Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 35, 21. September 2005
Bischöfliche Pressestelle Mainz, Leiter: Tobias Blum, Bischofsplatz 2, 55116 Mainz
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Berichte
Kardinal Lehmann als DBK-Vorsitzender wiedergewählt
Eröffnungsreferat zur Herbst-Vollversammlung
Abschluss der Innenrenovierung in Darmstadt-St. Ludwig
Informationsveranstaltung zur Patientenverfügung
Pfarrer Janik als KHP-Vorsitzender bestätigt
Neue kirchenmusikalische Ausbildungskurse
Bensheimer Heilig-Geist-Hospital geht in Klinikverbund
Preis für KEB Rheinland-Pfalz beim „Zukunftsradar"
Anneliese Sänger als Rektorin eingeführt
Vorschau
50 Jahre „Haus am Maiberg“ (30.9.)
Dompräbendat em. Helmut Hanschur wird 80 (29.9.)
Festwoche in Darmstadt-St. Elisabeth (24.9.-2.10.)
Orgeltage in Bad Wimpfen (30.9.-3.10.)
Welttag des Tourismus (27.9.)
Woche der ausländischen Mitbürger (25.9.-1.10.)
Dokumentation
Predigt von Kardinal Lehmann zum Thema „Macht“
Berichte
Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wiedergewählt
Bischof Mussinghoff wieder Stellvertreter / Langendörfer und Ilgner in ihren Ämtern bestätigt
Fulda. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, ist von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erneut für sechs Jahre zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Die Wahl fand am Dienstagvormittag, 20. September, im Bischöflichen Priesterseminar in Fulda statt. Gegen 11.30 Uhr sagte Lehmann den zahlreichen wartenden Journalisten im Innenhof des Priesterseminars, dass er im ersten Wahlgang gewählt worden sei. Dabei ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Stimmberechtigt waren 68 Bischöfe. Weitere Angaben zum Wahlergebnis machte er nicht. Als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wurde der Aachener Bischof, Heinrich Mussinghoff, bestätigt. Er hat dieses Amt seit 1999 inne.
Er freue sich sehr über seine Wiederwahl, sagte Lehmann. Dieses Mal sei es „kein Spaziergang“ gewesen. Vor der Wahl habe es entgegen der Gepflogenheiten eine Aussprache gegeben. Bei den beiden letzten Wiederwahlen sei dies nicht geschehen. Nur bei seiner ersten Wahl war es bisher zu einer Aussprache vor dem Wahlgang gekommen, sagte er. Kardinal Lehmann ist seit 1987 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Am 22. September 1987 war er als Nachfolger von Kardinal Joseph Höffner, Erzbischof von Köln, erstmals zum Vorsitzenden gewählt worden. Nach Wiederwahlen am 21. September 1993 und am 21. September 1999 tritt er jetzt seine vierte Amtszeit an.
Zahlreiche Glückwünsche
Kardinal Lehmann hat nach seiner Wiederwahl zahlreiche Glückwünsche von Vertretern aus Politik, Kirchen, Gesellschaft und von vielen Privatpersonen erhalten. Zu den Gratulanten gehören bisher unter anderen: Bundestagspräsident Wolfgang Thierse; Bundeskanzler Gerhard Schröder; die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel; Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen; der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck; der hessische Ministerpräsident Roland Koch; Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes; Professor Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK); Bischof Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD); Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Die Vollversammlung hat auch den Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Dr. Hans Langendörfer SJ, erneut für eine Amtszeit von sechs Jahren wiedergewählt. Ebenso wurde sein Stellvertreter, Dr. Rainer Ilgner (61), für eine Amtszeit von sechs Jahren wiedergewählt. Auch der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, wurde von den Bischöfen in seinem Amt bestätigt.
Hinweis: Weitere Informationen unter http://www.dbk.de/
SDBK/tob (MBN)
Sich auf die konkrete Situation einlassen, ohne ihr zu verfallen
Eröffnungsreferat der Herbst-Vollversammlung von Kardinal Karl Lehmann
Fulda. „Wenn wir im Pluralismus überleben wollen, dann brauchen wir mehr Mut zum eigenen Platz und zum unverwechselbaren Profil des eigenen Standortes.“ Das sagte Kardinal Karl Lehmann am Montagabend, 19. September, zur Eröffnung der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Bischöflichen Priesterseminar in Fulda. „Wir müssen endlich heraus aus der Situation eines immer noch vorhandenen Minderwertigkeitsbewusstseins und brauchen zum Erweis unserer Geistesgegenwart nicht allen möglichen Tendenzen nachzulaufen. Wir kommen sonst ohnehin immer zu spät und sind morgen schon von gestern.“ Lehmann fasste seine Perspektiven für das Handeln der Kirche in zehn Thesen. Sein grundlegendes, 29-seitiges Referat trägt den Titel „Neue Zeichen der Zeit. Unterscheidungskriterien zur Diagnose der Situation der Kirche in der Gesellschaft und zum kirchlichen Handeln“.
Die Kirche dürfe sich nicht einfach den dynamischen Kräften der Gesellschaft überlassen. Sonst gehöre sie „zum üblichen Treibsand dieser Zeit“. „Sie muss vielmehr die innere Kraft zum Dialog und zum Widerstand zugleich haben“, sagte Lehmann. Die Kirche dürfe sich nicht einfach anpassen und sich mit dem Geist der Zeit vermischen. Wörtlich sagte er: „Aber sie hat gerade aufgrund vielfacher Solidarität eine innere Nähe und damit auch eine echte Sorge im Blick auf das Schicksal der Menschen in dieser Zeit. Wegen dieser Nähe muss sie sich auf die konkrete Situation einlassen, ohne ihr zu verfallen. Dies ist ganz entscheidend. Davon hängt die wirkliche Gegenwart der Kirche in unserer Welt ab.“
Er wies darauf hin, dass Kirche bereits seit langer Zeit mit dem Rücken an der Wand stehe und sich ständig selbst verteidigen müsse. „Diese Position ist nicht gut, weil der Spielraum immer enger wird. Andere bestimmen die Themen. Wir sind stets wie in einem Verhör.“ Es komme darauf an, „dass wir aufbrechen und mehr in einen geistigen Wettbewerb eintreten als bisher“. Wenn die Kirche diese Offensive wage, werde es ihr gelingen, „aus der bestimmten Alternative des Glaubens eine Einladung an alle werden zu lassen“. Besondere Bedeutung habe dabei der Mut des einzelnen Christen zum persönlichen Zeugnis. Die Kirche habe früher oft ein Kirchenbild gefördert, dass von einer großen Immobilität geprägt gewesen sei, sagte Lehmann. Doch der Anschein, als bewege sich in der Kirche nichts, täusche gründlich. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kirche überhaupt nicht zwei Jahrtausende hätte überleben können, wenn sie nicht im Medium des Geistes eine solche lebendige Strategie von Beharrlichkeit und Wandel befolgt hätte, oft gleichsam instinktiv, nicht immer mit reflektierter Absicht.“
Den Blick auf die „Zeichen der Zeit“ bezeichnete Lehmann als „zentrales Vermächtnis des Zweiten Vatikanischen Konzils“, der jedoch mit einer vielschichtigen und nie ganz auflösbaren Spannung verbunden sei. „Die Zeichen der Zeit können auch manchmal neue Spuren des Heils enthalten. Aber es ist nicht zwangsläufig so. Deshalb ist dieses Spurenlesen eine zwar undankbare, aber lebenswichtige Aufgabe der Kirche. Man muss sich tief hineinbeugen in den Staub einer Zeit, aber in dieser spannenden Gegenwart gibt es auch rasch Pfade, die sich freilich bisweilen auch als Holz-, Ab- und Irrwege erweisen. Später sieht man dies oft besser. Jetzt aber kann man die Karte unserer Zeit nur auf diese Weise vermessen.“
Hinweis: Das Eröffnungsreferat als pdf-Datei im Internet: http://dbk.de/presse/pm2005/2005-091a%20Eröffnungsreferat.pdf
tob (MBN)
Abschluss der Innenrenovierung in Darmstadt-St. Ludwig
Größte Pfarreiorgel im Bistum Mainz / Farbkonzept von Diözesankonservator Kotzur
Darmstadt. Nach über drei Jahren Bauzeit ist jetzt die Innenrenovierung der Rundkirche St. Ludwig in Darmstadt abgeschlossen. Pfarrer Josef Beheim berichtete am Donnerstag, 15. September, zusammen mit Diözesankonservator Dr. Hans-Jürgen Kotzur und Architekt Rainer Cebulla vom Diözesanbauamt vor Journalisten über die Baumaßnahmen. Auffälligste Neuerung ist das in Rot- und Blautönen gehaltene Farbkonzept von Diözesankonservator Kotzur. Außerdem wurde eine neue Orgel des Orgelbauers Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach im Schwarzwald auf der Empore eingebaut. Bereits zu Beginn der Baumaßnahmen wurde Ende 2002 der Altarraum der Kirche neu gestaltet. Die Gemeinde begeht aus diesem Anlass von Samstag, 17., bis Sonntag, 25. September, eine Festwoche. Dabei finden neben zahlreichen Orgelkonzerten unter anderem Gottesdienste mit Weihbischof Dr. Werner Guballa (Orgelweihe am 17.9. um 19.00 Uhr), Kardinal Karl Lehmann (Pontifikalamt am 18.9. um 10.00 Uhr) und Generalvikar Dietmar Giebelmann (Festgottesdienst am 25.9. um 10.00 Uhr) statt.
Die Kosten für die Innenrenovierung und die Neugestaltung des Altarraumes belaufen sich nach Angaben von Cebulla auf rund 1,6 Millionen Euro. Davon trägt das Bistum rund 95 Prozent. Hinzu kommen rund 100.000 Euro vom Bistum für Baumaßnahmen an der Orgel. Pfarrer Beheim bezifferte die Kosten für die neue Orgel, die von der Pfarrgemeinde finanziert wird, auf etwa 800.000 Euro. In den vergangenen zehn Jahren hätte die Pfarrei mit zahlreichen Aktionen bereits über 500.000 Euro aufgebracht. Unter anderem können Patenschaften für die einzelnen Orgelpfeifen übernommen werden. Für den Restbetrag habe die Gemeinde ein Darlehen aufnehmen müssen.
Die Farbgestaltung gebe dem Kirchenraum jetzt ein eigenes Gepräge, sagte Kotzur. „Der Raum wirkt jetzt nicht mehr so unfertig wie zuvor.“ Leitlinie für sein Farbkonzept sei das Farbsystem des Architekten und Farbgestalters Paul Meyer-Speer gewesen, sagte Kotzur. Er wies darauf hin, dass die Farbgebung besonders auf schlechte Lichtverhältnisse abgestimmt sei und die Farben deswegen so kräftig seien. Die Farbwahl - blau für die Kuppel und rot für die Wand der Rotunde - berücksichtige auch inhaltliche Aspekte. Das Blau symbolisiere das Geistige und Jenseitige und das Rot das Irdische und Diesseitige. Ausgeführt wurde die Ausmalung von der Malerin Damaris Wurmdobler aus Erbes-Büdesheim.
Eine Schwierigkeit sei gewesen, dass während der Baumaßnahmen an den Wochenenden weiterhin Gottesdienste gefeiert wurden, sagte Cebulla. Daher sei für die Arbeiten an der Kuppel ein drehbares Gerüst verwendet worden, dass jeweils die Arbeiten an einem der acht Kuppelsegmente ermöglicht habe. Weiterhin sei für die Wände ein besonderer Akustikputz verwendet worden, „um ungünstige Faktoren der schwierigen Akustik zu entschärfen“.
Der Altarraum sei um drei Treppenstufen abgesenkt worden und näher zu den Gläubigen versetzt woren, sagte Beheim. Der Entwurf dazu stammt von Professor Elmar Hillebrand aus Köln. Beheim dankte Kotzur für „die geniale Idee der Farbkomposition“ in der Kirche. Im Oktober wird im Verlag Schnell und Steiner zu den Baumaßnahmen das Buch „St. Ludwig in Darmstadt. Von der Pantheonidee zur Kirche am Berg“ von Michael Groblewski und Hans-Jürgen Kotzur (Hgg.) erscheinen.
„Offene Kirche auf dem Berg“
Künftig werde die Kirche montags bis samstags von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet sein, sagte Pfarrer Beheim. Im Rahmen des Projektes „St. Ludwig - Offene Kirche auf dem Berg“ hätten sich bereits 84 Ehrenamtliche bereit gefunden, während der Öffnungszeiten als Ansprechpartner in der Kirche anwesend zu sein. Außerdem werde jeden Samstag um 12.30 Uhr ein Mittagsgebet angeboten. Das Projekt sei ein Beitrag der Pfarrei zur City-Seelsorge in Darmstadt, sagte Beheim.
Die größte Pfarreiorgel im Bistum Mainz
Das neue Instrument habe „einen kraftvollen Orgelklang, der nie zu aufdringlich wirkt“, sagte Regionalkantor Andreas Boltz. „Das so hinzubekommen, war eine große Kunst.“ Bei der Wahl der Klangfarbe habe man lange überlegt und sich schließlich für eine Orgel entschieden, „die der Ästhetik der französischen Symphonik des 19. Jahrhunderts entgegen kommt“. Die dreimanualige Orgel hat 43 Register und besitzt rund 3.000 Orgelpfeifen. Die kleinste misst zwei Zentimeter, die größte rund acht Meter. Boltz wies darauf hin, dass St. Ludwig mit dem neuen Instrument die größte Pfarreiorgel im Bistum Mainz habe. Künftig wolle er regelmäßig Orgelkonzerte in St. Ludwig anbieten.
St. Ludwig war der erste katholische Kirchenneubau seit der Reformation
Die St. Ludwigskirche wurde als erste katholische Kirche in Darmstadt seit Einführung der Reformation in Hessen in den Jahren 1822 bis 1827 von Georg Moller im klassizistischen Stil gebaut. Als Vorbild diente ihm das Pantheon in Rom. Die fensterlose Rundkirche hat einen Durchmesser von 43 Metern und im Scheitelpunkt der Kuppel eine Lichtöffnung von acht Metern Durchmesser. Am 11. September 1944 wurde St. Ludwig bei einem Bombenangriff auf Darmstadt bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte von 1946 bis 1961.
Hinweis: Das ausführliche Programm der Festwoche ist erhältlich beim Katholischen Pfarramt St. Ludwig, Wilhelminenplatz 9, 64283 Darmstadt, Tel.: 06151/9968-0, Fax: 06151/9968-22, E-Mail; st-ludwig@gmx.de, Internet: http://www.st-ludwig-darmstadt.de/
tob (MBN)
Eine Richtschnur für den Arzt
Informationsveranstaltung zur Patientenverfügung im Erbacher Hof
Mainz. Der Freiburger Moraltheologe, Professor Eberhard Schockenhoff, hat sich gegen eine Regelung gewandt, wonach Patientenverfügungen nur dann gelten sollen, wenn die Krankheit unumkehrbar sei und trotz medizinischer Behandlung zum Tode führen werde. Dies sei „unvereinbar mit dem hohen Rang der Selbstbestimmung, die dem Menschen aufgrund seiner Menschenwürde zukommt", sagte er am Mittwochabend, 14. September, im Erbacher Hof in Mainz. „Man kann nicht das Selbstbestimmungsrecht des Patienten im Kern aufheben." Deswegen sollte der Wunsch des Patienten auch in Fällen Beachtung finden, in denen es sich nicht um eine irreversibel tödlich verlaufende Erkrankung handle. Die Informationsveranstaltung stand unter der Überschrift „Die Patientenverfügung - ein Instrument der Selbstbestimmung?" Veranstaltet wurde der Abend von der Akademie des Bistums Mainz Erbacher Hof. Hintergrund der Äußerungen von Schockenhoff ist das Anliegen einer Mehrheit der Mitglieder der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, die sich dafür ausgesprochen hat, die Gültigkeit von Patientenverfügungen auf irreversibel tödlich verlaufende Erkrankungen zu beschränken. Schockenhoff, der stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Ethikrates ist, wies zugleich darauf hin, dass hinter dieser Meinung durchaus „ein ehrenwertes Anliegen" stehe. Die Mehrheit der Kommission habe die Sorge, dass die Patientenverfügung andernfalls dazu führen könnte, dass Patienten, trotz aussichtsreicher Therapiemöglichkeiten, aufgrund von Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen eine medizinische Behandlung vorenthalten werden könnte.
Grundsätzlich sei die Patientenverfügung „ein wichtiges und sinnvolles Instrument", das dem Arzt als Richtschnur dienen könne, den Willen eines Patienten, der sich nicht mehr selbst äußern kann, zu ermitteln. Er warnte davor, die Patientenverfügung bloß als Mittel gegen bestimmte medizinische Maßnahmen durch einen Arzt zu sehen. „Die Patientenverfügung nimmt dem Arzt nicht den eigenen Entscheidungsspielraum." Auch bei Vorhandensein einer Patientenverfügung bleibe es Aufgabe des Arztes, die Verfügung zu interpretieren, da nicht alle möglichen medizinischen Konstellationen im Voraus erfasst werden könnten. Schockenhoff wies auch darauf hin, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass sich auch die emotionale Befindlichkeit von Menschen anders entwickeln könne, als bei Abfassung einer Patientenverfügung angenommen.
Leiden und Sterben nicht gegen den Willen von Menschen verlängern
Der Mainzer Hospizarzt, Dr. Martin Weber, teilte die Meinung von Schockenhoff zur Gültigkeit der Patientenverfügung. „Als Christen dürfen wir es nicht zulassen, dass die moderne Medizin das Leiden und Sterben von Menschen gegen deren Willen verlängert“, sagte er. „Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass am Ende doch andere entscheiden, und dass es auf den eigenen Willen letztlich nicht ankommt, dann wird das zu einer Radikalisierung der Ansichten führen.“ Weber sprach sich deutlich gegen aktive Sterbehilfe aus: „Es ist meine feste Überzeugung, dass wir in dieser Frage das Tor keinen Millimeter weit öffnen dürfen.“ Gleichzeitig sei es jedoch notwendig, alle rechtlich zulässigen Formen der ärztlichen Sterbehilfe, wie palliative Sedierung, Therapiebegrenzung oder indirekte Sterbehilfe, zu nutzen.
Weber empfahl die Patientenverfügung des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz. „Diese ist deutlich besser als die Christliche Patientenverfügung.“ Sie liefere dem Arzt sehr gute und hilfreiche Beschreibungen über den Willen des Patienten. Menschen, die sich ausführlicher mit der Problematik auseinandersetzen wollten, empfahl er den Text „Sterben hat seine Zeit“ der Evangelischen Kirche in Deutschland, der im März 2005 erschienen ist.
Zu Beginn hatte Professor Peter Reifenberg, Direktor der Akademie des Bistums Mainz Erbacher Hof, die zahlreichen Besucher im Kardinal-Volk-Saal begrüßt. Die große Zahl der Besucher zeige, dass es gerade zur Patientenverfügung noch einen sehr großen Informationsbedarf gebe. Nach den einführenden Vorträgen beantworteten die beiden Fachleute noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum.
Hinweise:
- Die Christliche Patientenverfügung im Internet: http://dbk.de/schriften/DBK6.GemeinsameTexte/gt015-pdf.zip
- Die Patientenverfügung des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz im Internet:
http://www2.justiz.bayern.de/daten/pdf/vorsorge2004.pdf - Sterben hat seine Zeit. Überlegungen zum Umgang mit Patientenverfügungen aus evangelischer Sicht, (EKD-Texte 80) im Internet: http://www.ekd.de/download/ekd_texte_80.pdf
tob (MBN)
Weihbischof Guballa würdigte pastorale Arbeit in den Hochschulgemeinden
KHP bestätigt Darmstädter Hochschulpfarrer Jürgen Janik im Amt des Vorsitzenden
Bad Honnef. Bei ihrer diesjährigen Herbsttagung im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Bad Honnef hat die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral in Deutschland (KHP) ihren Vorsitzenden Jürgen Janik (47) erneut mit großer Mehrheit für zwei Jahre im Amt bestätigt. Der Darmstädter Hochschulpfarrer geht damit in seine dritte Amtszeit. Im Rahmen der Tagungseröffnung am Dienstag, 13. September, würdigte der Mainzer Weihbischof Dr. Werner Guballa, in der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für die Belange der Hochschulpastoral, deren pastorale Perspektiven: „Hochschulpastoral vermag junge Erwachsene in vielfältiger Weise anzusprechen.“ Guballa, früher selbst Hochschulpfarrer in Mainz, dankte den Hochschulseelsorgerinnen und -seelsorgern außerdem für ihr Engagement beim Weltjugendtag.
Guballa äußerte sich besorgt darüber, dass die Besonderheiten der Hochschulpastoral in den Kürzungskonzepten mancher Diözesen nur unzureichend wahrgenommen würden und der Druck kurzfristiger Sparziele für die umsichtige Entwicklung neuer pastoraler Konzepte keinen Raum ließe. Im Blick auf Zukunftsmodelle für die pastorale Arbeit habe aber die Hochschulpastoral wertvolle Erfahrungen einzubringen: Hier würden junge Erwachsene, die nicht kirchlich beheimatet sind, mit Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und umfassender Solidarität in Verbindung gebracht.
Die KHP ist die Vertretung der über 230 hauptamtlich tätigen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 130 katholischen Hochschulgemeinden in Deutschland. Sie trägt im Rahmen des Forums Hochschule und Kirche (www.fhok.de) Mitverantwortung für die Gestaltung der Hochschulpastoral. Die Herbsttagung ist das wichtigste Treffen der KHP. In den Geschäftsführenden Ausschuss der KHP wurden für die nächsten beiden Jahre Klaus Hagedorn (Oldenburg), Beate Klaus (Freiburg), Dr. Thomas Roddey (Dortmund) und Christoph Simonsen (Aachen) gewählt.
khp (MBN)
Beginn neuer kirchenmusikalischer Ausbildungskurse im Bistum Mainz
Kostenlose Broschüre informiert über die verschiedenen Ausbildungsmodelle
Mainz. Am Donnerstag, 1. Dezember, beginnen im Bistum Mainz wieder neue kirchenmusikalische Ausbildungskurse, zu denen vor allem junge Menschen mit musikalischer Vorbildung (ab etwa 13 Jahren) eingeladen sind. In gestuften Ausbildungsformen für Orgelspiel und/oder Chorleitung wird dabei der unterschiedlichen musikalischen Vorbildung Rechnung getragen. Das Unterrichtsangebot beinhaltet - je nach Ausbildungsform - als weitere Fächer: Liturgik, Liturgiegesang, Singen und Sprechen, Tonsatz, Gehörbildung, Partiturspiel, Musikgeschichte und Orgelkunde. Die Ausbildung wird von den Regionalkantoren des Bistums Mainz und weiteren Lehrbeauftragten möglichst wohnortnah angeboten.
Für Rückfragen und Beratungsgespräche stehen die Regionalkantoren sowie das Institut für Kirchenmusik zur Verfügung. Anmeldeschluss ist Freitag, 30. September. In einer Broschüre sind die verschiedenen Ausbildungsmodelle beschrieben und die mit der Ausbildung zusammenhängenden Fragen (musikalische Voraussetzungen, Formalitäten, Kosten, Unterrichtsge-staltung, Prüfungsanforderungen) beantwortet. Diese Broschüre kann kostenlos bei folgenden Stellen angefordert werden:
Regionalkantorat Bad Nauheim (Dekanate Wetterau-Ost, -West):
Regionalkantoren Eva-Maria Anton-Sokoli und Nicolo Sokoli, Karlstraße 35, 61231 Bad Nauheim, Tel.: 06032/931343, Fax: 06032/931312, E-Mail: Regionalkantorat-Wetterau@web.deRegionalkantorat Bensheim (Dekanate Bergstraße-Mitte, -West):
Regionalkantor Gregor Knop, Marktplatz 10, 64625 Bensheim, Tel.: 06251/1751615, Fax: 06251/69727, E-Mail: Regionalkantor@st-georg-bensheim.deRegionalkantorat Bingen (Dekanate Alzey/Gau-Bickelheim, Bingen):
Regionalkantor Thomas Lennartz, Zehnthofstraße 14, 55411 Bingen, Tel.: 06721/185863, Fax: 06721/185864, E-Mail: Regionalkantor@Dekanat-Bingen.deRegionalkantorat Darmstadt (Dekanate Darmstadt, Dieburg):
Regionalkantor Andreas Boltz, Wilhelminenplatz 9, 64283 Darmstadt, Tel.: 06151/996816, Fax: 06151/996822, E-Mail: RegKantoratDa@aol.comRegionalkantorat Gießen (Dekanate Alsfeld, Gießen):
Regionalkantor Ralf Stiewe, Liebigstraße 28, 35392 Gießen, Tel.: 0641/71070, Fax: 0641/9719615, E-Mail: Regionalkantorat@bonifatius-giessen.deRegionalkantorat Mainz (Dekanate Mainz-Stadt, -Süd):
Regionalkantor Kirchenmusikdirektor Heinz Lamby, Adolf-Kolping-Straße 10, 55116 Mainz, Tel.: 06131/280921, Fax: 06131/236352, E-Mail: Heinz.Lamby@Bistum-Mainz.deRegionalkantorat Neu Isenburg (Dekanate Dreieich, Rüsselsheim):
Regionalkantorin Regina Werner, Hundertmorgenschneise, 63263 Neu-Isenburg, Tel.: 069/69595651, Fax: 069/69595652, E-Mail: Regionalkantorat@aol.comRegionalkantorat Seligenstadt (Dekanate Offenbach, Rodgau, Seligenstadt):
Regionalkantor Thomas Gabriel, Jakobstraße 5, 63500 Seligenstadt, Tel.: 06182/924571, Fax: 06182/820958, E-Mail: gabriel-seligenstadt@t-online.deDom- und Regionalkantorat Worms (Dekanat Worms):
Domkantor Dan Zerfaß, Kämmererstraße 57, 67547 Worms, Tel.: 06241/425661, Fax: 06241/425662, E-Mail: d.zerfass@wormser-dom.deInstitut für Kirchenmusik (Dekanate Bergstraße-Ost, Erbach):
Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Drescher, Adolf-Kolping-Straße 10, 55116 Mainz, Tel.: 06131/234032, Fax: 06131/236352, E-Mail: kirchenmusik@Bistum-Mainz.de
tob (MBN)
Bensheimer Heilig-Geist-Hospital steht vor Aufnahme in neuen Klinikverbund
Beschlüsse für Offenbach und Lampertheim gefasst / Notarielle Beurkundung fehlt noch
Bensheim. Das Bensheimer Heilig-Geist-Hospital steht kurz vor der Aufnahme in den neuen „Katholischen Klinikverbund Südhessen GmbH“. Das erklärte das Krankenhaus am Dienstag, 20. September, in einer Pressemitteilung. In der Berichterstattung der vergangenen Wochen war der Eindruck entstanden, dass dieser Anschluss bereits erfolgt sei. Bernhard Franzreb, Geschäftsführer des Verbundes, geht auch fest davon aus, dass es zu dem Zusammenschluss kommen wird, da die Verträge zur Übertragung des Heilig-Geist-Hospitals noch in diesem Monat unterschriftsreif werden sollen.
Der neue Klinikverbund mit Sitz in Bensheim wird aber zunächst lediglich das Offenbacher Ketteler-Krankenhaus und das Lampertheimer St. Marienkrankenhaus übernehmen, denn für diese beiden Krankenhäuser sind die Verträge beschlossen, aber noch nicht unterschrieben. Die letzte juristische Hürde ist noch nicht genommen: „Die Beschlüsse sind gefasst, die notarielle Beurkundung fehlt aber noch“, sagt Franzreb. Der neue Klinikverbund ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung Heilig-Geist-Hospital.
Sobald auch die Verträge zur Übertragung des Heilig-Geist-Hospitals unterschriftsreif sind und das Übertragungsdatum bekannt ist, werden umgehend auch die Mitarbeiter im Bensheimer Heilig-Geist-Hospital schriftlich informiert. Ausdrücklich weist der Geschäftsführer darauf hin, dass alle Mitarbeiter schriftlich übernommen werden. Die Dienstverträge laufen weiter, die Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas haben weiterhin Bestand und alle sonstigen Anwartschaften der Mitarbeiter bleiben erhalten.
In Lampertheim und Offenbach wurden die Mitarbeiter bereits schriftlich benachrichtigt und in jeweils zwei Mitarbeiterversammlungen ausführlich über die Neuerungen informiert. Mit einer endgültigen Entscheidung ist voraussichtlich bis Ende September zu rechnen. Das St. Josef-Krankenhaus Viernheim bereitet derzeit ebenfalls Verhandlungen für eine Zusammenarbeit im Verbund vor.
ms (MBN)
Erster Preis beim „Zukunftsradar“ für KEB Rheinland-Pfalz
Ministerpräsident Beck verlieh Anerkennungs- und Förderpreis der ZIRP
Mainz. Die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Rheinland-Pfalz ist für ihr Projekt „Der Mensch lernt niemals aus! Eine Arbeitshilfe für die Bildungsarbeit im Vierten Lebensalter“ in der Kategorie „Generationen“ mit dem ersten Preis des „Zukunftsradar“ des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden. Der Preis mit einer Gesamtfördersumme von 10.000 Euro wird von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) vergeben. Ministerpräsident Kurt Beck, zugleich zweiter Vorsitzender der ZIRP, Professor Marbod Muff, Vorstand von Boehringer-Ingelheim und ZIRP-Vorsitzender, sowie Staatssekretär Walter Strutz überreichten den Preis am Dienstag, 13. September, bei einer Feierstunde in der Kupferberg Sektkellerei in Mainz. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift „Demographischer Wandel. Herausforderung und Chance für das Miteinander der Generationen“.
Der „Zukunftsradar“ ist der Anerkennungs- und Förderpreis der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz zur Gestaltung des demographischen Wandels. Sowohl bereits existierende Aktivitäten als auch innovative Ideen und Konzepte werden mit dem „Zukunftsradar“ ausgezeichnet. Kommunen, Unternehmen, Vereine, Schulen und Initiativen konnten sich ebenso bewerben wie Einzelpersonen.
Die KEB Rheinland-Pfalz hat den Preis für ihr Projekt „Der Mensch lernt niemals aus! Eine Arbeitshilfe für die Bildungsarbeit im Vierten Lebensalter“ erhalten, das für den Einsatz unter anderem in der Altenhilfe, in Seniorenheimen und in Begegnungsstätten konzipiert ist. Das Projekt habe den Anstoß zu einer Reihe von Diplomarbeiten gegeben und so junge Menschen zur fachlichen Auseinandersetzung mit einem wichtigen Aspekt demographischen Wandels gegeben, lobte die Jury.
Den Preis für die KEB Rheinland-Pfalz nahmen entgegen: der KEB-Vorsitzende Thomas Sartingen (Speyer), Elisabeth Vanderheiden (Mainz), KEB-Geschäftsführerin und Projektmoderatorin sowie im Auftrag der KEB Herausgeberin des zugehörigen Buchs, und Dr. Hartmut Heidenreich (Mainz), Direktor des Bildungswerks der Diözese Mainz und stellvertretender KEB-Vorsitzender sowie Mitautor des gleichnamigen Buchs zum Projekt. Das Projekt greift außerdem die „Leitlinien zur Bildung im dritten und vierten Alter“ auf, welche die KBE-Bundeskommission „Altenbildung“ unter Leitung von Hartmut Heidenreich Ende 2003 veröffentlicht hat. Es ist das erste Konzept eines Bildungsträgers zur Bildung im vierten Lebensalter.
Hinweis: Weitere Informationen im Internet unter http://www.zukunftsradar2030.de/ und http://www.keb-rheinland-pfalz.de/
bw (MBN)
Anneliese Sänger als Rektorin eingeführt
Feierstunde für neue Leiterin der Martinus-Schule Oberstadt in Mainz
Mainz. Im Rahmen einer Feierstunde ist am Dienstag, 13. September, Anneliese Sänger von Ordinariatsdirektorin Dr. Gertrud Pollak, Derzernentin für Schulen und Hochschulen im Bistum Mainz, als neue Leiterin der Martinus-Schule Oberstadt in Mainz in ihr Amt eingeführt worden. Pollak betonte, dass Sänger sich im Vorfeld mit großem Interesse über ihre neue Aufgabe kundig gemacht habe, „um ganz sicher zu sein, dass sie das gewachsene eigene Profil dieser Schule und ihre innere Ausrichtung greifen und ganz bejahen kann, als Basis für ihre Weiterarbeit“. Weiter sagte Pollak: „Ich danke Ihnen für das wertschätzende Aufnehmen des Gewachsenen und Ihre Bereitschaft, jetzt durch Ihre Fähigkeiten und Ideen mit allen gemeinsam an der Schulgemeinschaft weiter zu bauen, zum Wohl unserer Schülerinnen und Schüler.“
Anneliese Sänger wurde am 30. Oktober 1949 in Ulmen geboren. Nach dem Abitur in Trier im Jahr 1969 studierte sie an der EWH Koblenz, wo sie das erste (1972) und zweite (1975) Staatsexamen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen ablegte. Ab 1975 war sie sechs Jahre Lehrerin an der Hauptschule Nord I in Mainz. Im Jahr 1992 wurde sie Lehrerin an der Heinrich-Mumbächer-Grundschule in Mainz-Bretzenheim. 1999 wechselte sie zur Grundschule Mainz-Bretzenheim-Süd, wo sie im August 2002 Konrektorin wurde. Sänger ist seit 1972 verheiratet und Mutter von vier Kindern.
Die langjährige Leiterin der Martinus-Schule Oberstadt in Mainz, Hiltrud Schwemmler, war am Donnerstag, 14. Juli, in den Ruhestand verabschiedet worden. Im Rahmen eines Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Alban hatte der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, Schwemmler für ihr über 40-jähriges Engagement als Lehrerin und Schulleiterin an der Martinus-Schule gedankt. Schwemmler hatte die Martinus-Schule Oberstadt seit 1992 geleitet.
tob (MBN)
Vorschau
50 Jahre Haus am Maiberg (30.9.)
Gottesdienst und Feierstunde mit Kardinal Lehmann
Heppenheim. Mit einem Jubiläumstag feiert das „Haus am Maiberg“ in Heppenheim am Freitag, 30. September, sein 50-jähriges Bestehen. Um 10.00 Uhr findet ein Festgottesdienst mit dem Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, in der Kapelle der Einrichtung statt. Für 11.15 Uhr ist unter der Überschrift „Zu Geschichte und Profil der Akademie“ ein Sektempfang sowie eine Gesprächsrunde über die Geschichte des Hauses vorgesehen. Am Nachmittag finden unter der Überschrift „Impulse und Perspektiven 1955 - 2005 - 2055“ Workshops zu den Schwerpunkten der Bildungsarbeit des Hauses statt. Das Haus am Maiberg war 1955 von Bischof Albert Stohr als Erwachsenenbildungsheim eröffnet worden. Nach Umbau und Sanierung wurde das „Haus am Maiberg“ 1998 als „Akademie für politische und soziale Bildung der Diözese Mainz“ unter Leitung von Benedikt Widmaier neu eröffnet.
Hinweis: Das „Haus am Maiberg“ im Internet: http://www.haus-am-maiberg.de/
tob (MBN)
Dompräbendat em. Helmut Hanschur wird 80 (29.9.)
Langjähriger Leiter des Bildungswerkes und der Büchereiarbeit im Bistum Mainz
Mainz. Dompräbendat em. Helmut Hanschur vollendet am Donnerstag, 29. September, sein 80. Lebensjahr. Hanschur hat 1963 das Bildungswerk der Diözese Mainz gegründet und bis 1987 geleitet. Danach war er als Leiter der Fachstelle für katholische Büchereiarbeit im Bistum Mainz tätig. Seit 1985 war Hanschur bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 als Dompräbendat auch Mitglied des Mainzer Domstiftes.
Helmut Hanschur wurde am 29. September 1925 in Gleiwitz in Oberschlesien geboren. Im Frühjahr 1946 wurde er nach Abitur, Arbeitsdienst und Kriegseinsatz aus französischer Gefangenschaft entlassen. Damals wählte er die Diözese Mainz als sein Heimatbistum. Hier begann er im Sommer 1946 mit dem Theologiestudium und wurde am 6. Januar 1951 durch Bischof Dr. Albert Stohr zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Heidesheim, Mainz-Gonsenheim-St. Stephan, Mainz-St. Bonifaz, Darmstadt-St. Fidelis und zuletzt in der Mainzer Dompfarrei wurde Hanschur 1959 Subrektor am Bischöflichen Konvikt des Abendgymnasiums und des Ketteler-Kollegs in Mainz, wo er auch Religionsunterricht erteilte. 1963 wurde Hanschur zum Leiter des von ihm zu begründenden Bildungswerks der Diözese Mainz ernannt und zugleich zum Rektor des „Ketteler-Hauses“ in Mainz, später des Bildungszentrums „Erbacher Hof“ (bis 1979). 1987 verließ er das Bildungswerk und übernahm die Leitung der Fachstelle für katholische Büchereiarbeit im Bistum Mainz. Im selben Jahr wurde er auch zum theologischen Berater der Mainzer Bistumszeitung „Glaube und Leben“ berufen.
Seit 1964 arbeitete Hanschur auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Katholische Erwachsenenbildung mit, deren Vorstand er 15 Jahre lang angehörte. Zugleich war er Vorstandsmitglied der Europäischen Föderation für Katholische Erwachsenenbildung (FEECA), deren Vizepräsident er von 1975 bis 1979 war. 1992 wurde Hanschur in die Kommission „Weiterbildung“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) berufen. Neben seiner Tätigkeit als Leiter des Bildungswerkes war Hanschur in den Jahren 1982 und 1983 auch kommissarischer Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, die damals noch von den Diözesen Fulda, Limburg und Mainz getragen wurde und von 1982 bis 1985 auch Vorsitzender des Trägervereins dieser Akademie. 1963 wurde er Bezirkspräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Daneben war er Geistlicher Beirat im Berufsverband der Hauswirtschafterinnen.
tob (MBN)
Festwoche in Darmstadt-St. Elisabeth (24.09.-2.10.)
Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Pfarrkirche / Altarweihe mit Kardinal Lehmann
Darmstadt. Mit einer Festwoche begeht die Gemeinde St. Elisabeth in Darmstadt von Samstag, 24. September, bis Sonntag, 2. Oktober, den 100. Jahrestag der Weihe ihrer Pfarrkirche. Am Sonntag, 2. Oktober, feiert der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, um 10.00 Uhr mit der Gemeinde ein feierliches Pontifikalamt mit Altarweihe. Dabei werden auch die anderen neu entstandenen liturgischen Orte des Bildhauers Hans Rams gesegnet. Am 30. September 1905 hatte der damalige Bischof von Mainz, Dr. Georg Heinrich Kirstein, die Pfarrkirche St. Elisabeth in Darmstadt geweiht.
Zum Auftakt lädt die integrative Kindertagesstätte (Schwarzer Weg 16) am Samstag, 24. September, von 14.00 bis 17.00 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Am Sonntag, 25. September, wird am Ende des Gottesdienstes um 10.30 Uhr die Ausstellung zur Geschichte der Pfarrgemeinde und Pfarrkirche eröffnet. Um 17.00 Uhr findet in der Kirche ein Taizé-Konzert zum Hören und Mitsingen statt. In der Festwoche werden neben Kirchenführungen auch ein offenes Singen und ein Kinderfest veranstaltet. Bei einem Festakt am Freitag, 30. September, im Heiner-Lehr-Bürgerzentrum (Kopernikusplatz 1) wird Professor Friedhelm Jürgensmeier, Leiter des Institutes für Mainzer Kirchengeschichte, einen Vortrag zum Jubiläum der Gemeinde halten.
Hinweis: Das ausführliche Programm der Festwoche erhalten Sie im Pfarrbüro von St. Elisabeth, Schlossgartenplatz 57, 64289 Darmstadt, Tel. (06151) 74747, Fax: (06151) 732586, E-Mail: St-Elisabeth_Darmstadt@t-online.de
tob (MBN)
Orgeltage in Bad Wimpfen (30.9.-3.10.)
Im Mittelpunkt steht das kompositorische und theologische Denken J.S. Bachs
Bad Wimpfen. Von Freitag, 30. September, bis Montag, 3. Oktober, finden in Bad Wimpfen die Orgelfesttage 2005 statt. Sie stehen unter dem Leitwort „ariadne musica“ und wollen Einblicke in das kompositorische und theologische Denken und Arbeiten Johann Sebastian Bachs vermitteln.
Am Freitag, 30. September, um 20.00 Uhr, spielt William Porter (Boston, USA) an der Johann-Adam-Ehrlich-Orgel der evangelischen Stadtkirche Werke unter anderen von Johann Sebastian Bach, Antonie Vivaldi und Girolamo Frescobaldi. An die Kenner und Liebhaber Bachscher Musik wendet sich das Tagesseminar „Bach-Gespräch“ am Samstag, 1. Oktober, von 9.30 bis 17.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Professor Christoph Bossert, Leiter des künstlerischen Ausschusses im Orgelverein Bad Wimpfen und künstlerischer Leiter der Orgelfesttage, wird zusammen mit Andrea Dubsrauszky-Bossert Neuansätze aus der Bachforschung vorstellen. Um 20.00 Uhr folgt in der evangelischen Cornelienkirche Kammermusik für Gesang, Violine, Cembalo und Orgel mit Werken von Johann Sebastian Bach und Henry Purcell. Es erklingen unter anderem die Kreuzstabskantate sowie Sonaten für Violine solo. Die Ausführenden sind Michael Roman (Bass), Carsten Wriedt (Violine) und Christoph Bossert (Cembalo und Orgel).
Am Sonntag, 2. Oktober, um 10.00 Uhr findet in der evangelischen Stadtkirche ein Festgottesdienst zum Erntedanktag mit Musik von Johann Sebastian Bach statt. Der Norddeutsche Figuralchor singt unter der Leitung von Jörg Straube die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Anschließend findet eine Orgelführung statt. Um 17.00 Uhr folgt die 116. Veranstaltung der Reihe „Geistliche Abendmusik in der Dominikanerkirche“. Das Programm bietet folgende Werke von Bach: Die Motetten „Komm, Jesu, komm“ und „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“, Toccata und Fuge F-Dur für Orgel, Sonate C-Dur für Violine solo. Die Ausführenden sind: Anton Steck (Barockvioline), der Norddeutsche Figuralchor (Leitung: Jörg Straube), Edoardo Bellotti und Christoph Bossert (Orgel) und Franziskus Eisenbach (Liturg).
Am Montag, 3. Oktober, um 17.00 Uhr, sind in der evangelischen Stadtkirche Werke Bachs für Orchester, Violine solo und Orgelwerke zu hören: so unter anderem die Orchestersuite h-Moll, Sonate g-Moll für Violine solo, das fünfte Brandenburgische Konzert sowie das Concerto G-Dur für Orgel. Es wirken mit: Anton Steck (Barockvioline) Linde Brunmayr-Tutz (Flauto traverso), Barockensemble Trossingen (Leitung Anton Steck) und Christoph Bossert (Cembalo und Orgel).
Hinweis: Eintrittskarten für die Konzerte sind beim Kulturamt Bad Wimpfen, Tel.: 07063/950313 erhältlich. Weitere Auskünfte auch im Internet unter http://www.orgelverein.de/
am (MBN)
Die „pilgernde Kirche“ in der Kunst entdecken (27.9.)
Beitrag zum Welttag des Tourismus / Mainzer Dom- und Diözesanmuseum geöffnet
Bonn/Mainz. „Reisen und Transport“ lautet das Thema des 26. „Welttags des Tourismus“ am Dienstag, 27. September. Aus Anlass des Welttages, der seit 1980 jährlich stattfindet, öffnen viele katholische Diözesan-Museen und Schatzkammern unentgeltlich ihre Pforten für in- und ausländische Besucher. Auch das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum in Mainz (Domstraße 3) beteiligt sich an der Aktion. Der Welttag des Tourismus wurde von der Welttourismusorganisation (WTO) eingeführt, bei der die Katholische Kirche einen ständigen Beobachtersitz hat. Ziel des Welttages ist es, die internationale Gemeinschaft auf die vielfältigen Aspekte des Tourismus hinzuweisen und die Bemühungen um seine friedensstiftende und völkerverbindende Kraft zu verstärken.
Unter dem diesjährigen Titel „Reisen und Transport“ werden neben den Chancen und Zukunftsvisionen des Reisens ebenso dessen ethische und ökologische Probleme, die besonders im Massentourismus auftreten, thematisiert. Auch Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano greift dies in seiner Botschaft zum 26. Welttag des Tourismus auf: „Neue und ungeahnte Reisemöglichkeiten mit immer moderneren und schnelleren Verkehrsmitteln können den Tourismus zur günstigen Gelegenheit machen, die Güter der Erde und der Kultur zu teilen.“ Zugleich müsse aber im Zusammenhang mit dem Tourismus auch „immer den sittlichen Anforderungen Rechnung getragen werden“.
Alle Verantwortlichen - Politiker, Gesetzgeber, Regierungsmitglieder und Finanzexperten - seien gefordert, durch Gewährleistung von Sicherheit und der Erleichterung von Kommunikation die friedliche Begegnung zwischen den Völkern zu fördern. „Wer als Tourist auf Reisen geht, soll von dem Wunsch beseelt sein, anderen Menschen zu begegnen und sie in ihrem persönlichen, kulturellen und religiösen Anderssein zu achten; er muss bereit sein, sich dem Dialog und der Verständigung zu öffnen und durch sein Verhalten Gefühle der Achtung, Solidarität und des Friedens zu vermitteln“, schreibt Sodano.
In Deutschland laden zwölf katholische Diözesan-Museen zwischen München und Paderborn Besucher aus dem In- und Ausland ein, wertvolle und faszinierende Kulturgüter gemeinsam zu entdecken. Von alters her versteht sich die katholische Kirche als „ecclesia peregrinans“, als „pilgernde Kirche“, die unterwegs ist auf dem Weg zum Reich Gottes. So findet sich das Reise-Motiv auch in den Diözesan-Museen auf historischen Darstellungen quer durch alle Kunstepochen: Sei es die Wanderschaft des Volkes Israel, die Reisetätigkeit der Apostel, das Wallfahrtswesen des Abendlandes oder die bildhafte Seefahrt des „Schiffes der Kirche“ - all dies ist auf Gemälden und Malereien zahlreich abgebildet. Insofern ist der Welttag eine Gelegenheit, ein aktuelles Thema im bildlichen Gewand der geistlichen Kunst zu entdecken.
Hinweis: Die Liste der beteiligten Dommuseen und Schatzkammern und die Botschaft von Kardinal Angelo Sodano zum Welttag im Internet: http://dbk.de/
SDBK (MBN)
„Miteinander Zusammenleben gestalten“ (25.9.-1.10.)
30-jähriges Jubiläum der Woche der ausländischen Mitbürger/Interkulturelle Woche
Berlin. Die Woche der ausländischen Mitbürger/Interkulturelle Woche wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. In mehr als 150 Orten in ganz Deutschland finden dazu ab Mitte September Veranstaltungen statt. Die bundesweite Auftaktveranstaltung unter Mitwirkung von Bischof Wolfgang Huber, Kardinal Georg Sterzinsky und Metropolit Augoustinos ist am Sonntag, 25. September, um 18.00 Uhr in der St. Marienkirche (Karl-Liebknecht-Str. 8, Berlin-Mitte) mit anschließendem Empfang im Berliner Rathaus. Das Bundesministerium des Innern ruft am gleichen Tag zum ersten bundesweiten Tag der Integration auf.
„Das Zusammenleben von Einheimischen und Migranten ist besser als sein Ruf.“ Das ist die zentrale Aussage der Kirchen im Gemeinsamen Wort zur diesjährigen Woche. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa bemängeln, dass in unserer Mediengesellschaft allzu oft nur die Probleme und Konflikte wahrgenommen werden. Vorschnell werde geurteilt, „dass das bisherige Integrationsbemühen fehlgeschlagen sei“. An vielen Orten sei das Zusammenleben von Einheimischen und Migranten selbstverständlich. „In Betrieben und Kirchengemeinden, in Kindergärten und Schulen, in der Nachbarschaft und in vielen Vereinen begegnen sich Menschen tagtäglich und gestalten auf ganz natürliche Weise ein vertrauensvolles Zusammenleben.“
Das Zusammenleben bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich, die nicht verschwiegen werden dürfen, betont das Gemeinsame Wort der Kirchen. „Manche davon könnten allein schon dadurch vermieden oder gemildert werden, dass man mehr voneinander weiß und einander besser kennen lernt“. Mit gemeinsamen Aktionen, Festen, Vorträgen, Veranstaltungen und Gottesdiensten will die Interkulturelle Woche Begegnungen ermöglichen, Verständnis fördern und Vorurteile überwinden.
Hinweis: Das Gemeinsame Wort der Kirchen und Veranstaltungshinweise im Internet unter http://www.interkulturellewoche.de/
SDBK (MBN)
Dokumentation
„Bei euch soll es nicht so sein“ - Vom Umgang mit der Macht
Predigt von Kardinal Lehmann beim Eröffnungsgottesdienst der Herbst-Vollversammlung
Fulda. Im Eröffnungsgottesdienst zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstagmorgen, 20. September, im Fuldaer Dom hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zum Thema „Bei euch soll es nicht so sein - Vom Umgang mit der Macht" gepredigt. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut der Predigt:
Am gewaltsamen Tod der koreanischen Märtyrer, die wir heute feiern, sehen wir das Ausmaß von Gewalt, die immer wieder auf die Christen eingebrochen ist. Heute geht es um den ersten koreanischen Priester Andreas Kim Taegon und den Laien Paul Chong Hasang. Wir wollen aber auch die 103 Gefährten nicht vergessen, die mit den Tod fanden. Auch hier hat sich die alte Einsicht bewahrheitet: sanguis martyrum - semen christianorum. Aus dem Blut der Märtyrer erwächst der Samen für die Christen. Macht und Ohnmacht bilden ein zunächst sehr verwirrendes Bild.
Das Evangelium aus dem zehnten Kapitel des Markus-Evangeliums ist hier wie ein schriller Schrei. Man mag am Anfang richtig erschrecken, denn mit großer Nüchternheit erzählt das Evangelium, dass es auch unter den Jüngern Jesu einen Rangstreit gegeben hat (vgl. schon Mk 9,33-37 und Lk 22,24-27). Die Bitte der beiden Zebedäus-Söhne um einen Platz an der Seite Jesu in seinem Reich (vgl. Mk 10,41-45; Mt 20,24-28) zeugt von dem Machtstreben und dem Geltungsdrang auch unter den Jüngern. Auch die Leidensankündigung Jesu (vgl. Mk 10,32-34) hat daran nichts geändert. Jakobus und Johannes sind ja außerdem frühberufene (vgl. Mk 1,18 f.) und bevorzugte Jünger (vgl. 5,37; 9,2). Auch wenn die zehn anderen sich über das Vordrängen der beiden ärgern, so sind sie selbst immer wieder ähnlichen Versuchungen ausgesetzt.
Jesus hat die Jünger schon beim ersten Rangstreit gemahnt: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ (9,35) Er beschämt sie durch ein Kind, das er in ihre Mitte stellt. Jetzt wird Jesus noch sehr viel energischer: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ (10,42 f.) Es ist ein außerordentlich scharfer Kontrast, der die Jünger Jesu überaus klar und entschieden von den Herrschern dieser Welt und ihren Methoden unterscheidet, ja geradezu trennt. Dieses Wort ist Jesus und der Urkirche so wichtig, dass es in nur wenig abgeänderter Form in den Evangelien fünf Mal überliefert ist (vgl. Mk 10,44; 9,35; Mt 20,26; 23,11; Lk 22,26).
Dieses scharfe Wort Jesu könnte als ein grundsätzliches Verdikt über jede Herrschaft und alle Macht verstanden werden. So ist es auch oft gedeutet worden. Aber dies können wir nicht ohne weiteres unserem Text entnehmen. Da ist eher von „Missbrauch“ die Rede (Mk 10,42). Macht als innerster Kern von Herrschaft ist immer umstritten und umkämpft. Viele Menschen wollen Macht; andere genießen ihre Macht. Wieder andere leiden unter ihrer Ohnmacht. Menschen, die Macht ausüben, scheuen manchmal vor ihr zurück und empfinden sie als Last. Viele lassen sich korrumpieren und missbrauchen ihre Macht. Mancher will gar nicht wahrhaben, dass er Macht hat und auch ausübt. Einige verteufeln die Macht als Ausbund des Bösen; manche vergötzen sie geradezu. Durch Macht wird Leid zugefügt. Manchmal ist sie auch ein Segen. Sie ist zutiefst ambivalent.
Was ist Macht? Ursprünglich bedeutet das Wort in unserer Sprachgeschichte: „kneten, einen Teig machen“, dann aber auch „können“, „vermögen“. Wer einen Teig knetet, macht ihn dadurch gleichartig und zwingt ihn auch oft in eine Form. Auf diese Eigenschaft hin hat Max Weber den neuzeitlichen Machtbegriff folgendermaßen bestimmt: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleich viel, worauf diese Chance beruht.“ Karl Rahner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es viele Mittel gibt, Macht zu erwerben, zu sichern und zu steigern. Wer Macht ausübt, greift in der Regel in die Freiheitsrechte anderer ein. Aus seiner Freiheit zwingt er den Mitmenschen auf, was sie in vielen Fällen gar nicht wollen.
Entgegen manchem Anschein muss man jedoch sagen, dass Macht zunächst gut ist. Es ist anzuraten, Macht anzunehmen und sie auch auszuüben. Es ist nicht gut, Macht zu leugnen, wenn man sie hat, und es ist ganz schlecht, sie nicht auszuüben, wenn man dennoch die Verantwortung dafür hat. Mit Recht sagt darum P. Stefan Kiechle SJ zum Umgang mit Macht: „Nehmen Sie Ihre Macht an und üben Sie sie aus. Sie ist ein gutes Mittel, um Gutes zu tun. Sagen Sie ja zur Welt. Je mehr Macht Sie haben, desto mehr haben Sie Verantwortung für das Gute. Üben Sie Ihre Macht mit Mut und Vertrauen aus, mit Freude und Dank, aber auch mit Achtsamkeit und Respekt, mit Sorge und Furcht. Nehmen Sie auch Ihre Ohnmacht an, in Geduld und Demut, und akzeptieren Sie das Leiden, das aus ihr folgt. Tun Sie, was nötig und möglich ist: nicht mehr – Sie würden sich und andere überfordern –, aber auch nicht weniger – Sie würden Ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.“
Freilich wissen wir, wie subtil die Macht mit ihrer Gier und Lust und Leidenschaft in uns eindringt. Gerade weil sie im Grund auch zum Guten dient, kann sie uns erst recht verführen. Dabei geht es nicht nur um grobe Macht im Sinne der Gewalt, um technisch ausgeübte Gewalt, wo man nur auf den Knopf drückt und scheinbar saubere Hände behält; es gibt Gewalt auch als Gehirnwäsche. Sie kann auch mit Medikamenten und Drogen verbunden sein. Das, vor allem auch mit dem Unbewussten, nicht zuletzt in Propaganda und Werbung, kann die Menschen abhängig machen und regelrecht knechten. Besonders schlimme Schleichwege der Macht, die sich nicht selten unter dem Mäntelchen des Guten verstecken, sind Intrigenspiel und Verleumdung.
Da fährt Jesus wiederum dazwischen: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ (10,43) Es ist ein ganz entschiedenes Veto gegen jeden Missbrauch der Macht über die Menschen (vgl. 10,42). Mitten in dieser fundamentalen Kritik von Machtmissbrauch steht das Wort vom Dienen. Wir gebrauchen es manchmal ziemlich harmlos. Schon von Hegel her wissen wir aber, dass der Diener, wenn er seine Unentbehrlichkeit auszunützen versteht, rasch zum Herrn werden kann. Das Wort vom Dienen setzt an die Stelle des Verhältnisses von falscher Über- und Unterordnung das Verhältnis einer bereitwilligen Dienstbarkeit gegenüber den Schwestern und Brüdern auf freiwilliger Basis, auch wenn es deshalb nicht so etwas wie Gehorsam leugnet. Solches „Dienen“ ist nicht nur als eine moralische, innere Einstellung gemeint, sondern wird bei Jesus sehr konkret ernst genommen. Die Fußwaschung (vgl. Joh 13,1-20), bei der Jesus den Jüngern den Dreck der Straße abwäscht und so den letzten Dienst eines Sklaven tut, also am unteren Ende aller Karriere, ist eine anschauliche Schule dafür: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15) Schließlich aber macht er mit diesem „Dienst“ in der „Hingabe“ seines Lebens bis in den Tod am Kreuz ernst. Alles findet schließlich seine letzte und tiefste Begründung in dem Rückgriff auf die prophetische Verkündigung bei Jesaja, die Jesus sich hier zu Eigen macht: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45; vgl. Jes 53,10-12)
Sein Leben als „Lösegeld“ hinzugeben für viele, dies ist der Auftrag und die Sache Jesu. Dies kann er nur von sich meinen. Dieses Wort akzentuiert die Einmaligkeit des Dienstes und der Lebenshingabe Jesu. Hier gibt es einen uneinholbaren Abstand des Jüngers zu Jesus. Aber vorbildlich bleibt dieser Dienst für die Jünger in der Nachfolge. Es ist besonders Paulus, der diesen Dienst, die „diakonia“, zum Zentralbegriff gerade auch des Apostelamtes und damit aller Aufgaben gemacht hat. So fragt er die zerstrittenen Korinther: „Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Ihr seid durch sie zum Glauben gekommen. Sie sind also Diener, jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat.“ (1 Kor 3,5) Paulus beschreibt diesen Dienst recht unterschiedlich: Es ist Dienst am Evangelium, Dienst des Geistes, Dienst der Gerechtigkeit, Dienst der Befreiung und schließlich der Versöhnung (vgl. 2 Kor 5,17-20). Das Ziel dieses Dienstes ist der Aufbau und die Auferbauung der Gemeinde (vgl. 1 Kor 9,1-23; 14). Ein solcher Dienst will die Gemeinde und die Mitchristen nicht vom kirchlichen Amt abhängig machen, sondern sie zu ihrer eigenen Verantwortungsfähigkeit und zu ihrem Zeugniseinsatz führen. Nichts anderes will auch das Bild vom „Leib Christi“ (vgl. 1 Kor 12; Röm 12,4 ff.). Es ist die große Leistung des hl. Paulus, dass er die Besonderheit der Geistesgaben in jeder Hinsicht anerkennt und auch für notwendig hält; dass er ihnen zugleich aber die egoistischen, interessengesteuerten Giftzähne zieht, indem er sie auf den „Nutzen“ und konstruktiven Aufbau der Gemeinde und der Kirche verweist. Es ist nicht zufällig, dass Papst Gregor der Große dem Papsttum in dieser Hinsicht den tiefsten Titel gegeben hat: „servus servorum Die“ – Knecht der Knechte Gottes. Dieser Titel steht oft über dem Beginn besonders wichtiger päpstlicher Dokumente.
Diese Sorge um den rechten Umgang mit der Macht in der Kirche – auch Vollmacht ist Macht – hat auch die Urkirche weithin bewegt. Immer wieder geht es um die Abgrenzung zum weltlichen Machtstreben, jene bleibende Gefährdung, und um die radikale Bereitschaft der Jünger zum Dienen. So heißt es in 1 Petr 5,2 f.: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde!“
Es ist aufschlussreich, wie Lukas dieses Wort vom Dienen in sein Evangelium aufnimmt. Bei ihm gehört dieses Wort nämlich mitten hinein in die Feier des Herrenmahles. Dadurch wird vieles noch herausfordernder und auch paradoxer: „Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei. Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende. Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.“ (Lk 22,24-27) Lukas lässt deutlicher als Markus die Situation des Mahles und der Eucharistiefeier als „Sitz im Leben“ erkennen.
So üben wir alle in jeder Eucharistiefeier neu dieses Dienen im Geiste Jesu Christi ein. Wer Macht ausübt, der sollte an den Verrat des Judas denken, besonders aber an das einschneidende und zur Umkehr bewegende Wort Jesu, das gewiss im Kern von ihm selbst stammt: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein.“ Amen.
(MBN)