Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 13 - 6. April 2005
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Zum Tod von Papst Johannes Paul II.
Pontifikalrequiem für Papst Johannes Paul II.
Tägliches Mittagsgebet im Mainzer Dom
Dokumentation: „Ein Brückenbauer für die Welt“
Dokumentation: Predigt beim Requiem in Berlin
Lehmann betete mit Gläubigen im Dom
Mainzer Bischöfe würdigten den Papst
Todesanzeige wird in den Pfarreien verlesen
Aktuelle Termine der Bistumsleitung im Internet
Vor 25 Jahren: Johannes Paul II. in Mainz
Berichte
Kardinal würdigte bosnisch-kroatische Schulschwestern
Mainzkom spendete 2.500 Euro für den Dom
Arno Schilson verstorben
Vorschau
Ausstellung „Himmelsstriche“ (16.4.-6.5.)
Würde des Menschen (13.4.)
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (11.4.)
Ökumenische Konsultation „Gerechter Friede“ (7.-9.4.)
Diakonenweihe im Mainzer Dom (9.4.)
Neuerscheinung / Besprechung
„Bonifatius in Mainz“
„Die deutschen Mystikerinnen und ihr Gottesbild“
Zum Tod von Papst Johannes Paul II.
Ein Freund der Deutschen
Pontifikalrequiem für Papst Johannes Paul II. im Mainzer Dom
Mainz. Als „großen Freund der Deutschen“ hat Kardinal Karl Lehmann den verstorbenen Papst Johannes Paul II. am Dienstagabend, 5. April, bei einem Pontifikalrequiem im Mainzer Dom gewürdigt. Dies sei keineswegs selbstverständlich, da Polen „immer wieder in der Zange zwischen Deutschland und Russland“ gewesen und von beiden Ländern überfallen worden sei. Zu dem zentralen Gottesdienst für das Bistum Mainz waren rund 2.000 Menschen in den Mainzer Dom gekommen. Als Ehrengäste hatten unter anderen die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Roland Koch sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Peter Steinacker, teilgenommen. Die Ehrengäste trugen sich nach dem Requiem im Haus am Dom in das Kondolenzbuch ein.
Obwohl es Grund zum Misstrauen gegenüber den Deutschen gegeben hätte, habe sich dieser Papst „mitten in der nationalsozialistischen Besatzungszeit, ja man kann sagen im Untergrund und Widerstand, differenziert verhalten“. In dieser Zeit habe er besonders die deutschen Philosophen Max Scheler und Edmund Husserl studiert, die sein Denken maßgeblich geprägt hätten. Wörtlich sagte Lehmann: „Der universale Geist hat wirklich über nationalistische Gewalt gesiegt. Und auch die Gräuel des Vernichtungslagers in Auschwitz-Birkenau ganz nahe bei seiner Heimat konnten nicht verhindern, dass er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in verschiedenen Positionen immer wieder auf uns zuging bis hin zum Austausch des Briefwechsels zwischen den polnischen und deutschen Bischöfen am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils im November und Dezember 1965.“
Besonders Mainz sei dem Papst zu Dank verpflichtet, sagte Lehmann. Der Besuch in der Stadt im November 1980 habe Geschichte gemacht. In der Begegnung mit dem damaligen Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Eduard Lohse, und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland liege „die Geburtsstunde der langjährigen Arbeit über die wechselseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts“, sagte Lehmann. Der Mainzer Bischof erinnerte auch an die drei Besuche von Karol Wojtyla als Erzbischof von Krakau: 1974 bei einem Privatbesuch, 1977 zur Verleihung der Ehrendoktorwürde durch den Fachbereich Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität und 1978 beim ersten offiziellen Besuch einer Bischofsdelegation in Deutschland.
Lehmann wies auf die 104 großen Pastoralreisen und die rund 200 Pastoralbesuche des Papstes während des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. hin. Wörtlich sagte er: „Er hat überall Spuren hinterlassen, aber auch Erfahrungen und Begegnungen haben bei ihm selbst Geschichte gemacht auf seinem Lebensweg und gewiss auch Eindrücke zurückgelassen.“ Und weiter: „Nur so können wir auch das große Echo verstehen, das ihm jetzt auf dem Weg zur Vollendung seines Lebens weltweit begegnete. Es ist wohl richtig, wenn viele Medienvertreter in diesen Tagen nicht selten sagten, zum ersten Mal in der Weltgeschichte seien einem Menschen so viele Mitmenschen begegnet. Dafür haben wir unendlich zu danken, in Mainz, in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt. Und dies wollen wir darum nochmals, bevor Johannes Paul II. am kommenden Freitag seine letzte Ruhe in St. Peter findet, von ganzem Herzen sagen: Heiliger Vater, Vergelt´s Gott! Amen.“
Am Ende des Gottesdienstes rief Kardinal Lehmann die Gläubigen dazu auf, auch weiterhin für den verstorbenen Papst zu beten, besonders am kommenden Freitag, dem Tag seiner Beerdigung. Und weiter: „Ich bitte Sie auch, Fürbitte zu halten für die Wahl eines guten Nachfolgers.“ An dem Gottesdienst nahmen zahlreiche Vertreter katholischer Jugendgruppen wie der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) mit ihren Bannern teil. Außerdem nahmen über hundert Priester aus dem gesamten Bistum Mainz an dem Gottesdienst teil. Domdekan Heinz Heckwolf hatte die Trauerenden zu Beginn des Gottesdienstes begrüßt. Als Ehrengäste nahmen unter anderen Staatsminister Jürgen Zöllner, Staatsminister Gernot Mittler, Landtagspräsident Norbert Kartmann, Landtagsvizepräsidentin Helga Hammer, die Bundestagsabgeordnete Ute Granold, der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel und Kulturdezernent Peter Krawietz an dem Gottesdienst teil; außerdem die Fraktionsvorsitzenden Christoph Böhr, Werner Kuhn, Franz-Josef Jung und Jürgen Walter aus den Landtagen von Rheinland-Pfalz und Hessen. Auch der Mainzer Universitätspräsident Jörg Michaelis, ZDF-Intendant Markus Schächter und SWR-Landessenderdirektor Uwe Rosenbaum waren in den Mainzer Dom gekommen.
tob (MBN)
Tägliches Mittagsgebet im Mainzer Dom
Das Gotteshaus ist bis zur Beerdigung des Papstes jeden Abend bis 21.00 Uhr geöffnet
Mainz. Bis zur Beerdigung des Heiligen Vaters, Johannes Paul II., findet ab Montag, 4. April, jeden Tag um 12.00 Uhr im Hohen Dom zu Mainz ein Mittagsgebet für den verstorbenen Papst statt. Gestaltet werden die Gebetszeiten von Domdekan Heinz Heckwolf und Domorganist Albert Schönberger. Außerdem wird das Gotteshaus bis zur Beerdigung des Heiligen Vaters jeden Abend bis 21.00 Uhr für die Gläubigen zum Gebet geöffnet sein. Im Dom liegt für alle, die um den Heiligen Vater trauern, ein Kondolenzbuch aus.
Beim ersten Mittagsgebet am Montag, 4. April, waren rund 150 Menschen in den Mainzer Dom gekommen. „Mit vielen Menschen auf der ganzen Welt trauern wir heute um unseren verstorbenen Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II. Wir denken an ihn und beten für ihn“, sagte Heckwolf. Der Domdekan erinnerte daran, dass der Papst überall auf der Welt von der Osterbotschaft Zeugnis gegeben habe. Johannes Paul II. habe deutlich gemacht, dass die Botschaft Jesu „Antwort ist auf alles Unglück, das es in der Welt gibt, dass es für alle Tränen der Menschen einen Trost gibt“. Und weiter: „Wir danken Gott, dass er uns diesen Zeugen der Osterbotschaft in dieser Zeit geschickt hat.“
Bereits am Samstag, 2. April, hatte das Mainzer Domkapitel um 12.00 Uhr zu einem Mittagsgebet für den im Sterben liegenden Papst in den Mainzer Dom eingeladen. Mehrere hundert Menschen beteten zusammen mit den Weihbischöfen Werner Guballa und Ulrich Neymeyr, Generalvikar Dietmar Giebelmann, Domdekan Heinz Heckwolf und Domkapitular Peter Hilger die schmerzhaften Geheimnisse des Rosenkranzes. „Mit diesem Rosenkranz wollen wir uns mit den Menschen in aller Welt im Gebet vereinen“, sagte Generalvikar Giebelmann bei der Begrüßung. „Wir erfahren das Leiden des Heiligen Vaters und wollen ihm mit unserem Gebet nahe sein. Wir tun dies im Vertrauen auf den Glauben an die Auferstehung, den wir an Ostern gefeiert haben.“ Domorganist Albert Schönberger gestaltete das Gebet musikalisch.
tob (MBN)
DOKUMENTATION
Der Mainzer Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat den verstorbenen Papst Johannes Paul II. am Sonntag, 3. April, bei einer Pressekonferenz in der Katholischen Akademie in Berlin gewürdigt. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Würdigung:
Ein Brückenbauer für die Welt
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,Kardinal Karl Lehmann,
zum Tod von Papst Johannes Paul II.
Gestern ist Papst Johannes Paul II. von uns gegangen. „Pontifex“ lautet ein päpstlicher Titel: Brückenbauer. Ein Wort, das das Wirken von Papst Johannes Paul II. kaum besser beschreiben könnte. In den über 26 Jahren seines Pontifikates hat Johannes Paul II. immer wieder Brücken gebaut, zwischen Gott und den Menschen, zwischen Konfessionen und Religionen, zwischen Völkern und Kulturen, zwischen Alten und Jungen, Reichen und Armen. Er war ein Papst des unermüdlichen Dialogs. Schwellenängste vor dem Anderen kannte er ebenso wenig wie Furcht vor Drohungen und Protesten.
Für mich liegt das Geheimnis des Lebens und Wirkens dieses Papstes nicht zuletzt in seinem im Glauben begründeten Einsatz für die Menschenwürde, die zugleich die Grundlage aller Menschenrechte ist. Immer wieder hob er in seinen vielen Enzykliken, Katechesen und Predigten, aber auch auf seinen Reisen, vier Bereiche hervor: das Evangelium vom Leben, das Pochen auf das Recht der Religionsfreiheit, die Forderung nach einer gerechten Weltwirtschaftsordnung und schließlich die Absage an jeden Weg der Gewalt zum Erreichen gesellschaftlicher und politischer Ziele.
Mit dem Amtsantritt von Papst Johannes Paul II. vor mehr als 26 Jahren hat die Wirksamkeit der Kirche in die Welt hinein eine neue Intensität gefunden. Mit seinen zahlreichen Pastoral-, Pilger- und Besucherreisen, die ihn in alle Kontinente führten, bezeugte er in besonderer Weise die Verantwortung seines Amtes für alle Völker und sprach zu vielen Nationen in ihrer je eigenen Sprache. Wenn er, wie er es im Fall des Irak getan hatte, einen Krieg als „Niederlage der Menschheit“ bezeichnete, so tat er dies aus Liebe zur Menschheit selbst. Indem er immer die konkreten und geschichtlichen Menschen in ihrer Existenz und in ihrer Situation vor Augen hatte, gewann seine Verkündigung jene Konkretheit, Farbe und Überzeugungskraft, die ihn auch weit über die Grenzen der Katholischen Kirche hinaus Anerkennung und Verehrung erfahren ließ.
Immer wieder wandte sich der Papst ganz besonders an einzelne Gruppen. Es sind die Familien, die Kinder, die Frauen, die Priester und viele Verantwortliche in den einzelnen Lebensbereichen, wie z.B. Künstler und Wissenschaftler. Auch die regelmäßige Ansprache an die Jugendlichen gehörte dazu. Der Papst sah sie als einen Vortrupp für eine neue Evangelisierung im Dritten Jahrtausend. So sind sie durch ihr soziales und politisches Engagement sowie die Solidarität mit den Armen im Blick auf die Zukunft ganz gewiss „Baumeister einer Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit“. Dies war auch sein Programm für den von ihm einberufenen und ersehnten Weltjugendtag im August dieses Jahres in Köln.
Sein großes Vertrauen und Zutrauen zur Jugend schuf eine große Gegenliebe bei den Jungen. Dieser alte, zunehmend gebrechlich erscheinende Mann hatte auf die jungen Menschen wie ein Magnet gewirkt. Hier erinnerte der Papst immer wieder an den großen Aufbruch seiner ersten Jahre. Ich kenne niemanden, der in der heutigen Welt so eine geradezu unbändige Hoffnung bei jungen Menschen entfesseln konnte. Krankheit und Schmerz schienen diesem Mann des Glaubens und der Kirche nichts anhaben zu können.
Wir Deutschen haben dem Heiligen Vater viel zu verdanken. Die Wiedervereinigung Deutschlands gehört gewiss dazu. Sie war Folge des Zusammenbruchs der kommunistischen Systeme in Ost- und Südosteuropa. Und es ist unzweifelhaft, dass das polnische Volk daran einen großen Anteil hatte. Möglich war dies auch, weil der Papst den Polen eine starke moralische Unterstützung gab. Ohne ihn, der als gebürtiger Pole selbst aus dem kommunistischen Machtbereich kam und sich deshalb im Umgang mit diesem Machtsystem auskannte, wäre diese Entwicklung sicher nicht so schnell gekommen.
Schon in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau war Kardinal Karol Wojtyla unserem Land verbunden und hatte großen Anteil am stetigen Versöhnungsprozess zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk. In den 70er Jahren reiste er gleich mehrfach nach Deutschland, das letzte Mal einen Monat vor seiner Wahl zum Papst 1978. Gemeinsam gedachten damals deutsche und polnische Bischöfe am Grab des heiligen Bonifatius in Fulda des gemeinsamen Anfangs des christlichen Glaubens in Europa. Die Erinnerung und Bewahrung des christlichen Erbes in Europa ist Johannes Paul II. stets ein besonders Anliegen gewesen. Immer wieder schaltete er sich in die Debatte um eine künftige Europäische Verfassung ein und drängte darauf, den Beitrag des religiösen und insbesondere des christlichen Erbes anzuerkennen. Seine Worte waren und bleiben Ermutigung und Anspruch nicht nur für die Gläubigen, sondern für alle in Politik und Gesellschaft verantwortlich Handelnde.
Gerne erinnern wir uns an die Begegnungen mit Papst Johannes Paul II. während seiner Besuche in Deutschland 1980, 1987 und 1996. Sie waren stets von Offenheit und Herzlichkeit geprägt. Papst Johannes Paul II. zeigte immer wieder sein großes Interesse für das kirchliche Leben und die Theologie in Deutschland.
Dies gilt gerade auch für die Ökumene. Schon bei seinem ersten Besuch 1980 gehörten die Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern aller christlichen Kirchen und des Judentums zu einem der Höhepunkte seiner Reise. Die Gespräche setzten sich bei seinen späteren Besuchen 1987 und 1996 fort. Die Einheit der Kirche lag dem Papst besonders am Herzen, und er hat in den vergangenen Jahren zusätzlich viele wichtige Impulse gesetzt.
Als Freund der Deutschen hat er der Kirche in Deutschland eine große Bedeutung beigemessen, setzte aber auch ebensolche Erwartungen in sie. Nicht immer war das Verhältnis zum Papst frei von Unstimmigkeiten. Aber auch in schwierigen Phasen war immer ein offenes und vertrauensvolles Gespräch möglich.
Dafür sind wir dem Papst zu großem Dank verpflichtet. Worte reichen jedoch kaum aus. Der beste Dank ist es wohl, dass man sich durch seinen aufopfernden Dienst und sein glaubwürdiges Zeugnis anspornen lässt und seine Initiativen im je eigenen Leben und am jeweiligen Ort fortführt.“
(MBN)
DOKUMENTATION
Predigt von Kardinal Karl Lehmann zum Tod von Papst Johannes Paul II. im
Pontifikalgottesdienst am Mittwoch, 6. April 2005, in der Johannes-Basilika in Berlin
Es gibt von Papst Johannes Paul II. einzelne Worte, die ihn mit ihrer Wucht elementar kennzeichnen: „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten!“ oder schon am Anfang: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus. Öffnet die Grenzen der Staaten, der wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht.“ Bis zuletzt hat er uns solche Worte geschenkt: „Bisher habe ich nach euch gesucht. Jetzt seid ihr zu mir gekommen. Ich danke euch.“ Oder die Botschaft am Ende: „Ich bin froh – seid ihr es auch!“
Dies ist Johannes Paul II.: Er empfand es als seine Sendung, von Gott her im Namen des Evangeliums Jesu Christi die ganze Welt zu umfangen und sich ihrer Größe und ihrem Elend zu öffnen. Der Papst hat dafür keine Legionen. Seine Macht kommt aus der Sphäre der Überzeugungen. Diese gründen für ihn bei aller universalen, wirklich katholischen Reichweite seiner Botschaft tief in den Antriebskräften des persönlichen Glaubens. Beides, so spannungsvoll es ist und bei den meisten Menschen auseinander fällt, kommt aus einer Wurzel. An Johannes Paul II. konnte man gut ablesen, wie wahr das Wort des großen evangelischen Historikers Leopold von Ranke ist, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts schrieb, die Macht der Päpste sei eine „Macht des Daseins“. Keine Macht der Welt kann diese Stärke ersetzen. Zu ihr gehört die Unerschütterlichkeit eines Glaubens, die die Person Karol Wojtyla und die Ausübung seines Petrusdienstes bestimmten.
Während der Hälfte seines Lebens hat er politische Systeme erfahren und erlitten, die dem Menschen bei allen Versprechungen das höchste Gut genommen haben, das er in dieser Welt kennt, nämlich seine Freiheit. Immer wieder hat darum dieser Papst eine neue „Kultur der Freiheit“ verlangt. So sagte er 1995 zum 50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen in New York über die Menschenrechte: „Freiheit ist nicht einfach die Abwesenheit von Tyrannei und Unterdrückung ... Losgelöst von der Wahrheit über die menschliche Person, verkommt Freiheit im Leben der Individuen zur Freizügigkeit, und im politischen Leben wird sie zum Spielball der Mächtigsten und zur Arroganz der Macht.“ Als Johannes Paul II. zum dritten und letzten Mal unser Land besuchte und hier in Berlin mit Bundeskanzler Helmut Kohl das Brandenburger Tor durchschritt und sich danach am 23. Juni 1996 verabschiedete – immer wieder kam er auf die Bedeutung dieser Geste zurück –, waren seine letzten Worte in Deutschland ein einziger „Appell für die Freiheit“. Leidenschaftlich hat er dies ausgeführt: „Freiheit ist kein Freibrief! Wer aus der Freiheit einen Freibrief macht, hat der Freiheit bereits den Todesstoß versetzt ... Die Idee der Freiheit kann nur da in Lebenswirklichkeit umgesetzt werden, wo Menschen gemeinsam von ihr überzeugt und durchdrungen sind. – In dem Wissen um die Einmaligkeit und Würde des Menschen und um seine Verantwortung vor Gott und den Menschen ... Die Freiheit des einzelnen ist nicht zu trennen von der Freiheit der anderen, aller anderen Menschen. Wo die Menschen ihren Blick auf das je eigene Lebensfeld begrenzen und nicht mehr bereit sind, auch ohne Vorteile für sich selbst sich für andere zu engagieren, da ist die Freiheit in Gefahr. In Solidarität gelebte Freiheit demgegenüber wirkt sich aus im Einsatz für Gerechtigkeit im politischen und sozialen Bereich und lenkt den Blick auf die Freiheit. Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität.“ Freilich verlangt dies einen hohen Preis: „Sie verlangt Hochherzigkeit, und die schließt Opferbereitschaft mit ein; sie verlangt Wachsamkeit und Mut gegenüber den Kräften, die sie von innen oder von außen bedrohen ... Keiner kann sich von seiner persönlichen Verantwortung für die Freiheit dispensieren. Es gibt keine Freiheit ohne Opfer.“
Weil der Papst aus dieser letzten Tiefe sprach, wurden seine Worte auch im Grunde von niemandem politisch missverstanden oder missbraucht. Dennoch haben sie immer wieder die jeweilige konkrete gesellschaftliche und politische Realität meisterhaft getroffen. So hatten diese Worte oft eine ganz erstaunliche Wirkung in der Nähe und in der Ferne. So bietet der Papst der säkularen Weltmacht der USA, wenn es um den Erhalt des Friedens geht, die Stirn, ohne ihren großen humanen Rang auch nur ein bisschen herabzusetzen. Im Blick auf die verzweifelte Lage im Nahen Osten lässt er keine Gelegenheit aus, für Frieden und Verständigung zu werben. Auch wenn er weiß, dass das Wohlstandsgefälle und die kulturelle Distanz zwischen Nord und Süd Sprengstoff im Leben der Völker ist, auf dem die Flamme der Gewalt auflodern kann, so sagt er dem internationalen Terrorismus den Kampf an. Er ist und bleibt der Brückenbauer schlechthin, Pontifex Maximus.
Alle loben ihn heute und zollen ihm Achtung. Freilich, im Lauf der 26 Jahre war er auch in dieser Hinsicht oft ein einsamer Rufer in der Wüste. Vieles von dem, was er beklagt, ist auch heute noch unerledigt. Wir dürfen darum seine Worte nicht vergessen. Nicht immer hat man besonders im Inneren der Kirche die Kraft seines prophetischen Auftretens recht verstanden. Nicht wenige werfen ihm auch heute vor, er habe zwar in die Welt hinein ein großes Beispiel der Hoffnung für alle Menschen gegeben, aber nach innen Freiheit und Dialog weniger gefördert. Aber was meint man mit Freiheit und mit Dialog? Gewiss kam Karol Wojtyla aus einer Situation, in der für die Kirche mitten in den Diktaturen Einheit und Disziplin Überlebensvoraussetzung waren. Und gewiss hat er darüber hinaus auch Recht, dass eine Kirche, die sich so weit in die Vielfalt und Spannungen der Kulturen sowie politischen Systeme hinauswagt, im Inneren eine einander tief verpflichtende und verlässliche Gemeinschaft, vor allem des Glaubens und so auch der Lehre sein muss, um den zentrifugalen Kräften, denen wir alle ausgesetzt sind, widerstehen zu können. Für uns Kinder pluralistischer und manchmal auch zum Individualismus neigender Gesellschaften ist dies keine leichte Botschaft. Der Papst hat mit der ihm eigenen Festigkeit des Geistes und Klugheit des Seelsorgers, der den Menschen kennt, große Barmherzigkeit walten lassen, wenn wir Menschen zu schwach waren, um diesen Verführungen Widerstand zu leisten. Aber er hat sich leidenschaftlich dagegen gewehrt, wenn wir wegen unserer gut gemeinten Anpassungsfreudigkeit die unverwechselbare Stärke unseres Glaubens und seiner Grundsätze verraten haben. Da können wir alle von ihm noch viel lernen. Da muss das ringende Gespräch mit ihm weitergehen.
Dies gilt auch für das immer engere Zusammenwachsen der Christen in Ost und West. Immer mehr war Johannes Paul II. von diesem Geist der Ökumene tief erfüllt. Er hat ihn auch leidenschaftlich gefördert und gefordert. Manchmal hatte er freilich auch die Sorge, dass wir uns zu billig auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen könnten. So hat er uns schon in der wichtigen Begegnung mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Mainz am 17. November 1980 zugerufen: „Alle Dankbarkeit für das uns Verbleibende und uns Verbindende darf uns nicht blind machen für das, was immer noch trennend zwischen uns steht. Wir müssen es möglichst miteinander ins Auge fassen, nicht um Gräben zu vertiefen, sondern um sie zu überbrücken ... Miteinander sind wir gerufen, im Dialog der Wahrheit und der Liebe die volle Einheit im Glauben anzustreben. Erst die volle Einheit gibt uns die Möglichkeit, uns eines Sinnes und eines Glaubens an dem einen Tisch des Herrn zu versammeln." Ist uns dieser Weg zu weit und zu beschwerlich? Dann hätten wir ihn und sein Testament nicht verstanden. Amen.
(MBN)
„Die Welt ist ärmer geworden“
Erste Stellungnahme von Kardinal Lehmann zum Tod von Papst Johannes Paul II.
Mainz. Kurz nach dem Bekanntwerden des Todes von Papst Johannes Paul II. am Samstag, 2. April, hat der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, den Heiligen Vater in einer ersten kurzen Stellungnahme als mutigen Zeugen des Evangeliums gewürdigt. „Die Welt ist ärmer geworden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vor Journalisten im Ketteler-Saal des Erbacher Hofes. Der Vatikan hatte kurz vor 22.00 Uhr den Tod von Johannes Paul II. bestätigt. Der 84-Jährige war am Samstagabend um 21.37 Uhr im Apostolischen Palast des Vatikan an Organversagen gestorben. Johannes Paul II. führte die katholische Kirche mit ihren rund 1,1 Milliarden Katholiken 26 Jahre, fünf Monate und 16 Tage. Es war das zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte.
Wörtlich heißt es in der Erklärung von Kardinal Lehmann: „Der Papst ist von uns gegangen. Johannes Paul II. ist so gestorben, wie er gelebt und gewirkt hat; geistig wach fast bis zuletzt, voller Hingabe an seinen Dienst und ergeben in den Willen Gottes. Er hat weltweit die frohe Botschaft verkündet: ‚Öffnet, reißt die Tore weit auf für Christus’, zu allen Christen und Religionen, zu allen Menschen, besonders zu den Armen. Seine Entschiedenheit hat viele Mauern zum Einsturz gebracht, unter anderen gewiss auch den Eisernen Vorhang. Seine Unbeirrbarkeit im Glauben hat auch in die schwierigsten Situationen viel Hoffnung gebracht. Ein mutiger Zeuge des Evangeliums, ein Großer der Weltgeschichte und ein bleibendes Vorbild nicht nur für die katholischen Christen, ist von uns gegangen. Die Welt ist ärmer geworden. Es bleiben Trauer, Dankbarkeit und Treue zu seinem Vermächtnis.“
Gebet im vollbesetzten Mainzer Dom
Nach der Meldung vom Tod des Papstes war Kardinal Lehmann zunächst in den Mainzer Dom gegangen, wo er mit den Menschen in dem vollbesetzten Gotteshaus für den Verstorbenen betete. Im Anschluss beteten die Gläubigen zusammen mit den Weihbischöfen Werner Guballa und Ulrich Neymeyr, Domdekan Heinz Heckwolf sowie den Domkapitularen Peter Hilger und Horst Schneider die Komplet. Danach konnten sich die Gläubigen in das Kondolenzbuch eintragen, das auch in den kommenden Tagen im Mainzer Dom ausliegen wird. Bis weit nach Mitternacht standen die Menschen an, um auf diese Weise von Papst Johannes Paul II. Abschied zu nehmen. Direkt nach der Meldung vom Tod des Papstes hatten die Glocken des Mainzer Domes zu einem viertelstündigen Trauergeläut geläutet.
tob (MBN)
„Ich bin froh, seid Ihr es auch“
Predigten von Kardinal Lehmann und den Weihbischöfen Guballa und Neymeyr
Mainz. Sowohl der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, als auch die beiden Weihbischöfe Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr haben Papst Johannes Paul II. am Sonntag, 3. April, in Gottesdiensten im Mainzer Dom gewürdigt. Bereits um 7.00 Uhr fand die erste Eucharistiefeier mit Generalvikar Dietmar Giebelmann im Mainzer Dom statt. Um 15.00 Uhr wurde im Dom die Vesper gebetet.
Die eigentliche Aufgabe des Petrusamtes, nämlich die Gläubigen in ihrem Glauben zu stärken, habe Papst Johannes Paul II. „bis in die allerletzten Stunden seines Lebens in ganz besonderer Weise wahrgenommen“, sagte Kardinal Lehmann in seiner Predigt in der Messe um 8.00 Uhr. „Dafür wollen wir von ganzem Herzen danken.“ Als „starkes Wort eines unerschütterlichen Glaubens“ bezeichnete Lehmann das Wort „Ich bin froh, seid Ihr es auch“, das der Papst auf dem Sterbebett zu seinen Vertrauten gesagt habe. Wörtlich sagte Lehmann: „Was ist das für ein Glaube, der uns zutiefst beschämt?“ An dem zweiten Wort auf dem Sterbebett werde deutlich „dass er auch in Stunden äußerster Bedrängnis nicht zuerst auf sich geschaut hat“. Der Papst hatte in Richtung der jungen Menschen auf dem Petersplatz gesagt: „Ich habe nach Euch gesucht. Jetzt seid Ihr zu mir gekommen. Ich danke Euch.“ Außerdem ging Lehmann auf die drei Deutschlandreisen des Papstes ein, für die man in besonderer Weise dankbar sein müsse.
Guballa: „Wir sind reich beschenkt durch sein Zeugnis“
„Wir sind ärmer geworden um einen Zeugen. Wir sind reich beschenkt durch sein Zeugnis“, würdigte Weihbischof Guballa in der Eucharistiefeier um 10.00 Uhr den verstorbenen Papst. „Wir trauern um Johannes Paul II. vor allem, weil er unermüdlich das Weitergeben des Glaubens vorgelebt hat. Für ihn war der Glaube kein toter Buchstabe, sondern zutiefst Leben.“ Weiter sagte er: „Das Licht des Ewigen Lebens ist für ihn entzündet. In dieser Gewissheit feiern wir diese Heilige Messe. Auferstehung ist unsere Botschaft. Leben verkünden wir.“ Die große Begeisterung Jugendlicher für Johannes Paul II. liege wohl darin, „dass er ihre Fragen und Zweifel gehört und wahrgenommen hat, ihnen jedoch kein ‚vielleicht’ mit auf den Weg gegeben hat, sondern seine Antwort, die aus dem Glauben kommt. Die Welt ist nicht reich an Menschen, die das können.“
Neymeyr: „Wir spüren die Lücke“
„Der Papst ist uns in den vergangenen 26 Jahren ein lieber Vertrauter und eine moralische Instanz geworden, weit über die katholische Kirche hinaus, so dass die Menschen wissen, dass die Welt ohne ihn ein Stück ärmer ist“, sagte Weihbischof Neymeyr im Gottesdienst um 11.30 Uhr. Weiter sagte er: „Uns Katholiken bewegt heute auch, dass wir keinen Papst mehr haben, dass die Kirche nicht mehr die Führung eines von Christus Erwählten hat. Wir spüren die Lücke und spüren die Bedeutung des Amtes für die Kirche.“ In den Tagen ohne Papst beginne die Kirche mit dem Gebet dafür, dass Jesus Christus der Kirche wieder einen Heiligen Vater schenken möge, der die Kirche sicher lenke und ihr eine moralische Instanz sei.
tob (MBN)
Trauer um Papst Johannes Paul II.
Pontifikalrequiem im Mainzer Dom am Dienstag, 5. April, um 19.00 Uhr
Mainz. Mit tiefer Trauer ist im Bistum Mainz die Nachricht vom Tod des Heiligen Vaters, Papst Johannes Paul II., aufgenommen worden. Der Generalvikar des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, hat ein Pontifikalrequiem für das Bistum Mainz am Dienstag, 5. April, um 19.00 Uhr im Mainzer Dom angekündigt, zu dem der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann die Gläubigen herzlich einlädt. Außerdem liegt im Mainzer Dom ein Kondolenzbuch aus für alle, die um den Heiligen Vater trauern. In der Todesanzeige die an alle 345 Pfarrgemeinden im Bistum Mainz verschickt wurde und in den Gottesdiensten verlesen werden soll, schreibt Kardinal Lehmann:
„Gott, der unerforschliche Herr über Leben und Tod, hat am 2. April 2005 Papst Johannes Paul II. in die Ewigkeit berufen.
Mit unzähligen katholischen Christen in der weiten Weltkirche und vielen Menschen guten Willens trauern wir über den Verlust dieses großen Papstes, rufen die Gemeinden zum Gebet für den obersten Hirten unserer Kirche auf und danken ihm über den Tod hinaus für seinen außerordentlichen Dienst an der christlichen Botschaft mit einem von Herzen kommenden Vergelt`s Gott.
Über 26 Jahre hat Papst Johannes Paul II., der im 85. Lebensjahr stand, die Geschicke der Kirche geleitet. In diesen Dienst brachte er eine auch in vielen Schicksalsschlägen ungebrochene Frömmigkeit mit, die ihn sein ganzes Leben hindurch mit einer unerschütterlichen Kraft des Glaubens und der Hoffnung erfüllte. Sein Leben war schon früh durch die Auseinandersetzung mit totalitären Staatssystemen, näherhin des Nationalsozialismus und des diktatorischen Marxismus-Stalinismus, bestimmt. Dies hat ihn zu einer leidenschaftlichen Verteidigung des Rechtes auf Freiheit und zum unerschrockenen Bekenntnis des Glaubens geführt. Er ist aufgewachsen in Wadowice, nur 30 Kilometer entfernt vom Konzentrationslager Auschwitz. Da manche jüdische Freunde ermordet wurden, war die Judenvernichtung für ihn auch eine persönliche Erfahrung. Diese hat in ihm eine große, unbeugsame Sensibilität für alle Formen einer Gefährdung oder Tötung menschlichen Lebens hervorgerufen.
Karol Wojtyla ist in vielen Dimensionen eine ungewöhnlich reiche Begabung gewesen: er war ein glänzender philosophischer Geist mit vielen großen Veröffentlichungen vor allem über Ethos und Ethik; er hatte einen wachen Sinn für die Gefährdungen des Glaubens in unserer Zeit, ohne die Chancen zu verkennen. Mit großer Geistesgegenwart beobachtete er die Auswirkungen gesellschaftlicher, politischer und kultureller Tendenzen auf den Menschen: Seine Schriften offenbaren einen tiefgründigen Meister der christlichen Spiritualität und einen feinsinnigen, geradezu künstlerisch-poetischen Menschen. Es ist auch ein Erbe seiner polnischen Heimat, dass er ein hohes soziales Verantwortungsbewusstsein hatte, das er unerschrocken in der ganzen Welt zur Sprache brachte, besonders wenn es um Arme und Bedrängte, Kranke und Verfolgte ging. Mehrere Weltrundschreiben haben darum auch die Kirchliche Soziallehre kräftig weiterentwickelt.
Das Bistum Mainz hat zusätzliche und besondere Gründe, um Papst Johannes Paul II. zu ehren und ihm zu danken. Schon vor seiner Wahl am 16.10.1978 hat er Mainz besucht und dabei die Würde eines Ehrendoktors des Fachbereichs für Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität entgegengenommen. Es drängte ihn auch danach, das Grab des großen Mainzer Sozialbischofs von Ketteler zu besuchen. Die Tage in Mainz während seines ersten Deutschlandbesuches im November 1980 waren für die Ökumene und die Begegnung mit den Juden wichtige Ereignisse. Schließlich war er ein großer persönlicher Freund von Hermann Kardinal Volk, den er beim Zweiten Vatikanischen Konzil näher kennenlernte. Immer wieder erinnerte er sich gerne an Mainz und ließ stets besondere Grüße ausrichten.
Wir bitten die Gläubigen und die Priester in unserem Bistum um das inständige Gebet und die Abhaltung von Gottesdiensten für den verstorbenen Papst und zugleich um das Gebet für die Wahl eines würdigen Nachfolgers.“
Verordnungen des Generalvikars
Der Generalvikar des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, hat für die Pfarrgemeinden im Bistum Mainz folgende Verordnung erlassen:
„Verordnung aus Anlass des Heimganges unseres Hl. Vaters Johannes Paul II.
In allen Pfarrkirchen, Filialkirchen und Klosterkirchen wird am Dienstag, 5. April, von 11.00 Uhr bis 11.15 Uhr ein Trauergeläute stattfinden. Dieses Trauergeläute wird am Vorabend des Beerdigungstages von 18.30 Uhr bis 18.45 Uhr wiederholt. Alle Kirchen und kirchlichen Gebäude flaggen bis zum Freitag, 8. April, einschließlich und am Beerdigungstag halbmast. Die beiliegende Todesanzeige für Papst Johannes Paul II. ist in allen Gottesdiensten (einschließlich Vorabendmessen) des kommenden Wochenendes zu verlesen.
Im Hohen Dom zu Mainz wird am Dienstag, 5. April, um 19.00 Uhr ein Pontifikalrequiem in Konzelebration gehalten. Die Geistlichen und die Gläubigen der Stadt und des Bistums werden hierzu eingeladen. Die Geistlichen sind gebeten, in Chorkleidung am Gottesdienst teilzunehmen.
In jeder Pfarr- und Klosterkirche des Bistums soll an einem geeigneten Tag ein feierliches Requiem gehalten werden. In größeren Städten könnte es angebracht sein, in einer Hauptkirche einen Gottesdienst zu halten, zu dem auch in der Öffentlichkeit eingeladen wird.
Damit möglichst viele Gläubige an dem Trauergottesdienst teilnehmen können, soll dieser am Abend gehalten werden. In der Bischofsstadt Mainz soll in den Gemeinden das Requiem möglichst erst an einem der folgenden Abende nach dem Pontifikalrequiem im Dom gehalten werden.
Wir bitten außerdem des verstorbenen Heiligen Vaters besonders bis zum Tage der Beisetzung in den Fürbitten bei der Heiligen Messe, den Andachten in den Gemeinden und im privaten Gebet zu gedenken.“
Hinweise für die Gottesdienste
Für die Gottesdienste hat der Generalvikar den Pfarrgemeinden folgende Hinweise beigefügt:
„Hinweise für die Gottesdienste für die Zeit bis zur Erwählung eines neuen Papstes
Bis zur Wahl des neuen Papstes sollen die Gläubigen zum Gebet aufgefordert werden. Neben dem persönlichen Gebet soll in jeder heiligen Messe und in den Andachten dieses Anliegens gedacht werden.
Außer an Sonntagen und an den festfreien Werktagen können als Orationen die im Messbuch vorgesehenen „zur Wahl eines Papstes“ S. 1047/1048 verwendet werden. Passende Präfationen stehen u. a. S. 426, 428, 1126.
Man kann dazu Lesung und Evangelium aus den Vorschlägen im Lektionar VI/1 „Schriftlesungen für die Messfeier bei besonderen Anlässen“ (blaues Lektionar) S. 241-244 wählen.
Nach Art. VI/7 der Allg. Leseordnung soll man jedoch der laufenden Schriftlesung in Votivmessen den Vorzug geben, weil das eigentliche thematische Anliegen des Gottesdienstes in den Gebeten zum Ausdruck kommt.
Außerdem soll das Anliegen in den täglichen Fürbitten genannt werden, für die entsprechende Vorschläge beiliegen. Im Hochgebet entfällt die Nennung des Papstes. Es wird sogleich der Bischof, bzw. die Gemeinschaft der Bischöfe, erwähnt. Wenn das Konklave begonnen hat, kann man vor der Erwähnung des Bischofs einfügen „die zum Konklave versammelten Kardinäle“; im II HG „vereint mit den zum Konklave...“. Besonders in den Fürbitten in der Hl. Messe ist dieses Anliegens zu gedenken.“
tob (MBN)
Kardinal Lehmann reist am Donnerstag nach Rom
Aktuelle Termine der Bistumsleitung auf den Internetseiten der Pressestelle
Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, wird am Donnerstag, 7. April, nach Rom reisen, um an der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. am Freitag, 8. April, den Generalkongregationen der Kardinäle und dem Konklave zur Wahl eines neuen Papstes teilzunehmen. Dadurch wird es zu zahlreichen Änderungen bei den Terminen der Bistumsleitung kommen, die im Terminkalender der Bischöflichen Pressestelle für den Monat April angekündigt sind. Die aktualisierten Termine können auf den Internetseiten der Pressestelle unter http://www.bistum-mainz.de/presse in der Rubrik „Termine“ eingesehen werden.
tob (MBN)
Papst Johannes Paul II. in Mainz
Messe mit rund 250.000 Gläubigen / Karol Wojtyla war insgesamt viermal in Mainz
Mainz. Vor 25 Jahren war Papst Johannes Paul II. für rund 24 Stunden in Mainz zu Gast. Im Jahr 1980 machte er auf seiner fünftägigen Deutschlandreise (15. bis 19. November) von Sonntag, 16. November, bis Montag, 17. November, in der Stadt Station. Aus Osnabrück kommend feierte er am Sonntagnachmittag mit rund 250.000 Gläubigen eine Messe auf dem Gelände des amerikanischen Militärflughafens in Mainz-Finthen. Zuvor war Karol Wojtyla als Erzbischof von Krakau bereits dreimal zu Gast in Mainz: 1974 bei einem Privatbesuch, 1977 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität und 1978 als Mitglied einer polnischen Bischofsdelegation.
Begegnung mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Lohse
Einen besonderen Stellenwert in der Bewertung seiner Visite 1980 nahm die Begegnung mit dem damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Eduard Lohse, am 17. November 1980 im Mainzer Dommuseum ein. Bei seiner ersten Pastoralreise in das Land der Reformation habe er damit ein deutliches Zeichen seines ökumenischen Willens setzen wollen, wie Kardinal Hermann Volk in seiner Begrüßung sagte. Mit großem Respekt sprach der Papst von Martin Luther: „Ich erinnere mich in dieser Stunde daran, dass Martin Luther 1510/1511 als Pilger, aber auch als Suchender und Fragender zu den Gräbern der Apostelfürsten in Rom kam. Heute komme ich zu Ihnen, zu geistlichen Erben Martin Luthers; ich komme als Pilger. Ich komme, um mit dieser Begegnung in einer gewandelten Welt ein Zeichen der Verbundenheit in den zentralen Geheimnissen unseres Glaubens zu setzen.“
Bei seiner Ansprache machte er auch weiterhin bestehende Unterschiede zwischen den Konfessionen deutlich: „Alle Dankbarkeit für das uns Verbleibende und uns Verbindende darf uns nicht blind machen für das, was immer noch trennend zwischen uns steht. Wir müssen es möglichst miteinander ins Auge fassen, nicht um Gräben zu vertiefen, sondern um sie zu überbrücken. Wir dürfen es nicht bei der Feststellung belassen: ‚Also sind und bleiben wir ewiglich geschieden und wider einander.’ Miteinander sind wir gerufen, im Dialog der Wahrheit und der Liebe die volle Einheit im Glauben anzustreben. Erst die volle Einheit gibt uns die Möglichkeit, uns eines Sinnes und eines Glaubens an dem Tisch des Herrn zu versammeln.“
Treffen mit ACK-Vertretern
Es schloss sich ein Treffen mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland an. Johannes Paul II. traf unter anderen mit den beiden stellvertretenden ACK-Vorsitzenden zusammen: Bischof Hermann Sticher von der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Deutschland und Metropolit Augoustinos, dem Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland. Zur Zukunft der Ökumene sagte der Papst: „Gewiss wird Entscheidendes davon abhängen, dass wir uns immer mehr ‚zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst’ zusammenschließen. Die Einheit der Kirche gehört unabdingbar zu ihrem Wesen. Sie ist kein Selbstzweck. Der Herr gibt sie‚ damit die Welt glaubt’ (Joh 17,21). Lassen wir nichts unversucht, um miteinander zu bezeugen, was uns in Jesus Christus gegeben ist. (...) Wie die Liebe des Herrn kennt auch der rechte Dienst in seiner Nachfolge keine Schranken. Er betrifft alle Dimensionen der menschlichen Existenz und alle Bereiche unserer Zeit.“ Nach der Begegnung betete Johannes Paul II. im Mainzer Dom am Grab von Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler.
Ansprache vor ausländischen Katholiken
Bei seiner Ansprache vor Katholiken anderer Muttersprache am Montag, 17. November, auf dem Domplatz forderte der Papst die Deutschen zu einer Bewusstseinsänderung im Umgang mit ausländischen Arbeitnehmern auf. Wörtlich sagte er: „Zu lange haben viele geglaubt, die ausländischen Arbeitnehmer würden nur vorübergehend in die deutschen Industriegebiete kommen. Ihre Anwesenheit wurde fast ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet als eine Frage des Arbeitsmarktes. Nun aber wird allen Einsichtigen klar, dass ein großer Teil dieser Arbeitnehmer und ihrer Familien hier heimisch geworden ist und ständig bei Euch bleiben möchte. Das bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für die Lebens- und Bevölkerungsstruktur der Bundesrepublik. Dem müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Rechnung tragen; darauf müssen sich alle in Gesinnung und Tat einstellen - ein keineswegs leicht und rasch zu vollziehender Prozess.“
Papst Johannes Paul II. thematisierte in seiner Ansprache das Thema Fremdenfeindlichkeit vor dem Hintergrund von Flüchtlingsströmen in die Industrieländer: „Vor allem sollte jegliche aufkeimende Fremdenfeindlichkeit sorgsam beachtet werden, damit - auch mit Hilfe der Medien und aller Gestalter der öffentlichen Meinung - gegen blinde Angstgefühle und instinktive Abwehrreaktionen ein sachgerechter Realismus aufgeboten wird, der mutig genug ist, die Zeit des unbegrenzten Wachstums für beendet zu erklären und die Bevölkerung auf eine notwendige Beschränkung der Lebensmöglichkeiten für den Einzelnen vorzubereiten. Auf die Dauer wird sich kein wohlhabendes Land vor dem Ansturm so vieler Menschen, die wenig oder gar nichts zum Leben haben, abriegeln können. (...) Jeder muss seine eigene Einstellung zu den Ausländern in seiner Nähe überprüfen und sich im Gewissen Rechenschaft geben, ob er in ihnen bereits den Menschen entdeckt hat mit der gleichen Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, nach Ruhe und Sicherheit, deren Erfüllung wir für uns selbst so selbstverständlich beanspruchen.“
Begegnung mit Vertretern der Juden
Als „Herzensanliegen“ bezeichnete Papst Johannes Paul II. die Begegnung mit Vertretern der Juden im Dommuseum am Montag, 17. November, unter anderen mit Werner Nachmann, Vorsitzender des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland. Er wies auf das gemeinsame Erbe der beiden Religionen hin: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum.“ Weiter sagte er: „Tiefe und Reichtum unseres gemeinsamen Erbes erschließen sich uns besonders in wohlwollendem Dialog und vertrauensvoller Zusammenarbeit. Ich freue mich, dass dies alles hierzulande bewusst und zielstrebig gepflegt wird.“ Bei dem Dialog komme es in besonderer Weise darauf an, „dass die Christen - so die nachkonziliaren Richtlinien - danach streben, die grundlegenden Komponenten der religiösen Tradition des Judentums besser zu verstehen, und dass sie lernen, welche Grundzüge für die gelebte religiöse Wirklichkeit der Juden nach deren eigenem Verständnis wesentlich sind“.
Gottesdienst in Finthen
Der Gottesdienst in Mainz-Finthen am Tag zuvor (16. November 1980) war dem Thema Arbeitswelt gewidmet. In seiner Predigt betonte der Papst die Bedeutung der sozialen Frage: „Sie gehört unabdingbar zur Verkündigung des Evangeliums hinzu, besonders in der heutigen modernen Welt.“ Wörtlich sagte er: „In der Mitte aller Überlegungen in der Welt der Arbeit und der Wirtschaft muss immer der Mensch stehen. Bei aller geforderten Sachgerechtigkeit muss doch stets die Achtung vor der unantastbaren Würde des Menschen bestimmend sein, nicht nur des einzelnen Arbeiters, sondern auch ihrer Familien, nicht nur der Menschen von heute, sondern auch der kommenden Generationen. (...) Strukturelle Umgruppierungen mögen sich nach genauester Prüfung als notwendig erweisen, und je ehrlicher gesehen, desto besser. Niemals jedoch dürfen Arbeiter, die viele Jahre ihr Bestes gegeben haben, die allein Leidtragenden sein.“
Er thematisierte auch die Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums: „Selbst wenn wir es nicht wollen, werden wir durch die Entwicklung gezwungen, vom Anspruchsdenken abzurücken und auf manches zu verzichten, um die begrenzten Güter mit möglichst vielen Menschen friedlich zu teilen. Wenn das soziale Klima sich zu verhärten beginnt, so sind die kommenden Veränderungsprozesse nur in sachlicher Auseinandersetzung und in solidarischem Zusammenwirken aller zu bewältigen.“ Die rund 250.000 Pilger waren unter anderem mit rund 2.300 Bussen zu dem Gottesdienst angereist. Danach fand am Abend des ersten Besuchstages vor dem Mainzer Dom eine Begegnung mit polnischen Landsleuten statt.
Rund 1.000 akkreditierte Journalisten berichteten aus Mainz
Übernachtet hatte der Papst im Mainzer Bischofshaus am Rosengarten bei Kardinal Hermann Volk. Vom Bistum Mainz erhielt er ein Kreuz von Bischof Ketteler als Geschenk sowie eine Kopie vom Gnadenbild des Wallfahrtsortes Liebfrauenheide (bei Klein-Krotzenburg), wo Ketteler einige seiner berühmtesten Predigten gehalten hat. Am frühen Montagnachmittag verließ Papst Johannes Paul II. Mainz mit dem Hubschrauber in Richtung Fulda. Die Mainzer Polizei zog eine positive Bilanz der Mainz-Visite. Die Ludwigshafener Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ zitierte einen Polizeisprecher in ihrer Ausgabe vom 18. November 1980 mit den Worten: „Es war außergewöhnlich ruhig und selten ging es bei einer solchen Massenveranstaltung auch so beispielhaft diszipliniert zu.“ Über den Besuch in Mainz berichteten etwa 1.000 Journalisten, für die in der Rheingoldhalle ein Pressezentrum eingerichtet worden war. Für die Organisation war die damalige Leiterin der Bischöflichen Pressestelle, Ruth Baron, verantwortlich.
Der Mainzer Generalvikar Martin Luley bezifferte die Kosten für den Papstbesuch in Mainz in einem Interview mit dem Südwestfunk auf „etwas über vier Millionen D-Mark“, wie Helmut Ahrens in seinem Buch „Der Papst in Mainz“ (Verlag Dr. Hanns Krach, Mainz 1980) schreibt. Weiter heißt es bei Ahrens, Luley habe gleich beschwichtigt, „dass im Südwestraum, dem die Papstvisite zukommt, immerhin zehn Millionen Katholiken leben. Dies macht pro Kopf ja dann auch nur 50 Pfennige aus.“ Insgesamt habe der Deutschlandbesuch des Papstes etwa 20 Millionen D-Mark gekostet. Bei den Kollekten während der Reise sind etwa 30 Millionen D-Mark für die Menschen in der Sahel-Zone zusammengekommen.
Gute Erinnerungen an den Mainz-Besuch von 1980
Beim Besuch einer Mainzer Delegation in Rom mit Kardinal Volk an der Spitze erinnerte Papst Johannes Paul II. am 5. Juni 1982, dem 20. Jahrestag der Bischofsweihe von Kardinal Volk, an seinen Mainz-Besuch von 1980. Wörtlich sagte der Papst: „Ihre Bischofsstadt ist Mainz. Manche gute Erinnerung verbindet mich mit dieser alten und immer noch jungen Stadt. Eine Reihe von wichtigen Themen aus dem Leben der Christen und der Kirche hat meinen damaligen Besuch als Papst in Mainz geprägt: der arbeitende Mensch - die ausländischen Gruppe - die getrennten christlichen Brüder - die Juden. Darf ich diese bedeutsamen Bereiche christlichen Zeugnisses zusammen mit allen anderen Anliegen jener Reise der pastoralen Sorge jedes einzelnen von Ihnen ans Herz legen? Sie begegnen Ihnen ja sicherlich in ganz konkreter und eindringlicher Weise auch in Ihren Pfarreien und Dekanaten. So könnte der einmalige besondere Impuls, zu dem Sie und ich in jenem November des Jahres 1980 unseren Teil beigetragen haben, sich segensreich auswirken, weil er in vielfältigen sinnvollen Initiativen der Ortsgemeinden entschlossen aufgegriffen und ausgewertet wird. Das ist meine herzliche Bitte, die ich Ihnen mit auf den Weg in Ihre Heimat geben möchte. Grüßen Sie Ihre Mitbrüder und Ihre Gemeinden, grüßen Sie das ganze Bistum Mainz! Ihnen aber, verehrter Herr Kardinal, gilt mein herzlicher Glückwunsch zu Ihrem Bischofsjubiläum und mein Gebetsversprechen für Ihren weiteren Lebensweg. Sie alle begleite in Ihrem Dienst der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Der erste Besuch im Jahr 1974 führte zum Grab von Bischof Ketteler im Dom
Zum ersten Mal war Karol Wojtyla als Erzbischof von Krakau im September 1974 in Mainz. Anlass seines Deutschlandbesuches war das 50. Priesterjubiläum von Prälat Eduard Lubowiecki in Frankfurt. Lubowiecki war damals Generalvikar für die Polen in Deutschland. In einem Interview mit der Zeitschrift der Mainzer Universität „JOGU“ vom Oktober 1980 erinnerte sich der Moraltheologe, Professor Josef Georg Ziegler, vom Fachbereich Katholische Theologie an die Visite: „Bei dieser Gelegenheit machte er einen Abstecher nach Mainz, um das Grab des von ihm verehrten Sozialbischofs Ketteler im Dom zu besuchen. Anschließend traf er mit Professor Tadeusz Styczen und mit mir zusammen. Tadeusz Styczen übernahm für ihn die Vorlesungen auf seinem Lehrstuhl für Ethik an der Philosophischen Fakultät der Katholischen Universität Lublin. Er versah damals im Sommersemester 1974 eine Gastprofessur in Mainz. Zum Mittagessen im Berthier-Haus der Missionare von der Heiligen Familie in Bretzenheim wurde auch der Dekan des Fachbereichs Katholische Theologie, Herr Professor Theodor Schneider, zugezogen. Der Kardinal lud ihn und alle seine Kollegen nach Polen ein. Anschließend konnte ein Besuch bei Kardinal Volk vermittelt werden.“ Ziegler hatte im Jahr 1971 einen wissenschaftlichen Austausch zwischen Professoren des Fachbereichs Katholische Theologie der Gutenberg-Universität und sechs polnischen Partnerhochschulen initiiert.
Im Anschluss an den Besuch sagte Kardinal Wojtyla in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur vom 23. Oktober 1974 zu der Zusammenarbeit deutscher und polnischer Theologen: „Den philosophisch-theologischen Gedankenaustausch halte ich für unentbehrlich, da er ein wesentliches Element wissenschaftlicher Arbeit ist. Der Wissenschaftler muss offen bleiben für jeden schöpferischen Gedanken. Hier darf die Sprachbarriere kein unüberwindliches Hindernis sein, und nicht nur die Sprachbarriere.“ Und weiter: „Ich halte es auch für sehr wichtig, Standardwerke in Originalsprache lesen zu können. Nur so kann ihre Gedankenfülle ausgeschöpft werden. Anlässlich meiner Dissertation über den Glaubensbegriff des hl. Johannes vom Kreuz habe ich Spanisch gelernt, und bei meiner Habilitation, die insbesondere dem Werk Schelers galt, habe ich Deutsch gelernt. Ich habe also da meine Erfahrung.“ Geführt wurde das Interview von Ingobert Jungnitz, dem 1994 verstorbenen Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Bischöflichen Ordinariat Mainz.
1977: Ehrendoktorwürde des Katholischen Fachbereichs der Mainzer Universität
Am 23. Juni 1977 nahm Kardinal Wojtyla die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz entgegen. Die Universität ehre damit einen Wissenschaftler, „der dem Ethos der Wahrheit verpflichtet, der Theologie, insbesondere der Moraltheologie ebenso mutig wie umsichtig neue Wege aufgezeigt hat“, sagte Professor Josef Georg Ziegler in seiner Laudatio. Wojtyla bezeichnete die Ehrendoktorwürde als „eine Würdigung unseres Volkes und der Kirche in unserem Vaterland, eine Anerkennung der Wissenschaft und Kultur Polens“. Der Titel seiner Festvorlesung lautete: „Person: Ich und Gemeinschaft“. Die Auszeichnung erfolgte anlässlich der 500-Jahr-Feier der Universität. Bereits am 21. Juni 1977 hatte Wojtyla im Mainzer Dom einen Vortrag zum Thema „Christ sein im Licht des Zweiten Vatikanum“ gehalten.
Besuch als Mitglied einer polnischen Bischofsdelegation 1978 in Mainz
Nur drei Wochen vor seiner Wahl zum Papst (16. Oktober 1978) war Kardinal Wojtyla zum dritten Mal in Mainz. Er besuchte die Stadt am 24. September 1978 im Rahmen des ersten offiziellen Besuchs einer polnischen Bischofsdelegation in Deutschland, mit dem damaligen Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszynski von Warschau. Bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom mit rund 3.000 Gläubigen hielt Wojtyla die liturgische Begrüßung. Zuvor hatten die Bischöfe am Grab von Bischof Ketteler gebetet. Im Jahr davor hatte Kardinal Volk im Dienst der deutsch-polnischen Verständigung eine Polenreise mit Vorlesungen und Gottesdiensten in mehreren polnischen Städten unternommen.
tob (MBN)
Berichte
Beitrag zur Völkerverständigung
Kardinal Lehmann würdigte Arbeit bosnisch-kroatischer Ordensfrauen
Mainz. Als einen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen dem ehemaligen Jugoslawien und Deutschland hat der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, die 40-jährigen Dienste der bosnisch-kroatischen Schulschwestern des heiligen Franziskus im Bistum Mainz gewürdigt. Der Kardinal äußerte sich bei einer Feierstunde, die am Freitag, 1. April, in der Aula des Priesterseminars stattfand. Die Ordensfrauen sind unter anderem für die Haushaltsführung im Bischöflichen Priesterseminar in Mainz verantwortlich.
Dass die Schwestern vor 40 Jahren nach Deutschland gekommen seien, sei keine Selbstverständlichkeit gewesen, sagte Lehmann weiter. Angesichts der deutsch-jugoslawischen Geschichte hätten die Schwestern „einen wichtigen Schritt der Versöhnung“ getan. Ihre Arbeit sei eine „Völkerversöhnung im Kleinen“ gewesen. Der Kardinal dankte den Schwestern für ihre Dienste. Die Kirche lebe von ihrer Internationalität, unterstrich Lehmann: „Der Glaube aber vereint uns stärker als alles, was uns unterscheidet und trennt.“ Dies hätten die Schwestern mit ihrem Beispiel vorgelebt, hob der Kardinal hervor.
Zuvor hatte Lehmann gemeinsam mit den Mainzer Weihbischöfen Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr sowie Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann, dem Regens des Priesterseminars, Domkapitular Horst Schneider, und Subregens Henning Priesel ein Pontifikalamt in der Seminarkirche gefeiert. Bei der anschließenden Feierstunde in der Aula des Priesterseminars erinnerten die ehemaligen Subregenten, Geistlicher Rat Helmut Oberle und Dompropst em. Eckehart Wolff, an den Beginn der Arbeit der Schwestern in Mainz. Beide betonten, dass der Dienst der Schwestern „ein Segen“ für das Haus gewesen sei.
Schulschwestern des Heiligen Franziskus
Die Ordensfrauen stammen von der Kongregation „Schulschwestern des Heiligen Franziskus“, die etwa 140 Jahre alt ist. Das Mutterhaus der Kongregation ist in Rom, das Provinzhaus, dem die Mainzer Schwestern zuerst zugeordnet sind, liegt in Sarajewo. Derzeit gehören zum Mainzer Konvent im Bischöflichen Priesterseminar elf Schwestern. Fünf haben Aufgaben innerhalb des Hauses: in der Kirche, in den Kapellen, aber auch in der Küche und Waschküche sowie im Haushalt der Priester im Seminar. Zwei Schwestern sind im Bischofshaus für den Haushalt von Kardinal Lehmann zuständig. Drei Schwestern arbeiten in den kroatischen Gemeinden von Rüsselsheim, Mainz und Wiesbaden, eine Schwester ist als Stationsschwester im Katholischen Klinikum Mainz tätig.
Die bosnisch-kroatischen Schwestern arbeiten seit 1965 in Mainz. Bis 1965 versahen die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung den Dienst im Priesterseminar, die damals aber nicht mehr genügend Nachwuchs stellen konnten. Auf Initiative des damaligen Subregens, Eckehart Wolff, kamen die ersten fünf Schwestern aus Jugoslawien nach Mainz. Die damals junge Provinz hatte einen reichen Schwestern-Nachwuchs. Von den fünf Schwestern, die 1965 nach Mainz kamen, ist auch heute noch eine in Mainz: Schwester Blaczenka, die im Bischofshaus arbeitet. In den vergangenen 40 Jahren haben rund 50 Schwestern in Mainz gearbeitet.
am (MBN)
Unterstützung für den Dom
Das Unternehmen mainzkom spendet 2.500 Euro für die Restaurierung des Domes
Mainz. Die Firma mainzkom Telekommunikation hat 2.500 Euro für die Renovierung des Mainzer Domes gespendet. Der Geschäftsführer der mainzkom, Rainer Piroth, übergab am Mittwoch, 30. März, einen symbolischen Scheck an Domdekan Prälat Heinz Heckwolf. Heckwolf bedankte sich für die Spende. Er freue sich, dass das Unternehmen bereit gewesen sei, das Großprojekt Domrenovierung zu unterstützen, sagte Heckwolf. Das Geld werde für die aktuellen Renovierungsarbeiten verwandt.
Die Spende war durch eine Werbeaktion der mainzkom zusammengekommen. Das Unternehmen hatte im Februar dieses Jahres ein Werbeplakat an der Nordseite des Mainzer Domes aufhängen lassen. Für jeden durch diese Aktion entstandenen Neukundenvertrag spendete mainzkom zehn Euro für die Renovierung des Domes. Insgesamt kamen so 2.500 Euro zusammen.
am (MBN)
Arno Schilson verstorben
Der Theologe war seit 1985 Professor für Abendländische Religionsgeschichte
Mainz. Arno Schilson, katholischer Theologe und seit 1985 Professor für Abendländische Religionsgeschichte am Fachbereich Geschichtswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität, ist am Dienstag, 29. März, im Alter von 60 Jahren verstorben. Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten bildete das Werk Lessings und seine religionsgeschichtliche Forschung. In seinen Veröffentlichungen setzte er sich unter anderem mit der Darstellung religiöser Inhalte in den Medien und mit dem Phänomen einer vom Fernsehen inszenierten „Medienreligion“ auseinander.
tob (MBN)
Vorschau
Himmelsstriche (16.4.)
Ausstellung mit Werken der Malerin Charlotte Gillot im Haus am Dom in Mainz
Mainz. Am Samstag, 16. April, findet um 17.00 Uhr eine Vernissage mit Bildern der Malerin Charlotte Gillot im Haus am Dom in Mainz statt. In die Ausstellung, die unter dem Titel „Himmelsstriche“ steht, wird Alexander Hildebrand, Wiesbaden, einführen. Im Einladungstext schreibt Hildebrand zu den Werken Gillots: „Landschaft hat ein Gesicht. In einem Gesicht und in einer Landschaft sind Spuren hinterlassen. Ihre Landschaftsbilder beginnt die Malerin mit einem Himmel, eingedenk der Vorstellung, dass man nicht in den Himmel kommt, wenn man ihn nicht in sich hat. Wolken und Lichtreflexe finden ihr besonderes Augenmerk. Alles wird prägnant, im Grunde lapidar und kompositionell geschlossen formuliert. Oft dient das Lineare als ausdruckssteigerndes Element. Man kann Landschaft riechen und schmecken. Reiz und Lieblichkeit, in einem verhaltenen Eros kulminierend, senden die sanften Übergänge und fließende Grenzen aus. Eine tiefe Gewissheit hat die Malerin zu ihrer Landschaft entwickelt. Wenn sie nicht landeinwärts unterwegs ist, kann sie am Rhein entlanggehen, bis eine Szenerie mit charakteristischem Ambiente zeitlupenartig ihre unwiderstehliche Schönheit vorzeigt.“
Hinweise:
Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind montags bis mittwochs sowie freitags von 14.30 bis 17.30 Uhr, donnerstags von 16.30 bis 19.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 11.30 bis 16.00 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 6. Mai. Am 20., 28. und 29. April sowie am 4. Mai finden geschlossene Veranstaltungen statt. Kurzfristige Änderungen sind möglich.
Weitere Informationen beim Erbacher Hof, der Akademie des Bistums Mainz, Grebenstraße 24-26, 55116 Mainz, Tel.: 06131/257554 oder -551, Fax: 06131/257525, E-Mail: ebh.hausamdom@bistum-mainz.de
am (MBN)
Würde des Menschen (13.4.)
Die katholische Polizeiseelsorge Hessen lädt zur Polizeiakademie ein
Wiesbaden. Die katholische Polizeiseelsorge im Lande Hessen lädt am Mittwoch, 13. April, von 9.00 bis 16.30 Uhr im Roncalli-Haus Wiesbaden zu einer Polizeiakademie ein. Die Akademie steht unter der Überschrift „Polizei im Dienst der Menschenwürde. Von Sinn und Zielsetzung der Polizeiseelsorge“. In seinem Einladungstext schreibt Landespolizeidekan Geistlicher Rat Willi Heinrich Knapp, Darmstadt, dass die Gewährleistung und der Schutz der Menschenwürde die „vornehmste Aufgabe“ der Polizei sei.
Weiter heißt es: „Die sich aus diesem Auftrag ergebenden Schwierigkeiten für den einzelnen Polizisten dürfen nicht bei psycho-sozialen Techniken der Identitätsfindung und Befindlichkeitssteigerung stehen bleiben, sondern benötigen das pastorale Bemühen der Kirche und ihre Sorge um das Heil der Menschen. Zunehmend gefragt sind Orientierungshilfen und Sinnantworten in persönlich belastenden Spannungssituationen zwischen Gewissen und Gesetz, mit Ad-hoc-Entscheidungen (mit zum Teil irreversibeln Folgen) sowie ständige Konfrontation mit Kriminalität und Brutalität.“
Nach Begrüßung und Grußworten beginnt die Akademie mit einem Referat zum Thema des Tages von Weihbischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, Münster. Um 13.30 Uhr folgt ein Referat mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Erwartungen an die Polizeiseelsorge – Eindrücke aus der Empirie“. Es spricht Professor Hans Schneider, Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, Fachbereich Polizei.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind Prälat Dr. theol. h.c. Walter Seidel, Mainz, Landespolizeivizepräsident Günter Hefner, Landespolizeipräsidium, Professor Hans Schneider, Kriminaloberkommissarin Elvira Wildenhain, Personalberatung, Polizeipräsidium Mittelhessen, Polizeihauptkommissar Fred Langefeld, Diakon, Polizeipräsidium Nordhessen. Es moderiert Titus Möllenbeck, Bildungsreferent und stellvertretender Direktor der Akademie für politische und soziale Bildung der Diözese Mainz, Haus am Maiberg, Heppenheim. Die Akademie endet mit einer Schlussandacht.
Hinweis: Tagungsort ist das Roncalli-Haus in Wiesbaden, Friedrichstraße 26-28, Tel.: 0611/1740. Weitere Informationen zur Akademie bei Landespolizeidekan Geistlicher Rat Willi Heinrich Knapp, Tel.: 06151/56441, Fax: 06151/597675, E-Mail: buero.lpd.knapp@t-online.de, Telefon und Fax des Sekretariates: 06258/55399.
am (MBN)
Mitgliederversammlung (11.4.)
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit trifft sich im Haus am Dom
Mainz. Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit findet am Montag, 11. April, um 19.30 Uhr im Haus am Dom in Mainz statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Tätigkeitsbericht des Vorstandes durch den geschäftsführenden Vorsitzenden, Reinhard Goebel.
Hinweis: Weitere Informationen bei der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Augustinerstraße 34, 55116 Mainz, Tel.: 06131/78278.
tob (MBN)
„Gerechter Friede - Leben in einer gefährdeten Welt“ (7.-9.4.)
Teilnahme von Alois Bauer und Peter Schönhöffer an der Ökumenischen Konsultation
München/Mainz. Alois Bauer, Referent für Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat, und der Mainzer Missio-Referent Peter Schönhöffer, werden an der ökumenischen Konsultation „Gerechter Friede - Leben in einer gefährdeten Welt“ von Donnerstag, 7., bis Samstag, 9. April, teilnehmen. Das Treffen im Kardinal Döpfner-Haus in Freising findet zur Halbzeit der vom Weltkirchenrat ausgerufenen Dekade zur Überwindung von Gewalt auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK Deutschland) statt.
Die 160 Delegierten aus dem gesamten Bundesgebiet werden nach Angaben von Schönhöffer eine gemeinsame Perspektivagenda erstellen, „welche wie eine ‚Tagesordnung’ exemplarische theologische und sachliche Anliegen der unterschiedlichen Handlungsträger für die zweite Hälfte der Dekadenarbeit präzisieren und in ihrer Dringlichkeit erläutern soll“. Schönhöffer wirkt in der Arbeitsgruppe „Globalisierung als Herausforderung an die Kirchen: Kampf gegen Armut und Ausgrenzung“ mit; Bauer ist für die Arbeitsgruppe „Überwindung von Krieg und Terrorismus“ nominiert. Insgesamt wurden zwölf Arbeitsgruppen eingerichtet.
tob (MBN)
Diakonenweihe im Mainzer Dom (9.4.)
Weihbischof Werner Guballa weiht fünf Priesteramtskandidaten
Mainz. Am Samstag, 9. April, empfangen fünf Priesteramtskandidaten um 9.30 Uhr im Mainzer Dom durch die Handauflegung von Weihbischof Dr. Werner Guballa die Diakonenweihe. Die Diakonenweihe ist Teil der Ausbildung zum Priester, danach arbeiten die Diakone ein Jahr lang in einer Gemeinde mit, bevor sie dann zum Priester geweiht werden.
Die Kandidaten sind Kai Hüsemann (St. Pankratius, Offenbach-Bürgel), Daniel Jager (St. Josef, Gronau/Westfalen), Andreas Omphalius (St. Gottfried, Butzbach), Stephan Georg-Josef Weißbäcker (St. Peter und Paul, Dieburg) und Thomas Peter Winter (St. Nikolaus, Klein-Krotzenburg).
am (MBN)
Neuerscheinung / Besprechung
„Bonifatius in Mainz“
Erstmals Buch über den Heiligen aus Mainzer Perspektive
Mainz. Das gerade erschienene Buch „Bonifatius in Mainz“ widmet sich erstmals umfassend und interdisziplinär der Person des Heiligen aus Mainzer Perspektive. Bei einem Fototermin am Dienstag, 5. April, im Bischöflichen Ordinariat haben Dr. Barbara Nichtweiß, Leiterin der Abteilung Publikationen im Bischöflichen Ordinariat, und Dr. Annette Nünnerich-Asmus, Geschäftsführerin des Philipp von Zabern-Verlages ein Exemplar des Buches an Kardinal Lehmann überreicht.
Die reich bebilderten Aufsätze des Buches deuten alte Quellen neu, erhellen das Schicksal von Reliquien und Relikten oder legen unerforschte Spuren der Bonifatius-Verehrung offen. Eine Sammlung von Mainzer Originaltexten zu Bonifatius aus verschiedenen Zeiten enthält kaum bekannte Quellen und Dichtwerke, zum Teil erstmals in deutscher Übersetzung, darunter auch manche Kuriosa. Im Jahr 2004 wurde in Deutschland anlässlich seines 1250. Todestages das Bonifatius-Jubiläumsjahr begangen. Auch im Bistum Mainz wurde des großen „Apostels der Deutschen“, der acht Jahre lang Erzbischof in Mainz war, mit zahlreichen Veranstaltungen gedacht.
Kardinal Karl Lehmann erschließt in seinem Beitrag die Bedeutung dieses Heiligen für die Gegenwart. Weitere Autoren des Werkes sind Stephanie Haarländer vom Historischen Seminar der Universität Mainz, Felicitas Janson, Projektstelle Domführungen in Mainz, Linda Maria Koldau, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Frankfurt, Michael Ling, Stiftungsbeauftragter des Bistums Mainz, Barbara Nichtweiß und Mechthild Schulze-Dörrlamm, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz.
Hinweise:
- Barbara Nichtweiß (Hrsg.), Bonifatius in Mainz (Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz - Beiträge zur Zeit- und Kulturgeschichte der Diözese 2005). Verlag Philipp von Zabern und Publikationen Bistum Mainz 2005, 448 Seiten mit 47 Farb- und 93 Schwarzweiß-Abbildungen.
- Hardcover-Buchhandelsausgabe beim Verlag Philipp von Zabern Mainz, ISBN 3-8053-3476-1, 29,90 Euro.
- Broschurausgabe für das Bistum Mainz, ISBN 3-934450-18-0, 19,80 Euro.
- Bezug über den Infoladen des Bistums Mainz, Heiliggrabgasse 8, 55116 Mainz, Tel.: 06131/253-841, Fax: 06131/253-845, E-Mail: infoladen@Bistum-Mainz.de
tob (MBN)
„Die deutschen Mystikerinnen und ihr Gottesbild“
Buchbesprechung des dreibändigen Werkes von Bardo Weiß
Was durchgängig an diesem Opus magnum des Mainzer Dogmatikers auffällt, ist das Bemühen um exakte Klärung der Begriffe. Dies ist in Bezug auf alles, was Mystik genannt wird, auch dringend notwendig. Denn man verbindet damit überwiegend imaginär-irrationale und emotionale Vorgänge, denen man rein subjektive Befindlichkeit zu- und Klarheit der Begriffe abspricht. Außerdem wird der Begriff Mystik gegenwärtig inflationär für allerlei Psychospiele verwandt, die rein gar nichts mit dem zu tun haben, was Mystik ursprünglich meint. Durch eine sorgfältige Untersuchung der Schriften der Mystikerinnen des 12. und 13. Jahrhunderts für Klarheit gesorgt zu haben, ist das erste große Verdienst des Autors.
Zu oft verbindet man mit Mystik unverbindliche, verschwommene Aussagen über apersonale oder überpersonale Vorstellungen von Gott, die an dem Begriff selbst zweifeln lassen. Bardo Weiß macht von Anfang an deutlich und belegt dies tausendfach, dass der theologische Hintergrund der Mystikerinnen durchgängig die (von Jean Leclercq so genannte) Mönchstheologie der gleichen Zeit ist: „Man kann das Gottesbild dieser Frauen nur im Licht dieser Theologie verstehen“ (12). So dachte man in der Zeit, in der das scholastische Denken sich erst auszuformen begann, in den Klöstern über Gott. Die Gewährsleute für die Frauen waren Bernhard von Clairvaux, Isaak von Stella, Hugo und Richard von St. Viktor, Wilhelm von Saint-Thierry, das Trutperter Hohelied, Jean von Fécamp u.a. Schon bei diesen Autoren wurde eine Theologie vertreten, in der die Gotteserkenntnis zutiefst mit der Selbsterkenntnis verquickt war, bzw. jedes Reden von Gott unmittelbar auf das Subjekt des Menschen bezogen, oder die Gottesrede von der Beziehung auf den Menschen bestimmt war; objektivierendes Reden von Gott, in dem die Zuwendung Gottes zu den Menschen keine Rolle spielte, gab es kaum. Selbst in den uns abstrakt erscheinenden Reden von Gott blieb das Bewusstsein, persönlich mit Gott in Beziehung zu sein, als Konstitutivum lebendig. Aber diese Theologie war nicht subjektivistisch, sondern blieb bestimmt vom Glauben an den von uns zutiefst unterschiedenen, aber auf uns in Christus engstens bezogenen Gott. Bei den Frauen wie Hildegard von Bingen, Elisabeth von Schönau, Mechthild von Magdeburg, Gertrud von Helfta u.v.a. war die persönliche Verbundenheit mit Gott das prägende Merkmal ihrer Vorstellungen und Lebensformen. Man kann geradezu von einer mystischen Korrespondenz zwischen Gott und Mensch sprechen. Die nüchterne und ehrliche Untersuchung des Offenbarungsanspruchs ihrer Äußerungen stellt sich darum als eine zentrale Aufgabe. Ein wissenschaftlicher Beweis lässt sich natürlich nicht führen. Vielmehr wird durchgängig deutlich, dass die untersuchten Texte von Erfahrungen der Frauen ausgehen, die jenseits jeder wissenschaftlichen Analyse einer geistigen Tiefenschicht des Menschen angehören, an die menschliches Reflektieren und Sprechen kaum heranreichen; es bleibt dann nur die Metapher. Es geht eben um geistige Erkenntnis, die nur selten mit sinnlichen Erfahrungen einhergeht, aber die Frauen zutiefst prägt; die Fähigkeit zur Verständigung über das Erlebte und Erkannte blieb schon damals, erst recht heute begrenzt. Bardo Weiß geht die Interpretation der Texte dennoch mit einer genauen, am Wort und am Sinnkontext orientierten Analyse ihrer Struktur an und unterscheidet sorgfältig die verschiedenen Ebenen des Geschehens und der Mitteilung.
Eine unglaubliche Fülle von Materialien wurde durchgearbeitet. So kam auch ein Reichtum an innerer Erfahrung zum Vorschein, der zugleich einen Reichtum des Menschseins erkennen lässt, vor dem wir nur staunen können. Der Autor hat sich aber nicht im Vielerlei der Vorstellungen verloren, sondern eine klare Ordnung in Begriffen gesucht. Darin liegt die Stärke des Werkes als eine Fundgrube, die auch der Klärung eigener Vorstellungen dienlich ist. Denn in den Äußerungen der Mystikerinnen taucht eine Fülle von Begriffen und Konnotationen über Gott auf und macht den Reichtum der Weisheit dieser Frauen deutlich. Das Ternar „Macht, Weisheit, Güte“ Gottes (im Sinne wechselseitiger Implikation) ragt besonders hervor und bildet den roten Faden. Die Attribute und Bezeichnungen für Gott gruppieren sich in fünf Themenbereichen, an denen sich die Disposition der Bände orientiert:
1.Die Erkennbarkeit und Aussprechbarkeit des Wesens Gottes
2.Attribute Gottes
3.Bezug zur philosophischen Gotteslehre
4.Ternar: Macht, Weisheit, Güte Gottes
5.Schönheit und Reinheit Gottes.
Noch nicht untersucht wird das Verständnis von der Dreifaltigkeit Gottes, Schöpfung und Erlösung. Jedes Themenfeld ist in mehrere Kapitel untergliedert, die sich auf bestimmte Begriffe (z.B. Allmacht Gottes) beziehen. In strenger werkimmanenter Interpretation und mit zahlreich zitierten Aussagen (in lateinischen und muttersprachlichen Texten samt Übersetzung) wird die ganzheitliche Erfahrung mit Gott umrissen. Unzählige Orte des Sprachgebrauchs werden aufgesucht und der Kontext mitbedacht; die Texte der Frauen werden im Blick auf die Begriffe gewissermaßen quergelesen. Die Individualität der einzelnen Frauen bleibt dabei durchgängig gewahrt. Zuweilen werden andere Ansätze der Gottesrede (z.B. Pseudo-Dionysius Areopagita) herausgearbeitet. In jedem Kapitel werden zuerst relevante Aussagen der Mönchstheologen angeführt und daran die Texte der Frauen angeschlossen; Zusammenhänge mit der Hl. Schrift sind immer mitgedacht. Die Theologie der Mystikerinnen gewinnt so deutliche Konturen. Es wird auch genau abgewogen, welchen Stellenwert die Begriffe bei den Autoren jeweils haben. Abstrakte Begriffe bekommen durch die biographische Bedeutung eine lebendige Gestalt. Alle Begriffe werden oft so miteinander verflochten, wie es uns aus der Kombinatorik von Raimundus Llullus bekannt ist. Das Werk bekommt dadurch den Charakter einer erklärenden Konkordanz oder eines Nachschlagewerks, in dem der Leser für sein eigenes Gottesbild mannigfache Klärung finden kann. Besonders wertvoll sind die Zusammenfassungen, die das Bedeutungsspektrum der Begriffe verdeutlichen.
Begriffe mit negativem Klang wie „Gewalt“ werden von ihrem heilsgeschichtlichen Kontext her erläutert: Es geht um die überwältigende Wirkung göttlichen Handelns, die ausschließlich auf die Überwindung des Bösen angelegt ist. Die Rede von der Allmacht Gottes, die vielen Menschen Probleme macht, wird kritisch abwägend in ihrer konstruktiven Bedeutung verdeutlicht: „Meist ist diese Eigenschaft nicht etwas, vor dem man Angst haben muss, sondern gerade das, worauf man seine Hoffnung setzt. Die Güte und Liebe in Gott sind nicht im Gegensatz zu seiner Macht zu sehen“ (817). Am Ende des Werkes gibt der Autor Hinweise darauf, was wir heute davon lernen können. Dabei wird besonders die Frage der Personalität Gottes, ohne die die Gottesvorstellungen der Frauen nicht denkbar sind, und die Theodizeefrage thematisiert. Man legt das Werk von Bardo Weiß mit großer Bewunderung für diese riesige Interpretationsleistung, die ihresgleichen sucht, aus der Hand. Aber für die Klärung des eigenen Gottesbildes behält es weit über die historische Klärung der Theologie der Mystikerinnen hinaus hohe spirituelle Bedeutung.
Hinweis: Bardo Weiß, Die deutschen Mystikerinnen und ihr Gottesbild. Das Gottesbild der deutschen Mystikerinnen auf dem Hintergrund der Mönchstheologie. 3 Bände. Paderborn: F. Schöningh Verlag 2004. 2266 Seiten, gebunden, 294,00 Euro.
Rudi Ott