Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 18, 11. Mai 2005
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Berichte
Medienempfang der Bistümer Mainz und Limburg
32. Gespräch zwischen Bischöfen und Theologen in Mainz
Ökumenischer Gottesdienst zum Kriegsende in Darmstadt
Das Bistum Mainz im Nationalsozialismus
Gedenkfeier zum Kriegsende in der Mainzer Christuskirche
Wallfahrt der katholischen Polizeiseelsorge Hessen nach Rom
Stichwort
Vorschau
Gottesdienste an Pfingsten (15./16.5.)
Figuren- und Maskentheater im Erbacher Hof (19.5.)
Festwoche der Pfarrgemeinde Mariä Geburt (21.-29.5.)
Diözesanfest der Bläserchöre (22.5.)
Vortrag von Dr. Gotthard Fuchs im Mainzer Dom (23.5.)
Personalien
Conrad neue Kuratoriumsvorsitzende des Dombauvereins
Martinusmedaille für Heinz Mersch
Dieter Mackrodt wird Ständiger Diakon (14.5.)
Magdalena Bogner neue kfd-Bundesvorsitzende
Dokumentationen
Dokumentation: Lehmann zum Religionsunterricht in Berlin
Dokumentation: Lehmann zum Holocaust-Denkmal
Dokumentation: Predigt des Kardinals zum Kriegsende
Berichte
„Missa Mundi“ von Thomas Gabriel im Erbacher Hof vorgestellt
Medienempfang der Bistümer Mainz und Limburg / IFP-Film über die KHG Mainz
Mainz. Thomas Gabriel hat am Mittwoch, 4. Mai, in Mainz erstmals seine „Missa Mundi“ vorgestellt, die er für den Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages (WJT) am 21. August auf dem Marienfeld bei Frechen komponiert hat. Der Regionalkantor aus Seligenstadt präsentierte beim gemeinsamen Medienempfang der Bistümer Mainz und Limburg im Erbacher Hof zusammen mit einem Chor aus Seligenstadt sowie einigen Instrumentalisten Auszüge aus dem Werk, das beim WJT uraufgeführt wird. Gabriel hat bereits eine CD mit der „Missa Mundi“ und weiteren für den WJT komponierten Stücken aufgenommen, die ab sofort vorbestellt werden kann. Die Auslieferung erfolgt zum 1. August.
Thematisch stand das Thema „Weltkirche“ im Mittelpunkt des Medienempfangs. Zum Auftakt wurde der Filmbeitrag „Weltkirche unter einem Dach“ über die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) St. Albertus in Mainz gezeigt. Volontäre des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (IFP) in München hatten den Film im Rahmen eines Fernsehkurses im Februar produziert. An dem traditionellen Empfang der beiden Bistümer mit den Bischöfen Franz Kamphaus (Limburg) und Kardinal Karl Lehmann (Mainz) nahmen rund 150 Gäste teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Günther Gremp, Leiter der Abteilung Kirche und Medien im Bischöflichen Ordinariat Mainz.
Lehmann: Dank an Journalisten für die Berichterstattung der letzten Wochen
In seiner Begrüßung bedankte sich der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, bei den Medienvertretern für die Berichterstattung nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. bis zur Wahl von Benedikt XVI.: „Ich danke Ihnen für die unermüdliche, große Sorgfalt und das Gespür für Vermittlung, die so viele Menschen an den Ereignissen in Rom haben teilnehmen lassen.“ Lehmann sprach sich dafür aus, dass die vielen Gemeinschaften innerhalb der Weltkirche „ihre Eigenart und ihre Buntheit behalten und diese in die große Gemeinschaft mit einbringen“. Bischof Franz Kamphaus führte den weltkirchlichen Aspekt in seinem Schlusswort fort: „Dieses Grundthema der Vielfalt wird als Funke auf den Papst überspringen. Es wird ihm deutlich werden, dass es nicht nur um Einheit geht, sondern dass er daneben auch den Auftrag und die Zuständigkeit hat, Vielfalt zu ermöglichen.“
Die „Missa Mundi“ von Thomas Gabriel
Die fünf Teile der „Missa Mundi“ sind stilistisch jeweils einem Kontinent zugeordnet, der durch ein charakteristisches Instrument repräsentiert wird. Diese verschiedenen kontinentalen Kolorite hat Gabriel mit Melodien einer gregorianischen Choralmesse verbunden. Das europäische Kyrie verwendet polyphone Kompositionstechniken, das südamerikanische Gloria verwendet Quenas, Zamponas und Charangos, im asiatischen Credo erklingt eine indische Sitar, im afrikanischen Sanctus geben Trommeln den Ton an, und im Agnus Dei ist das australische Didgereedoo das charakteristische Instrument. Gemeinsame Klammer ist die „Missa Mundi“, eine gregorianische Messvertonung aus dem ersten Jahrtausend.
IFP-Film über die Mainzer KHG
Der Filmbeitrag „Weltkirche unter einem Dach. Die Katholische Hochschulgemeinde Mainz“ war am Dienstag, 22. Februar, zum Semesterabschluss in der KHG Mainz entstanden. Gedreht wurde unter anderem beim Abschlussgottesdienst im kongo-zairischen Ritus in St. Albertus und dem anschließendem Fest in der Mensa der KHG. Der rund fünfminütige Film entstand im Rahmen eines Fernsehkurses der IFP-Volontäre in Ludwigshafen. Beteiligt waren: Volker Hasenauer (Katholische Nachrichten Agentur (KNA), Bonn), Marie-Theres Langsenkamp (Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln), Volker Nünning (Funkkorrespondenz, Bonn) und Christian Wölfel (KNA-Bild, Bonn). Kameramann Carl Marciniak sorgte mit Johannes Praus (Ton) vom IFP-Studio Ludwigshafen für die technische Umsetzung. Schnitt und Postproduktion lagen in den Händen von Jens Breith, Mediengestalter im IFP-Studio Ludwigshafen. Die Kursleitung hatte Angelica Ponnath vom Bayerischen Rundfunk übernommen. Verantwortlicher von Seiten des IFP war Ansgar Mayer, Studienleiter des Instituts für die Volontärsausbildung und den Bereich elektronische Medien.
Hinweise:
- Die CD „Missa Mundi“ kostet zehn Euro und kann über das Musiklabel von Thomas Gabriel „Engelsklang“ vorbestellt werden. Die Auslieferung erfolgt ab 1. August. Weitere Informationen sowie Hörbeispiele aus der „Missa Mundi“ im Internet unter http://www.engelsklang.com/
- Die Katholische Hochschulgemeinde Mainz präsentiert sich im Internet unter http://www.khg-mainz.de/
- Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (IFP) im Internet: http://www.ifp-kma.de
tob (MBN)
Eckpunkte für das Theologiestudium im deutschsprachigen Bereich
32. Gespräch zwischen Bischöfen und Theologen im Kolpinghaus in Mainz
Mainz. Für die Bereiche der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Bischofskonferenz sollen zentrale, gemeinsame Eckpunkte für die Gestaltung des theologischen Vollstudiums im Rahmen des Bologna-Prozesses festgelegt werden. Ein erster Vorschlag dazu, der von einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe erarbeitet wurde, ist beim 32. Gespräch zwischen Bischöfen und Theologen im Kolpinghaus in Mainz am Montag, 9. Mai, auf uneingeschränkte Zustimmung gestoßen.
Eine gemeinsame Regelung solle vor allem die Qualität im deutschsprachigen Bereich sichern und auch für die Zukunft die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen gewährleisten, sagte der Bamberger Kirchenrechtler, Professor Alfred Hierold, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Theologischen Disziplinen. Dieser länderübergreifende Vorschlag und ein von einer Arbeitsgruppe ausgearbeiteter, detaillierter Vorschlag werden nun in der Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz beraten. Mit der Neuordnung des europäischen Hochschulraumes im Rahmen des Bologna-Prozesses sollen konsekutive Studiengänge (Bachelor- und Masterabschluss) eingeführt werden.
An dem Treffen am 9. Mai im Mainzer Kolpinghaus hatten neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, unter anderen auch Kardinal Friedrich Wetter, Vorsitzender der Glaubenskommission, Bischof Heinrich Mussinghoff, Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur, und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser teilgenommen. Das nächste Theologengespräch findet am Freitag, 2. Dezember, in Mainz statt.
tob (MBN)
Erinnerung an die Kinder des Krieges
Ökumenischer Gottesdienst aus Anlass des Kriegsendes vor 60 Jahren in Darmstadt
Darmstadt. An die Kinder des Zweiten Weltkrieges hat der Mainzer Weihbischof Dr. Werner Guballa in einer Ansprache anlässlich eines ökumenischen Gottesdienstes zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am Sonntag, 8. Mai, in der Stadtkirche zu Darmstadt erinnert. Neben den 50 Millionen Toten gelte das Gedenken auch den Opfern, die überlebt und unter den Folgen des Krieges viel gelitten hätten. Guballa sagte wörtlich: „Wir danken all denen, die am Ende des Krieges neu angefangen haben, die ihre Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft durch ihr Handeln umgesetzt haben. Wovon sie in den Zeiten der Unterdrückung geträumt haben, das haben sie nach dem Maß ihrer Möglichkeiten zum Wohl unseres Landes eingebracht.“
Weiter sagte der Weihbischof, dass „die Sehnsucht der unterdrückten Freiheit nicht auf Dauer erstickt werden konnte“. Das Jahr 1989 habe mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Sturz der Berliner Mauer Freiheit in einem bisher noch nicht bekannten Maß Wirklichkeit werden lassen. Die katholische Kirche setze in die Europäische Union viele Hoffnungen für ein friedliches Zusammenleben der Völker und auch dafür, dass „die Rechte des Einzelnen nicht nur bewahrt, sondern weiter entwickelt werden“.
Freiheit bedeute aber auch Verantwortung für jeden einzelnen, da sie „aus der inneren Freiheit“ gestaltet werden müsse, unterstrich der Weihbischof. Dies sei eine Haltung, die sich von jeglicher Form von Gewalt oder vom Verlangen nach Macht über andere lossage. „Freiheit braucht Askese, mit der der Mensch lernt, in Überwindung und Entsagung Herr über sich selbst zu sein, auch Herr über die eigene Macht. So findet der Mensch den rechten Blick, mit dem er zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann“, betonte Guballa.
Guballa: „Wie ein Motor, der kein Öl mehr hat“
Jeder Mensch sei aus Sicht der Glaubenden mehr als das, was mit Sinnen zu erfassen und Verstand wahrzunehmen sei, hob der Weihbischof hervor. Erst durch Gott erhalte er seine letzte Würde und die Unantastbarkeit seines Lebens. Ohne das religiöse Element werde „das Leben wie ein Motor, der kein Öl mehr hat“. Gottes Ehrfurcht vor den Menschen zeige sich in der Menschwerdung seines Sohnes. Durch ihn lernten Menschen, in Ehrfurcht vor, für und mit den Menschen zuleben.
Steinacker: Mit Glaube und Verstand die Wege in die Barbarei versperren
Der ökumenische Gedenkgottesdienst zum 60. Jahrestag des Kriegsende wurde gemeinsam vom Bistum Mainz und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gefeiert. Er stand unter dem Motto: „Kriegskindheit: Wissen, was Krieg bedeutet. Wissen, was Friede wert ist“. Dr. Peter Steinacker, Präsident der EKHN, sagte in seiner Ansprache: „Gott hat unserem Land 1945 eine neue Chance gegeben. Die haben die Mütter und Väter der ersten Jahrzehnte des demokratischen Deutschlands genutzt und eine stabile Demokratie aufgebaut. Wir können in Gottes Güte und Erbarmen fröhlich sein. Aber lassen sie uns die Augen offen halten und mit Glaube und Vernunft die Wege in die Barbarei versperren.“
Steinacker warnte, dass alte und vor allem junge Nazis wieder Hass schürten, obwohl Schuld und Verhängnis offen zu Tage lägen. Steinacker sagte wörtlich: „Aus falscher Erinnerung, aus Faszination an Gewalt und Macht brauen junge und alte Nazis wieder das Gift, das blind und taub macht gegenüber den Menschenrechten.“ Heutige Nazis pressten „die vielen Grundsätze unserer nicht einfachen Zeit durch einfache Rezepte“ zu falschen Eindeutigkeiten zusammen. Damit wollten sie den Boden für eine neue Tyrannei bereiten.
am (MBN)
Widerstand aus dem Bistum Mainz gegen den Nationalsozialismus
Vortrag von Dr. Hermann-Josef Braun bei Eröffnung der Kurt Gerstein-Ausstellung
Darmstadt. Das Bistum Mainz sei als erstes deutsches Bistum mit dem Nationalsozialismus in Konflikt geraten. Das sagte Dr. Hermann-Josef Braun, Leiter des Mainzer Dom- und Diözesanarchivs, am Montag, 9. Mai, in Darmstadt. Treibende Kräfte dabei seien Bischof Ludwig Maria Hugo (1921-1935) und Generalvikar Philipp Jakob Mayer (1922-1935) gewesen. Braun sprach bei der Eröffnung der Ausstellung „Kurt Gerstein - Widerstand in SS-Uniform“ im Darmstädter Haus der Geschichte in einem kurzen Vortrag zum Thema „Die Katholische Kirche im Dritten Reich“.
Vor allem Generalvikar Mayer habe früh deutlich gemacht, dass sich Parteizugehörigkeit in der NSDAP und Mitgliedschaft in der katholischen Kirche ausschließen. Offen ausgebrochen sei dieser Konflikt bereits im Jahr 1929. Zwei Jahre später kam es zur lehramtlichen Ablehnung des Nationalsozialismus durch alle deutschen Bischöfe. Allerdings habe sich durch die Machtübernahme im Jahr 1933 und weitgehende Zugeständnisse Hitlers an die katholische Kirche die Situation wieder geändert. Braun wörtlich: „Die Bischöfe veröffentlichen am 28. März 1933 eine Erklärung, die nicht de jure aber de facto die früheren Lehramtsverurteilungen abschwächt, um nicht zu sagen aufhebt.“
Bereits kurz nach seinem Amtsantritt habe sich Bischof Albert Stohr (1935-1962) gegen die Nationalsozialisten gewandt. In einem Schreiben an den Nuntius in Deutschland habe er „eine Änderung des Tones zu größerer Schärfe und einen Übergang von der Defensive zur Offensive“ gefordert, zitierte Braun. In einem Schreiben Stohrs an den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Bertram in Breslau, vom November heißt es: „Ist nicht der Augenblick gekommen, wo wir den Staat, der augenblicklich den offenen Konflikt bisher vermeidet, unsererseits zur Entscheidung zwingen müssen? Die Anzeichen mehren sich, dass er eine deutlich antichristliche Haltung einnimmt.“
Braun verwies auch noch auf den Umgang von Bischof Stohr mit der Enzyklika „Mit brennender Sorge“, in der Pius XI. im Jahr 1937 unter anderem die Religionspolitik und die Kirchenverfolgung durch die Nationalsozialisten verurteilte. Stohr habe sein persönliches
Exemplar an Kaplan Andreas Niklaus übergeben mit dem Auftrag es zu vervielfältigen und jedem Pfarrer des Bistums zwei Exemplare zuzustellen, um Konfiszierungen durch die Gestapo vorzubeugen. In der Nachmittagsandacht des Palmsonntages 1937 wurde die Enzyklika in allen Pfarreien des Bistums verlesen. Im Mainzer Dom habe Bischof Stohr den gesamten Text der Enzyklika vorgelesen.
Kurt Gerstein-Ausstellung bis 2. Juni in Darmstadt
Kurt Gerstein trat als Mitglied der Bekennenden Kirche 1941 in die SS ein. Als Zeuge von Verbrechen der Nationalsozialisten versuchte er unter anderem Zyklon B-Lieferungen zu sabotieren und informierte unter anderem ausländische Botschaften, die jedoch keine Konsequenzen zogen. Bei Kriegsende stellte er sich der französischen Armee und schrieb während der Haft einen Augenzeugenbericht über die Verbrechen der Nationalsozialisten, den so genannten „Gerstein-Bericht“. Er wurde als Kriegsverbrecher angeklagt. Am 25. Juli 1945 beging Gerstein Selbstmord. 1963 wurde er rehabilitiert und als Widerstandskämpfer anerkannt.
Die Ausstellung präsentiert auf 22 Tafeln Leben und Denken von Kurt Gerstein. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, dem Förderkreis Kurt Gerstein und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und das Hessische Staatsarchiv Darmstadt unter Mitwirkung des Stadtarchivs Darmstadt präsentieren diese Ausstellung in Darmstadt und haben sie aus eigenen Beständen erweitert. Die Ausstellung ist noch bis 2. Juni in Darmstadt zu sehen.
Hinweis: Die Ausstellung „Kurt Gerstein - Widerstand in SS-Uniform“ ist bis zum 2. Juni im Darmstädter Haus der Geschichte, Karolinenplatz 3, zu sehen. Öffnungszeiten: montags 8.30 bis 19.30 Uhr, dienstags bis Donnerstag von 8.30 bis 17.30 Uhr und freitags von 8.30 bis 15.00 Uhr. Weitere Informationen im Internet: http://www.staatsarchiv-darmstadt.hessen.de/
tob (MBN)
„Erinnerung und Versöhnung bleiben als Auftrag“
Zentrale Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in der Mainzer Christuskirche
Mainz. „Gemeinsam für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde“ - unter diesem Aufruf stand am 4. Mai in der Mainzer Christuskirche die zentrale Gedenkveranstaltung anlässlich des Kriegsendes vor 60 Jahren, die gemeinsam veranstaltet wurde von der rheinland-pfälzischen Landesregierung, von allen im Mainzer Landtag vertretenen Fraktionen, von den großen christlichen Kirchen, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und den Unternehmerverbänden in Rheinland-Pfalz.
„In einer Zeit, die geprägt ist von Vergesslichkeit und der Suche nach dem Neuen und Interessanten gilt es, die Fähigkeit, sich zu erinnern, wach zu halten und zu stärken und vor allem nicht zu einem leeren Ritual und zu einer Pflichtübung verkommen zu lassen“, mahnte der Bischof von Trier, Dr. Reinhard Marx, in seiner Predigt bei dem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst. Menschlich gesehen bleibe das große Erschrecken, aber auch der sich ergebende Auftrag, „alle menschlichen, gesellschaftlichen und politischen Kräfte in Gang zu bringen, um Gewalt, Ungerechtigkeit, Terror und Unterdrückung anzuklagen und zu überwinden“, wo immer auch Wege in diese Richtung gegangen oder geplant würden. „Es geht heute nicht darum, neue Gründe für Kriege zu finden, sondern den Krieg als Mittel der Politik zu ächten“, betonte Bischof Marx. Christen wüssten immer darum, dass es eine „gerechtfertigte Selbstverteidigung“ geben könne. Dafür sei der 8. Mai 1945 ein Beispiel. „Das bedeutet nicht eine Neuauflage der Lehre vom gerechten Krieg, die eine bestimmte historische Bedeutung hatte, sondern alles zu tun, um den Krieg zu überwinden, und zwar weltweit.“
Neben der Erinnerung bleibt nach Aussage von Bischof Marx als Auftrag die Versöhnung. Es gehe darum, die Tendenzen zur Aufrechnung und vollständigen Wiedergutmachung, der Missgunst und des Misstrauens zu überwinden. „Weil im Grunde nicht jeder sein Recht - oft nur sein vermeintliches Recht - durchsetzen darf und kann, brauchen wir die Kräfte der Versöhnung“, sagte Marx. Denn nur, wenn nicht ständig aufgerechnet werde, sondern bei allem offenen Blick auf die Wahrheit der Geschichte, allem Eingeständnis von Schuld und Versagen, die „Kraft zur Versöhnung“ da sei, könne Frieden Wirklichkeit werden.
Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, gedachte in Dankbarkeit des Friedens in den vergangenen 60 Jahren. Aber er erinnerte ebenso nachdrücklich an die „Schuld der Deutschen“, an die Verwüstungen und die begangenen Gräueltaten in Europa. Und mit Blick auf das Aufkommen von neuem nationalsozialistischem Gedankengutes mahnte er abschließend: „Das Gedenken an das Ende des Krieges darf nicht die Tore zu neuem Leid, zu neuem Mord und neuer Menschenverachtung aufstoßen; lassen sie uns gemeinsam, Kirchen und Politik, dem Ungeist wehren.“ Die Gedenkrede beim anschließenden Festakt hielt der Historiker Professor Hans Mommsen, Bochum, über „das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Wiederentstehung demokratischen Lebens in Deutschland“.
aw (MBN)
Ausgang des Konklaves miterlebt
Wallfahrt der katholischen Polizeiseelsorge in Hessen nach Rom
Darmstadt. Bei ihrer Wallfahrt nach Rom hat die Reisegruppe der katholischen Polizeiseelsorge den Ausgang des Konklaves auf dem Petersplatz miterlebt. Die Gruppe, die von Landespolizeidekan Geistlicher Rat Willi H. Knapp geleitet wurde, hielt sich vom 17. bis 26.
April in Rom auf. In seinem Reisebericht schreibt Knapp über die Ereignisse am Petersplatz zum Ende des Konklaves: „Kurz vor 18.00 Uhr überschlugen sich die Ereignisse. Plötzlich bewegten sich die Menschenmassen. Tausende rannten von der Innenstadt kommend über die Tiberbrücken und füllten in Minutenschnelle den Petersplatz. Weißer Rauch war aufgestiegen und die Glocken des Petersdomes begannen zu läuten. Eine Situation, wie sie keiner der Reisenden bisher erlebt hatte.“
Darüber hinaus besichtigte die Reisegruppe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Roms und feierte mit dem Münchner Kardinal Friedrich Wetter eine heilige Messe in der deutschen Kirche auf dem Campo Santo im Vatikan. Ursprünglich sollte Kardinal Joseph Ratzinger die Messe zelebrieren. Darüber hinaus besuchte die Gruppe auch eine Gebetsstunde der Laienvereinigung Sant’Egidio.
am (MBN)
Stichwort
Stichwort: Pfingsten
Pfingsten erinnert an die Herabkunft des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist nach dem Verständnis der Kirche in die Welt gesandt, um Christi Botschaft in der sich wandelnden Welt lebendig zu halten. Mit Pfingsten endet die 50-tägige österliche Festzeit. Das Wort Pfingsten kommt vom griechischen Wort „pentekoste“, was „fünfzig“ bedeutet. Nachdem sich Christi Himmelfahrt im Laufe der Kirchengeschichte zu einem eigenständigen Fest entwickelt hatte, wurde Pfingsten zum Fest des Heiligen Geistes. Bis zum vierten Jahrhundert hatten die Christen an Pfingsten nicht nur den Abschluss der Osterzeit, sondern auch die Himmelfahrt Christi gefeiert. In Deutschland gibt es wie auch in einigen anderen Ländern neben dem Pfingstsonntag mit dem Pfingstmontag einen zweiten Festtag. Dieser ist in allen Bundesländern Feiertag.
Über das Pfingstgeschehen heißt es in der Apostelgeschichte: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,1-4)
tob (MBN)
Vorschau
Gottesdienste an Pfingsten (15. und 16.5.)
Kardinal Lehmann ist Hauptzelebrant am Pfingstsonntag
Mainz. Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, ist Hauptzelebrant des Pontifikalamtes am Pfingstsonntag, 15. Mai, um 10.00 Uhr im Mainzer Dom. Lehmann feiert den Gottesdienst in Konzelebration mit den Weihbischöfen Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr, Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann sowie den Mitgliedern des Domkapitels. Der Gottesdienst wird musikalisch vom Mainzer Domchor und den Dombläsern unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Mathias Breitschaft sowie von Domorganist Albert Schönberger gestaltet.
Vor dem Pontifikalamt wird um 9.30 Uhr mit dem Kardinal die Pontifikalterz im Westchor des Domes gefeiert. Um 15.00 Uhr ist der Bischof von Mainz Offiziant der Pontifikalvesper mit sakramentalem Segen, die Assistenz haben die Domkapitulare Jürgen Nabbefeld und Horst Schneider inne. Am Pfingstmontag, 16. Mai, findet um 10.00 Uhr ein Hochamt statt, Zelebranten sind Dompräbendat Gerold Reinbott und Domkapitular Horst Schneider.
am (MBN)
„Gevatter Tod“ (19.5.)
Figuren- und Maskentheater für Erwachsene im Erbacher Hof
Mainz. „Gevatter Tod“ heißt ein Figuren- und Maskentheater für Erwachsene, das am Donnerstag, 19. Mai, um 19.30 Uhr im Kettelersaal des Erbacher Hofes gezeigt wird. Die Aufführung, die sich an das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm anlehnt, wird von der Mainzer Hospizgesellschaft Christophorus e.V. in Zusammenarbeit mit dem Erbacher Hof, der Akademie des Bistums Mainz, veranstaltet.
Im Einladungstext heißt es über die Inszenierung des Stückes: „Berichtet wird die Geschichte eines armen Mannes, der sich auf der Suche nach dem Paten für sein 13. Kind für den Tod entscheidet. So wird der Tod zum Gevatter, der seinem Patenkind zur Karriere eines berühmten Arztes verhilft. Doch wehe dem, der die Spielregeln des Todes auf den Kopf stellt. Unterbrochen wird die Inszenierung durch vier Bilder zum Thema Trauer mit runden Tonmasken und alten Kinderliedern, die auch den Tod nicht auslassen. ,Gevatter Tod’ ist ein Figurentheaterstück mit wenigen Worten und vielen Symbolen, ein Spiel, das nicht Grauen einflößt, wohl aber Nachdenklichkeit hervorruft.“
Hinweis: Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Weitere Informationen bei der Mainzer Hospizgesellschaft Christophorus e.V., Gaustraße 28, 55116 Mainz, Tel.: 06131/235531, E-Mail: kontakt@mainzer-hospiz.de, Internet: http://www.mainzer-hospiz.de/
am (MBN)
Doppeljubiläum mit Orgelweihe (21.-29.5.)
Pfarrkirche in Hering wird 525 Jahre alt / Filialgemeinde feiert ihr 40-jähriges Bestehen
Otzberg. Die katholische Pfarrgemeinde Mariä Geburt in Hering (Dekanat Dieburg) begeht im Rahmen einer Festwoche von Samstag, 21. Mai, bis Samstag, 29. Mai, ein Doppeljubiläum. Zum einen wird die Pfarrkirche Mariä Geburt in Hering 525 Jahre alt, der Festgottesdienst mit Weihbischof Dr. Werner Guballa findet am Samstag, 28. Mai, um 18.00 Uhr statt. Zudem weiht Generalvikar Dietmar Giebelmann am Mittwoch, 25. Mai, in einem Festgottesdienst um 19.00 Uhr die neue Orgel der Pfarrkirche.
Zum anderen begeht die Filialkirche der Gemeinde in Lengfeld ihr 40-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Samstag, 21. Mai. Am Tag danach (Sonntag, 22. Mai) weiht Generalvikar Dietmar Giebelmann um 14.00 Uhr das neue Gemeindehaus in Lengfeld ein. Zudem finden während der Festwoche ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Elisabeth-Kirche Wiebelsbach (23. Mai, 19.00 Uhr), ein Familiengottesdienst mit Fronleichnamsprozession in Hering (26. Mai, 9.00 Uhr) sowie ein Festkonzert in der Marienkirche in Hering (29. Mai., 19.00 Uhr) statt.
am (MBN)
Diözesanfest der Bläserchöre (22.5)
Festgottesdienst in der Römerhalle in Ober-Wöllstadt
Ober-Wöllstadt. Am Sonntag, 22. Mai, findet das 29. Diözesanmusikfest des Diözesanverbandes der Bläserchöre im Bistum Mainz in Ober-Wöllstadt statt. Mittelpunkt des Tages ist ein Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Römerhalle Ober-Wöllstadt mit dem Diözesanpräses des Verbandes, Dekan Markus Kölzer, und Pfarrer Norbert Braun. Der Festgottesdienst wird von Bläserchören des Bistums Mainz unter der Leitung von Volker Roth musikalisch gestaltet, die Probe für den Gottesdienst beginnt um 9.00 Uhr. Nach dem Gottesdienst folgt um 13.30 Uhr das Freundschaftsspielen der Orchester.
Hinweis: Weitere Informationen bei Hans Bauer, Kriemhildenstraße 17, 68623 Lampertheim, Tel.: 06206/4203, E-Mail: h-a-bauer@nexgo.de
am (MBN)
Heilige Wut (23.5.)
Dr. Gotthard Fuchs spricht im Mainzer Dom über die Kraft der göttlichen Liebe
Mainz. „Heilige Wut – von der Kraft der göttlichen Liebe“ lautet ein Vortrag von Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden am Montag, 23. Mai, um 19.00 Uhr in der Gotthard-Kapelle des Mainzer Domes. Der Vortrag findet statt im Rahmen der Geistlichen Reihe 2005, die unter der Überschrift „Menschsein entfalten. Über die Fähigkeit, aus dem Geheimnis zu leben.“ steht. Veranstalter ist der Erbacher Hof, die Akademie des Bistums Mainz.
am (MBN)
Personalien
Conrad neue Kuratoriumsvorsitzende des Mainzer Dombauvereins
Verabschiedung von Klaudia Martini / Sitzung des Kuratoriums im Erbacher Hof
Mainz. Staatsministerin Margit Conrad ist am Dienstag, 3. Mai, bei einer Sitzung des Kuratoriums des Mainzer Dombauvereins im Erbacher Hof in Mainz durch Kardinal Karl Lehmann als neue Vorsitzende des Gremiums eingeführt worden. Die rheinland-pfälzische Ministerin für Umwelt und Forsten ist damit Nachfolgerin von Klaudia Martini, die bei der Sitzung verabschiedet wurde. Martini war seit Gründung des Mainzer Dombauvereins im Jahr 1999 Kuratoriumsvorsitzende des Vereins. Sie war von 1991 bis 2001 Staatsministerin für Umwelt und Forsten in Rheinland-Pfalz und danach im Vorstand der Adam Opel AG.
tob (MBN)
Martinusmedaille für Heinz Mersch
Dank und Anerkennung für über 50 Jahre ehrenamtliches Engagement
Butzbach. Heinz Mersch aus der Pfarrgemeinde St. Gottfried in Butzbach (Dekanat Wetterau-West) ist am Sonntag, 8. Mai, von Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann die Martinus-Medaille verliehen worden. Mersch erhielt die höchste Auszeichnung des Bistums Mainz für sein ehrenamtliches Engagement im Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde, dem er 52 Jahre lang angehörte.
In seiner Ansprache erinnerte der Generalvikar daran, dass Mersch, der am 6. Dezember 1927 geboren wurde, bereits seit 1951 dem Kirchenstiftungsrat bzw. dem Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde angehört hatte – die vergangenen 16 Jahre als stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. „Herr Mersch hat sich dabei um den Bau der Pfarrkirche und des Gemeindezentrums große Verdienste erworben“, sagte der Generalvikar. Mersch habe als Bauingenieur alle Baumaßnahmen der Pfarrei fachmännisch begleitet, sich dabei auch um die Finanzierung bemüht und viele kleine und größere Reparaturen selbst ausgeführt. Sich über diese lange Zeit verantwortlich und loyal für eine Pfarrgemeinde zu engagieren, sei nur möglich aus einer „tiefen persönlichen Überzeugung und aus dem tiefen persönlichen Glauben, dass Gott uns Gaben und Fähigkeiten schenkt, die wir ihm zurückgeben im Dienst für seine Kirche“, unterstrich Giebelmann.
am (MBN)
Dieter Mackrodt wird Ständiger Diakon (14.5.)
Weihe durch Kardinal Karl Lehmann im Mainzer Dom
Mainz. Dieter Mackrodt wird am Samstag, 14. Mai, um 9.30 Uhr durch den Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, zum Ständigen Diakon geweiht. Der 52-jährige lebt in Bad Nauheim, ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Hauptberuf arbeitet Mackrodt als Vorstandsvorsitzender der PSD-Bank in Eschborn und will sich als Diakon mit Zivilberuf in seiner Gemeinde St. Bonifatius vor allem für alte und kranke Menschen einsetzen.
Das Zweite Vatikanische Konzil eröffnete verheirateten Männern die Weihe zu so genannten Ständigen Diakonen. Dabei wird zwischen dem „Diakon mit Zivilberuf“ und dem „Diakon im Hauptberuf“ unterschieden. In der Diözese Mainz wurden 1971 die ersten Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Die Bezeichnung „Ständiger Diakonat” macht deutlich, dass es sich nicht um eine Durchgangsstufe zur Priesterweihe handelt. Der Diakon ist in besonderer Weise zum helfenden Dienst aufgerufen und kann mit verschiedenen pastoralen und caritativen Aufgaben betraut werden.
In der Liturgie assistiert der Diakon unter anderem bei Eucharistiefeiern. Er leitet Wortgottesdienste und spendet das Sakrament der Taufe. Außerdem kann er mit Beerdigungen und Trauungen beauftragt werden. Das Mindestalter bei der Diakonenweihe für Ständige Diakone liegt bei 35 Jahren. Eine Bedingung für den Ständigen Diakonat ist, dass die Ehefrau des Bewerbers die Entscheidung zur Diakonatsweihe mitträgt. Zurzeit sind im Bistum Mainz rund 120 Ständige Diakone tätig.
am (MBN)
kfd-Bundesversammlung tagte in Mainz
Magdalena Bogner zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt
Mainz. Magdalena Bogner aus Neumarkt in der Oberpfalz (Diözese Eichstätt), seit 1997 Präsidentin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), ist am Donnerstag, 5. Mai, in Mainz mit großer Mehrheit der Bundesversammlung zur neuen Bundesvorsitzenden des Verbandes gewählt worden. Das bisherige kfd-Präsidium wurde nach mehrjährigen Struktur- und Satzungsänderungen durch einen Bundesvorstand ersetzt. Als neue Stellvertreterinnen der Bundesvorsitzenden wählte die vom 4. bis 7. Mai in Mainz tagende Versammlung Eva-Maria Erbskorn, Bebra (Diözese Fulda) und Ute Schröder, Kaarst (Erzdiözese Köln).
am (MBN)
Dokumentationen
„Damit Beschreitet die Hauptstadt einen Irrweg“
Erklärung von Kardinal Lehmann zur Diskussion um den Religionsunterricht in Berlin
Der Mainzer Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat sich am Mittwoch, 4. Mai, in einer Erklärung gegen die Einführung eines staatlichen Werteunterrichtes in Berlin ausgesprochen. Wir dokumentieren den Wortlaut der Erklärung:
„Mit Sorge verfolgt die Deutsche Bischofskonferenz Bestrebungen in Berlin, einen staatlichen Werteunterricht an den Schulen einzuführen, der für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend sein soll. In der Folge würde der Religionsunterricht faktisch aus den Schulen verdrängt. Damit beschreitet die Hauptstadt einen Irrweg. Dies gilt gerade auch mit Blick auf das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen.
Der Religionsunterricht ist bundesweit ein anerkanntes Unterrichtsfach, das von Eltern und Schülern geschätzt wird. Niemand bestreitet ernsthaft, dass die Beschäftigung mit religiösen und ethischen Fragen zum Bildungsauftrag der Schule gehört. Aber: Religion ist ohne Religiosität nicht vermittelbar. Das gilt für den christlichen Glauben, aber auch für andere Religionen. Die christliche Botschaft kann nur von denen überzeugend gelehrt werden, die den Kern dieser Botschaft teilen. Erst von diesem Bekenntnis her werden die Geschichten der Bibel und die fundamentalen Aussagen des christlichen Glaubens sowie seine soziale und kulturelle Bedeutung verständlich.
Deshalb ist es pädagogisch sinnvoll und notwendig, dass der Religionsunterricht bekenntnisgebunden erteilt wird, dass es katholischen, evangelischen, jüdischen und, sofern die rechtlichen Bedingungen erfüllt sind, islamischen Religionsunterricht in der Schule gibt. Das plurale Angebot religiös bildender Fächer in der Schule entspricht der religiösen Pluralität in der Gesellschaft.
In der Auseinandersetzung mit einem konkreten Bekenntnis können Schülerinnen und Schüler einen eigenen Standpunkt zu religiösen und ethischen Fragen entwickeln. Eine eigene Überzeugung und Toleranz schließen einander nicht aus. Nur wer eine eigene religiöse Überzeugung hat, kann ermessen, was für den Anderen seine Überzeugung bedeutet. Der bekenntnisgebundene Religionsunterricht fördert eine starke Toleranz, die den anderen mit seinen Überzeugungen ernst nimmt. Er motiviert zu einem offenen, von Respekt vor dem Anderen getragenen Dialog über die Grenzen der eigenen Welt hinaus. Dialogbereitschaft und Dialogfähigkeit sind Kardinaltugenden in einer pluralistischen Gesellschaft.
Die Ziele und Inhalte des geplanten vermeintlich „neutralen“ Werteunterrichts sind hingegen vage. Es ist zu befürchten, dass in diesem neuen Pflichtfach eher unverbindlich über Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und andere Religionen informiert und ganz allgemein auch über Werte geredet wird. Das widerspräche dem Ernst, mit dem religiöse und ethische Bildung in der Schule betrieben werden sollte. Der Berliner Senat fühlt sich zwar durch die historische Sondersituation nicht an die Vorgabe des Grundgesetzes in Art. 7 Abs. 3 gebunden. Für die Einrichtung von Religionsunterricht und Ethik als gleichberechtigte ordentliche Unterrichtsfächer aber sprechen die besseren Gründe. Der Senat der Hauptstadt sollte sie nicht gering schätzen.“
(MBN)
„Unauslöschlich in das historische Gedächtnis der Deutschen eingebrannt“
Kardinal Lehmann zur Einweihung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof, Karl Kardinal Lehmann, hat am Dienstag, 10. Mai, an der Einweihung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin teilgenommen. Am gleichen Tag wurde vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz eine Erklärung von Kardinal Lehmann zur Einweihung veröffentlicht. Wir dokumentieren den Wortlaut:
„Heute wird das Denkmal für die ermordeten Juden Europas feierlich eingeweiht. Das riesige Stelenfeld inmitten der deutschen Hauptstadt bringt eindrucksvoll zum Ausdruck, dass das maßstablose Verbrechen des Holocaust unauslöschlich in das historische Gedächtnis der Deutschen eingebrannt ist. Es erinnert unser eigenes Volk an die Stunde größter moralischer Finsternis in seiner Geschichte und alle Welt an die Abgründe menschlicher Möglichkeiten, die in jedem lauern.
Es ist ein gutes Zeichen für unser Land, dass es sich nicht einfach um ein staatliches Mahnmal handelt. Die Idee dazu kam aus der Mitte der Gesellschaft. Über viele Jahre hinweg wurde im politischen, intellektuellen und künstlerischen Bereich eine breite und lebhafte Diskussion geführt. Diese Debatte war mehr als die Vorgeschichte des Denkmals. Sie stellt einen wichtigen Teil des Nachdenkens unserer Gesellschaft über sich selbst dar. Vieles deutet derzeit darauf hin, dass mit der Verbindung zwischen einem „abstrakt“ gestalteten Mahnmal und dem unterirdisch angelegten „Ort der Information“ eine schlüssige Gesamtkonzeption gefunden wurde. So darf man hoffen, dass die Gedenkstätte davor bewahrt bleibt, schließlich doch zum Ort routinierter Repräsentation und pflichtschuldiger Besuche von Touristen und Schulklassen herabzusinken.
Manche Fragen müssen heute noch offen bleiben. Wird das neue Denkmal in der breiten Landschaft von Erinnerungsorten an den Nationalsozialismus seinen angemessenen Platz finden, ohne die anderen Stätten im Bewusstsein der Menschen zu verdrängen? Wie kann man vermeiden, dass das Mahnmal für die ermordeten Juden, wenn auch ganz ungewollt, das Gedenken an andere Opfergruppen in den Schatten rückt?
Die Hoffnung, dass unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren gute Antworten auf diese Fragen findet, verbindet sich an diesem Tag mit Worten des Dankes und mit Segenswünschen. Sie gelten dem neuen Denkmal und all jenen, die sich für seine Verwirklichung engagiert haben. Sie gelten darüber hinaus allen Menschen, die es künftig besuchen werden, um ihrer Trauer und Scham Ausdruck zu geben und so ehrlich wie möglich der tiefsten Nachtseite unserer Geschichte inne zu werden.“
SDBK (MBN)
Predigt von Kardinal Lehmann
Ökumenischer Gottesdienst „60 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs“ in Berlin
In der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin wurde am Sonntag, 8. Mai, ein ökumenischer Gottesdienst zum 60. Jahrestag des Kriegsendes gefeiert. Der Gottesdienst, zu dem die katholische und die evangelische Kirche in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) eingeladen hatte, wurde live im Ersten Deutschen Fernsehen übertragen. Wir dokumentieren die Predigt von Kardinal Karl Lehmann im Wortlaut:
„Jeder hatte damals schon vor der militärischen Gesamtkapitulation am 7. Mai in Reims und am 9. Mai hier in Berlin-Karlshorst - der 8. Mai ist das Kalender- und Urkundendatum dazwischen - auf seine Weise das Ende des schrecklichsten Krieges der Menschheitsgeschichte erlebt. Ich war am 24. April als Neunjähriger froh und glücklich, dass die einrückenden marokkanischen Truppen im französischen Heer die aus weißen Bettlaken eilig zusammengenähte und am hohen Kirchturm des Dorfes aufgehängte Kapitulationsfahne verstanden und achteten. Es fiel kein Schuss der schweren Geschütze. Mutige Männer hatten auch buchstäblich in letzter Minute die von der flüchtenden SS gelegten Zündschnüre durchschnitten, die eine kleine Brücke in die Luft jagen sollten, immerhin der einzige Zugang zu den Wiesen und Feldern jenseits des kleinen Flusses. So oder ähnlich haben viele in verschiedenen Schritten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihren 8. Mai erlebt.
Es war objektiv sicher der „Tag der Befreiung“. Aber schon Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat in seiner großen Ansprache am 8. Mai 1985 sofort hinzugesetzt: „Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten.“ Gewiss, manche, die in höchster Gefahr waren, konnten aufatmen. Wenigstens die Bombennächte waren vorbei. Es blieb dennoch eine große Enttäuschung. Der Kirchenhistoriker jüdischer Abstammung Hubert Jedin schrieb im römischen Exil: „In 1000 Jahren sah das deutsche Volk keinen Tag wie diesen... Es ist die größte Katastrophe der deutschen Geschichte. Kein Lichtstrahl erhellt das Dunkel.“ Die meisten Menschen waren mit Problemen des nackten Überlebens beschäftigt. Ein russischer General teilte Stalin lakonisch mit: „Menschen essen Gras und Rinde von den Bäumen.“ Auch die Soldaten, die sich noch vor Erschießungen wegen Defätismus fürchteten, konnten sich nicht so recht freuen. Der spätere evangelische Bischof Hermann Kunst schreibt zum 8. Mai: „Aber das Abendbrot am achten Mai verlief schweigend... Keine Spur von Jubel über die endlich geschenkte Freiheit und das Ende von Kriegsangst.“ Und Berlin erschien einem amerikanischen Offizier an diesem Tag als ein „brennender, rauchender, explodierender und Tod verbreitender Vulkan“.
Es gab Grund zur Angst. War dies das Ende Deutschlands? Jedenfalls sollte es nie mehr zum Störer und Zerstörer des Friedens werden. Von Befreiung war weniger die Rede, aber vom Sieg über den Feindstaat. Die fast noch tiefere Kapitulation war die Berliner Deklaration der Alliierten vom 5. Juni mit der Aussage: „Deutschland unterwirft sich allen Forderungen, die ihm jetzt oder später auferlegt werden.“ Es geisterten ja immer noch Ideen durch die Siegerländer, Deutschland in mehrere Länder mit vorwiegend land- und weidewirtschaftlichem Charakter zu zerstückeln. Stalin gab schon am 9. Mai diese gemeinsame Idee rasch auf. Schon zehn Tage zuvor waren bereits deutsche Kommunisten aus Moskau eingereist, um bald die Macht zu übernehmen. Die Potsdamer Konferenz der großen Drei hat am 2. August schließlich die schreckliche Flucht und Vertreibung von fünf Millionen Menschen legitimiert, von denen eineinhalb Millionen zu Tode kamen.
Doch gleichsam über Nacht hat sich auch die Welt verändert. Die Sieger misstrauten einander gründlich. Die Teilung Europas in Ost und West hatte bereits begonnen. Schon am 12. Mai spricht Churchill vom „Eisernen Vorhang“, der sich auf Europa senkt. Sein Zukunftsbild sind die Vereinigten Staaten von Europa. Dies war mitten in der Katastrophe eine Chance für Deutschland. Man brauchte es für ein europäisches Gleichgewicht. Die Europa-Idee weckte viel Begeisterung und machte aus den Besiegten bald Partner, freilich zunächst auf Bewährung. Der Kalte Krieg, ein ganz andersartiger dramatischer Weltkonflikt, veränderte rasch die Konstellation und erzwang geradezu Deutschlands Rehabilitierung. Die Einwurzelung der Demokratie in Deutschland ging leichter unter den vorteilhaften wirtschaftlichen Bedingungen („Wirtschaftswunder“).
Im Vergleich zu der totalen Ausweglosigkeit war es in der Tat eine ganz außerordentliche Gunst der Umstände, dass Deutschland sich bald erholen konnte. Das war nicht selbstverständlich. Osteuropa kam am 8. Mai unter eine neue Diktatur. Auch heute noch haben wir Anlass zum Dank, dass bei uns so viele tief in der Katastrophe noch eine Chance gesehen und mutig ergriffen haben. Freilich hat die Geschichte vor allem die Westdeutschen privilegiert. Die Menschen im Osten trugen viel mehr die schwere Last der Katastrophe. Die Verbrechen Hitlers schlugen vor allem auch in der Vertreibung furchtbar auf die Deutschen im Osten zurück. Dies sehen wir heute noch zu wenig. Die Lasten waren ungleich verteilt. Gott sei Dank, dass wir wieder zur Einheit in Freiheit gefunden haben.
Ja, der 8. Mai war in dieser Sicht auch ein Tag der Befreiung. Es war nicht nur das Ende einer furchtbaren Gewaltherrschaft, sondern – wie wir heute deutlicher sehen – das Datum eines Neubeginns. Wir mussten uns nun neu bestimmen. Wir hatten uns radikal in der Barbarei verirrt. Der Zivilisationsbruch war letztlich unbegreiflich, nicht minder die Katastrophe ein Rätsel. Aber sie haben uns auch die Chance einer neuen Zukunft geschenkt. Wir sind demokratiefähig geworden und haben bald entdeckt, dass unser künftiger Platz nicht mehr in einem gesteigerten Nationalismus, sondern in der Integration Europas liegt. Rasch entstehen unsere Parteien: ob wiedererstanden oder ganz neu. Es folgen die Bundesländer und schließlich unser heutiger Staat. Aus der Trümmerwüste wird ein Land, das - mindestens im Westen - nun 60 Jahre in diesem so lange kriegsgeschüttelten Europa in Frieden und Wohlstand leben darf.
Wenn wir heute für dieses Wunder danken, werden wir nicht übermütig. Wir wissen, dass es auch nach sechs Jahrzehnten noch viele spürbaren Wunden gibt. Frieden ist ja nicht nur das Schweigen der Waffen. Zu ihm gehören auch Sicherheit des Volkes, soziale Ordnung im Sinne des Schutzes der Schwachen, Denk- und Glaubensfreiheit, Wohlergehen des Einzelnen, aber auch das Zurückdämmen von Krankheit und - soweit wir es vermögen - Katastrophen, das Fehlen von Korruption und Machtmissbrauch. Diesen Frieden (Schalom) haben die Menschen immer auch als eine elementare Gabe Gottes verstanden, ähnlich wie das Leben, das sich keiner selbst zu geben vermag. Das Heilsein oder Ganzsein einer Gemeinschaft und ihrer Lebensbedingungen kann vom Tun des Menschen her nur bewahrt oder gestört, aber nicht durch menschliches Bemühen allein herbeigeführt werden. Verantwortung, Vertrauen, Geborgenheit und die Wahrung des Rechts, besonders gegenüber den Schwachen, sind die Lebenselemente dieses Friedens.
Die christlichen Kirchen, die bei allen tiefen Wunden und Blessuren in der Zeit der Dunkelheit noch einmal gut davon gekommen sind, wollten sich - noch mitten im Elend - beim Aufbau eines neuen Miteinander beteiligen. Sie haben dabei bis zum Schluss der Tyrannei ihre Besten verloren, um nur Alfred Delp (2.2.) und Dietrich Bonhoeffer (8.4.) zu nennen. Zwei Dinge können wir von ihnen, niedergelegt auch in der Lesung aus dem zweiten Kapitel des Epheser-Briefes, für den heutigen Tag lernen. Der Friede ist schon in den Verheißungen des Ersten Bundes eine Sehnsucht der Menschen, deren Erfüllung sie vom Messias erwarten: „Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn... Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.“ (Mi 5,3f.) Die Christen bekennen über diese große und tiefe Gemeinsamkeit mit dem jüdischen Volk hinaus, dass sie die Überzeugung haben, in seinen Spuren und auf dem Weg seiner Nachfolge diesen Frieden zu finden. Darum gibt es das Bekenntnis: „Denn er (Jesus Christus) ist unser Friede.“ (Eph 2,14a)
Dieser Friede entsteht jedoch nicht durch eine allgemeine Weltverbrüderung. Er ist auch mehr als ein Interessenausgleich. Wir sehen es im Leben Jesu: Einstehen für das Reich Gottes, Aufstand gegen das Unrecht, Solidarität mit den Schwächeren und Entrechteten, gewaltloser Widerstand, Einsatzbereitschaft, ja Opfer. Nur so kann die Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden mit dem Kreuz der Wirklichkeit zusammengebracht werden. Das menschliche Herz ist und bleibt immer von Zwietracht und Streitsucht, Eigensinn und Verhärtung, Selbstbehauptung und Überheblichkeit bedroht. Darum nisten auch überall Feindseligkeit, Tendenz zur Unterdrückung und Gewalt. Der Einsatz für den Frieden braucht darum Tapferkeit vor dem Bösen, Ausdauer im Leiden und Mut zur Freiheit und Stärke. Gerade das Friedenslied aus dem Epheser-Brief bindet die Versöhnung energisch an das Kreuz (vgl. 2,14-18): Wer nicht bereit ist zur Aufgabe der eigenen Vorurteile und der Übermacht eigener Interessen, zur Drangabe und Hingabe seiner Person, der ist auch nicht fähig, andere an seinem eigenen Glück und Wohl teilnehmen zu lassen, zum Teilen und zu einer geschwisterlichen Solidarität. Darauf kommt es aber an: gestern, heute und auch morgen. Amen.“
(MBN)