 5. November, im Lesesaal der Einrichtung.
Petra Plättner von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz wies darauf hin, dass die Ausstellung Teil der Veranstaltungen zum 60. Jubiläum der Akademie sei. Veranstalter ist neben der Martinus-Bibliothek als Gastgeber die Trierer Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften für das Mittelhochdeutsche Wörterbuch (MWB). In der Trierer Arbeitsstelle wird erstmals seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Wörterbuch für mittelhochdeutsche Texte, die zwischen 1050 und 1350 entstanden, erarbeitet. „Wir zeigen Originale der Texte, die wir für unser Wörterbuch brauchen", sagte Dr. Ralf Plate von der Trierer Arbeitsstelle.
Eröffnung am 5. November
Der Ausstellungsmacher, Professor Christoph Gerhardt von der Universität Trier, wird am Donnerstag, 5. November, um 17.30 Uhr die Ausstellung mit einer Führung eröffnen. Anschließend findet ein Empfang statt. Gezeigt wird in sechs Vitrinen ein repräsentativer Einblick in die verschiedenen Epochen, Literaturgattungen und Buchtypen, in denen das mittelalterliche Deutsch überliefert ist: von einer frühmittelalterlichen Übersetzung und Auslegung des „Hohenliedes" der Bibel aus dem elften Jahrhundert über das Nibelungenlied, den höfischen Roman bis zu Schriften deutscher Mystiker wie Meister Eckhart und Heinrich Seuse aus dem 14. Jahrhundert. Neben reinen Texthandschriften werden auch einige mit kolorierten Federzeichnungen illustrierte Bücher zu sehen sein. Gerhardt lobte zudem den „unglaublichen Schatz" der Martinus-Bibliothek, vor allem ihre Bestände von Büchern aus der Frühzeit der Germanistik. Unter anderem zeigt die Ausstellung auch
eine Erstausgabe der mittelhochdeutschen Handschrift „Trierer Silvester" von Wilhelm Grimm aus dem Jahr 1841. Neben den Vitrinen erläutern Schautafeln ausführlich die gezeigten Handschriften.
MWB ist Epochenwörterbuch
Das MWB ist ein Epochenwörterbuch zum hochmittelalterlichen (Hoch-)Deutsch (1050 bis 1350). Es bearbeitet den Wortschatz und Wortgebrauch des gesamten Spektrums der aus diesem Zeitraum überlieferten deutschsprachigen Texte. Das MWB wird unter der Verantwortung und Trägerschaft der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in zwei Arbeitsstellen in Trier (Mainzer Akademie) und in Göttingen (Göttinger Akademie) ausgearbeitet.
Finissage mit Vortrag von Uta Störmer-Caysa (18.11.)
Die Ausstellung ist bis Mittwoch, 18. November, im Lesesaal der Martinus-Bibliothek bei freiem Eintritt zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen. Die selten ausgestellten Exponate können aus konservatorischen Gründen nur zwei Wochen lang gezeigt werden. Zur Finissage der Ausstellung wird am Mittwoch, 18. November, um 19.00 Uhr Uta Störmer-Caysa einen Vortrag halten. Sie ist Universitätsprofessorin für Ältere Literaturgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und spricht zum Thema „Meister Eckhart und Seuse - Wie wurden die deutschen Mystiker im Mittelalter gelesen?" Der Vortragsabend wird von Professor Hans Ulrich Schmid, Leipzig, musikalisch begleitet.
Hinweis: Martinus-Bibliothek - Wissenschaftliche Diözesanbibliothek Mainz - Grebenstraße 8 (Eingang), Augustinerstraße 34 (Postanschrift), 55116 Mainz, Tel.: 06131/266-222, Fax: 06131/266-387, E-Mail: martinus.bibliothek@bistum-mainz.de, Internet: www.bistum-mainz.de/martinus-bibliothek - Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18.00 Uhr.
tob/am (MBN)
„Ein Poet für die Missstände auf dieser Welt"
Am Mainzer Staatstheater wurde das Stück „Der heilige Paulus" uraufgeführt
Mainz. Die aktuelle Banken- und Wirtschaftskrise. Das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge, die in die Europäische Union wollen. Die modernen Massenmedien. Die Demonstrationen im Iran nach den Präsidentschaftswahlen. AIDS. Es ist einiges, was auf der Bühne des Mainzer Staatstheaters angesprochen und kritisiert wird. Mittendrin: der heilige Paulus. Regisseur Robert Borgmann hat den Lebensweg des Paulus auf die Bühne des Mainzer Staatstheaters gebracht, dessen Botschaft mit den Problemen und Fragestellungen der Gegenwart konfrontiert. Die Uraufführung, an der auch der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, teilnahm, fand am Freitag, 6. November, im Kleinen Haus des Theaters statt.
Grundlage für das rund dreistündige Stück ist ein Drehbuch des italienischen Filmemachers Pier Paolo Pasolini aus den 1960er-Jahren, das allerdings nie realisiert wurde. Pasolini übertrug die Lebensgeschichte des Paulus auf das Nachkriegseuropa. Borgmann holt seinen „heiligen Paulus" in die Gegenwart. „Ich glaube, dass Mainz mit seiner engen Verbindung zur Kirche natürlich ein besonderes Pflaster für die Auseinandersetzung mit dem Apostel ist", sagt Borgmann in einem Interview mit der „TheaterZeitung", einer Sonderbeilage der Allgemeinen Zeitung Mainz. Paulus habe den Menschen immer noch einiges zu sagen, unterstreicht er: „Vielleicht ist er für Pasolini, wie auch für mich, ein Poet mit zwei Ohren für die Missstände auf der Welt."
In Borgmanns Inszenierung ist Paulus (Darsteller: Marek Harloff) ein Frankfurter Banker, der nach einem Flugzeugabsturz eine Gotteserfahrung macht. Er wird von einem Boot mit afrikanischen Flüchtlingen aufgefischt und nach Teneriffa gebracht, von wo aus er seine Mission beginnt. Unter anderem prangert er das System der Erdölförderung an. Setzt sich mit Intellektuellen von heute auseinander. Stellt ihnen seine Botschaft entgegen. Gespielt wird auf einer Einheitsbühne vor einem überdimensionalen Triptychon, die Regienanweisungen des Drehbuchs, die von den Schauspielern vorgetragen werden, umreißen in wenigen Sätzen den Ort der jeweiligen Szene.
Borgmann gibt dabei den Zitaten aus den Paulus-Briefen des Neuen Testaments breiten Raum, zeichnet Paulus als einen Menschen, der von seiner Mission felsenfest überzeugt ist. „Ich finde den Gedanken wundervoll, dass man im Glauben an die Auferstehung Jesu als Prämisse für das eigene Leben nicht den Rechts- und Gesellschaftssystemen dieser Welt hörig sein darf. Es gibt damit eine höhere Wahrheit. Dieser Gedanke hat allerhöchste Sprengkraft. Man ist doppelt da: als Fleisch und Blut und als Geist in Verbindung zu Jesus Christus", schreibt Borgmann im Programmheft zum Stück, in dem auch Kardinal Lehmann einen Beitrag geschrieben hat.
Hinweis: Die nächsten Aufführungen finden am 17., 22. November und 10. Dezember 2009 sowie am 3. und 10. Januar 2010 jeweils um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz statt. Weitere Informationen auch im Internet unter www.staatstheater-mainz.de
am (MBN)
„Erinnerung braucht Orte mit der Aura des Geschehens"
Vortrag von Professor Wolfgang Benz im Mainzer Haus am Dom
Mainz. Professor Wolfgang Benz, Berlin, hat in einem Vortrag im Mainzer Haus am Dom am Dienstag, 3. November, darauf hingewiesen, dass Erinnerung „Orte mit der Aura des Geschehens" brauche. Benz, der Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin und Herausgeber des „Handbuchs des Antisemitismus" ist, thematisierte in seinem rund 45-minütigen Referat unter anderem den Umgang mit Gedenkstätten, die an die nationalsozialistische Diktatur erinnern. Sein Vortrag stand unter der Überschrift „Die Zukunft der Erinnerung. Gedenkstätten, Rituale, Diskurse in der Perspektive des Historikers" und war Teil der Vortragsreihe „Die bleibende Bedeutung der Erinnerung an die Shoa".
Benz wies darauf hin, dass diese Gedenkstätten oft „im Schatten des öffentlichen Interesses" lägen. Sie seien „stigmatisierte Orte, die ein Normalbürger nicht ohne Not betritt". Er sprach sich dafür aus, die Scheu vor diesen Gedenkstätten zu überwinden, und lobte in diesem Zusammenhang den Landtag von Rheinland-Pfalz, der eine seiner Sitzungen im Konzentrationslager Osthofen bei Worms abgehalten hatte. Benz bezeichnete dies als „bahnbrechend", dies sei ein wichtiges Zeichen der Integration des damaligen Geschehens in den Alltag. Er unterstrich die bleibende Bedeutung von Gedenkstätten, die aber nicht „kultische Orte der Erinnerung" sein dürften. Die öffentliche Inszenierung von Erinnerung ersetze nicht die persönliche Auseinandersetzung.
Daher brauchten Gedenkstätten Bürger, die diese Stätten zu „lebendigen Orten der Auseinandersetzung mit Erinnerung" machten. Erinnerung müsse „unverkrampft und selbstverständlich" Teil der politischen Kultur in Deutschland werden. Zugleich warnte er davor, an Gedenkstätten zu hohe Erwartungen zu knüpfen, sie seien keine Reparaturwerkstatt für gesellschaftliche Fehlentwicklungen: „Gedenkstätten können aber Denkanstöße geben, die in der Alltagsarbeit weiterentwickelt werden", sagte er. Benz forderte auch dazu auf, die „authentischen Stätten des Gedenkens" im Ausland wie Auschwitz in Polen oder Theresienstadt in Tschechien weiterhin finanziell zu unterstützen, da sie vom Verfall bedroht seien.
Abschlussvorträge von Professor Henrix und Professor Wengst (25.11.)
Der Vortrag von Wolfgang Benz war der dritte der Vortragsreihe, die die Bistumsakademie Erbacher Hof in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mainz veranstaltet. Die Themen der ersten beiden Vorträge lauteten „Nach der Schuld. Über die Bedeutung von NS-Vergangenheit und Holocaust für die heutigen Deutschen" (Professor Norbert Frei, Jena) und „Ewiges Erinnern. Holocaust und jüdische Identität" (Professor Michael Wolffsohn, München). Die Reihe beschließen zwei Vorträge am Mittwoch, 25. November, um 18.00 Uhr im Mainzer Haus am Dom: Professor Hans Hermann Henrix, Aachen, spricht zum Thema „Gott denken nach der Shoa" und Professor Wengst, Bochum, spricht zum Thema „Christen als ,Amaleks' Kinder und ihre Verwiesenheit auf Israel: ein offenes Problem".
am (MBN)
Pfarrstiftung St. Martin in Ober-Olm gegründet
Generalvikar Giebelmann überreichte Gründungsurkunde
Ober-Olm. Im Rahmen einer Vesper hat der Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, am Sonntag, 8. November, die Gründungsurkunde der Pfarrstiftung St. Martin in Ober-Olm an Pfarrer Thorsten Geiß übergeben. Ziel der Stiftung ist die langfristige Erhaltung der Pfarrkirche St. Martin und der Valentinuskapelle. In seiner Ansprache sagte Giebelmann: „Wer eine Stiftung gründet, der glaubt an seine Zukunft und will diese gestalten. Er will der nächsten Generation weitergeben, was er erhalten hat." Die Pfarrstiftung St. Martin in Ober-Olm ist die 21. Stiftung unter dem Dach der Bonifatius-Stiftung des Bistums Mainz.
tob (MBN)

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