Arbeitsbeispiele der Kirchlichen Denkmalpflege

 

Die kirchliche Denkmalpflege muss bei ihrer Arbeit stets zwei Aspekte berücksichtigen. Zum einen den historischen und künstlerischen Wert eines Denkmals und zum andern dessen praktische Nutzung durch die Gemeinde. Das Gotteshaus als benutzbarer Raum soll zuerst für den Menschen da sein und ihm die Begegnung mit Gott ermöglichen. In seiner Eigenschaft als Denkmal besitzt der Kirchenbau darüberhinaus identitätsstiftende und traditionswahrende Funktionen, die es im Hinblick auf nachfolgende Generationen zu erhalten gilt. Ein ausgewogenes und verantwortungsbewusstes denkmalpflegerisches Konzept enthält daher Maßnahmen, die stets individuell auf den jeweiligen Kirchenbau oder das Einzelobjekt (Skulpturen, Ausstattungsstücke, Geräte etc.) zugeschnitten sind.

Rekonstruktion einer historischen Raumfassung -  St. Martin in Ober-Olm

Die katholische Pfarrkirche St. Martin in Ober-Olm ist ein qualitätvolles neugotisches Bauwerk. Die ehemals reiche Ausmalung war lange Zeit nicht zu sehen, denn bei der letzten Innenrenovierung in den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie mit einer Dispersionsfarbe weiß überstrichen. Der Raumeindruck war dementsprechend kalt und abweisend und entsprach in keiner Weise der architektonischen Qualität des Kirchenbaus. Als sich 1995 die Pfarrei zu einer neuen Innenraumgestaltung entschloss, veranlasste die kirchliche Denkmalpflege restauratorische Untersuchungen. Diese ergaben, dass der Anstrich des 19. Jahrhunderts noch weitgehend vorhanden war, aber so stark beschädigt, dass eine Freilegung der Malereien nicht möglich gewesen wäre. Für die Gemeinde bedeutete eine Wiederherstellung der alten ornamentalen Ausmalung einerseits einen erheblich angenehmeren Raumeindruck andererseits aber auch die Rückbindung an die Geschichte "ihrer" Pfarrkirche. Die Entscheidung der kirchlichen Denkmalpflege für eine Rekonstruktion des historischen Zustandes war im Falle von St. Martin die richtige, da man sich bei der farblichen Gestaltung an die originalen Befunde halten konnte und die ornamentalen Formen zudem durch alte Fotodokumente gesichert vorlagen. Dem heutigen Besucher präsentiert sich der Innenraum von St. Martin wieder in seiner prächtigen Farbigkeit mit partiellen Vergoldungen, und der reichen ornamentalen Gestaltung ganz im Sinne der Neugotik des 19. Jahrhunderts.

Außensanierung und Neue Erkenntnisse -             St. Paul in Worms

Zwischen 1999 und 2003 führte die kirchliche Denkmalpflege am Außenbau der ehemaligen Stiftskirche St. Paul in Worms - einem überregional bedeutenden Bauwerk, das kurz nach 1000 von Bischof Burchard gegründet wurde - restauratorische Maßnahmen durch. Die beiden Flankentürme des Westbaus waren im Laufe der Zeit ihres Verputzes verlustig gegangen und sollten nun wieder einen neuen Außenputz erhalten. Die eigentümlich gestalteten Tuffsteinkuppeln wiesen dagegen eine zementgebundene Putzschale auf - ein Überbleibsel früherer "restauratorischer" Eingriffe - die sich jedoch negativ auf die Bausubstanz auswirkte. Diese musste zunächst entfernt werden, bevor ein neuer verträglicher Kalkputz aufgebracht werden konnte. Im Zuge dieser Außensanierung wurden zudem umfangreiche dendrochronologische Untersuchungen der hölzernen Kuppelkonstruktion vorgenommen, die überraschende Ergebnisse zur bislang umstrit-tenen Datierung der orientalisch anmutenden Turmhelme erbrachten. Die Forschungen von Dom- und Diözesankonservator Dr. Hans Jürgen Kotzur, die die historischen Fakten und die neu gewonnenen naturwissenschaftlich abgesicherten Daten zusammenbringen, bieten eine überzeugende Lösung des Rätsels um die sogenannten „Heidentürme“. Diese an verschiedenen Kirchen in Rheinhessen zu beobachtenden Turmhelme entstanden offenbar unmittelbar nach dem ersten Kreuzzug - vermutlich als lebendiges Abbild der Grabeskirche in Jerusalem.

Die Nachempfindung eines historischen Raumeindrucks -                                              St. Aureus und Justina in Bingen-Büdesheim

Das westliche Langhaus der Pfarrkirche von Bingen-Büdesheim wurde 1756 errichtet, während der basilikale Ostbau einer Maßnahme zur Vergrößerung des Kirchenraumes im Jahre 1865 zu verdanken ist. Im Zusammenspiel dieser beiden aus verschiedenen Epochen stammenden Architekturen entstand eine eindrucksvolle Anlage mit imposantem Innenraum. Die ehemals überaus reiche ornamentale und figürliche neoromanische Ausmalung wurde im Zuge zweier Renovierungsmaßnahmen 1953 und 1973 mit Dispersionsfarbe übertüncht. Seither bot der Innenraum einen kalten und leeren Eindruck und die Architektur erhielt einen völlig veränderten Charakter. Die Rekonstruktion des Originalzustands bot sich in diesem Falle nicht an. Ob aus Mangel an brauchbaren Befunden oder begrenzten finanziellen Mitteln, muss häufig auf alternative denkmalpflegerische Maßnahmen zurückgegriffen werden. Bei der Neufassung des Innenraumes entschied man sich daher für die Nachempfindung eines historischen Raumeindrucks, der aber nicht den Versuch einer Nachahmung oder gar Rekonstruktion macht: Die Wände erhielten eine mit dem Schwamm aufgetragene gemalte Quaderung in einem warmen Rötelton, der sich bewusst von historischen Vorbildern unterscheidet, dabei aber das alte Gliederungssystem von Langhaus und Chor wieder optisch plausibel vermittelt. Als Reminiszenz an die ursprünglich ornamentale Raumfassung erhielt der Hintergrund der Tabernakelstele eine Teppichmalerei, wohingegen die Nischenwand hinter dem Taufbecken durch eine Wandmalerei aus heutiger Zeit bereichert wurde. Durch den ausgewogenen Einsatz von historisch anmutenden und modernen Gestaltungselementen wurde in St. Aureus und Justina ein formalästhetisch höchst überzeugender Innenraum geschaffen. » Zu den Bildern

Moderne christliche Kunst im Kirchenraum -         Die Neue Pfarrkirche in Steinheim

Die stattliche Pfarrkirche „Maria Hilfe der Christen“ in Steinheim ist ein Bau der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie wurde 1931-1940, mit einer Bauunterbrechung, nach den Plänen der Offenbacher Architekten Karl Müller und Fritz Bossert errichtet. Wirkungsvoll erhebt sich die aus Basaltbruchsteinen gemauerte Architektur, deren mächtiges Mittelschiff von zwei schmalen gangartigen Seitenschiffen begleitet wird. Der zurückhaltenden Gestaltung am Außenbau entspricht der einfache, mit einer Holztonne gedeckte Innenraum, der lediglich vom Kontrast zwischen Holzteilen und verputzten, einfarbig gestrichenen Wänden lebt. Erst in der Nachkriegszeit wurde der Chor mit einer Darstellung des thronenden Christus ausgemalt. Nach einer Außensanierung wurde im Jahre 2000/2001 auch der Innenraum umfassend renoviert. Dabei galt es für die kirchliche Denkmalpflege eine gestalterische Lösung für die formalästhetisch höchst unbefriedigende Chorwand zu finden. Die Entscheidung fiel zugunsten eines groß dimensionierten Wandgemäldes (114m²) mit der Darstellung eines Christus Pantokrator, flankiert von Maria und Johannes dem Täufer (Deesis). In bemerkenswerter Weise realisierte die Darmstädter Künstlerin Wanda Stockwisz in dem die ganze Chorwand ausfüllenden Apsisgemälde ihre Interpretation byzantinischer Vorbilder. Die im Chorbild dominanten Farben Rot und Gold setzen sich auf dem Triumphbogen fort und fokussieren den Blick des Besuchers auf das liturgische Zentrum, das zudem um neue Ausstattungsstücke bereichert wurde. Das Ergebnis dieser Innenrenovierung ist ein eindrucksvoller und feierlicher Raum. » Zu den Bildern

Komplette Neuausmalung eines Innenraums -      St. Ludwig in Darmstadt

Beschränkte sich die Neugestaltung in Steinheim nur auf den Chorbereich, so wurde in der Ludwigskirche in Darmstadt der gesamte Innenraum völlig neu ausgemalt. Der ursprünglich klassizistische Rundbau des frühen 19. Jahrhunderts, der nach den Bombardements des 2. Weltkriegs weitgehend zerstört wurde, war in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut und mit einer Ausstattung der 50er Jahre versehen worden. Die bisherige Farbigkeit im Innern war durch helle Grautöne bestimmt, die den riesigen Raum unter der weitgespannten Kuppel karg und abweisend wirken ließen. Eine notwendig gewordene Innenrenovierung bot die Gelegenheit, mit einer neuen farbigen Raumfassung alle architektonischen Teile optisch zusammenzubinden und den Raumeindruck wesentlich zu verbessern. Das neue Gestaltungskonzept setzt die Kuppel in ein kräftiges Blau, das nach oben hin immer lichter wird, wodurch sie an Plastizität gewinnt. Die Wände des Umgangs wurden in einem Rotton gestrichen, der sich von den grau marmorierten Säulen deutlich absetzt. Dadurch wird die Umgangswand als Raumabschluss kenntlich und die Zweischaligkeit des Zentralbaus betont. Die neue Ausmalung manifestiert sich als Kunstwerk des 21. Jahrhunderts, ohne Grundprinzipien des Klassizismus zu verletzen. Die in der Architektur angelegte Pracht und Festlichkeit wird nun auch im Inneren von St. Ludwig erfahrbar. » Zu den Bildern

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Kirchliche Denkmalpflege


St. Martin in Ober-Olm

Nach Befund neu gefasster Innenraum der Pfarrkirche St. Martin in Ober-Olm

A. König Bild im Originalformat anzeigen
Nach Befund neu gefasster Innenraum der Pfarrkirche St. Martin in Ober-Olm

St. Martin in Ober-Olm - Blick in das neu gefasste Gewölbe

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St. Martin in Ober-Olm - Blick in das neu gefasste Gewölbe


St. Paul in Worms

St. Paul in Worms - Südturm vor der Sanierung

Dominikanerkloster St. Paul, Worms Bild im Originalformat anzeigen
St. Paul in Worms - Südturm vor der Sanierung

St. Paul in Worms - Südturm nach der Sanierung mit neuem Verputz

SENSUM Graphikbüro Wiesbaden
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St. Paul in Worms - Südturm nach der Sanierung mit neuem Verputz


St. Aureus und Justina in Bingen-Büdesheim

Pfarrkirche St. Aureus und Justina vor der Neufassung

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Pfarrkirche St. Aureus und Justina vor der Neufassung

Pfarrkirche St. Aureus und Justina mit neuer Raumfassung

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Pfarrkirche St. Aureus und Justina mit neuer Raumfassung

Blick ins Seitenschiff mit neu gestalteter Nische für das Taufbecken

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Blick ins Seitenschiff mit neu gestalteter Nische für das Taufbecken


Maria Hilfe der Christen in Steinheim

Pfarrkirche 'Maria Hilfe der Christen' in Steinheim vor der Neugestaltung

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Pfarrkirche "Maria Hilfe der Christen" in Steinheim vor der Neugestaltung

Die Marienkirche mit neu gestalteter Chor- und Triumphbogenwand

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Die Marienkirche mit neu gestalteter Chor- und Triumphbogenwand


St. Ludwig in Darmstadt

Der Innenraum der Ludwigskirche vor der Umgestaltung

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Der Innenraum der Ludwigskirche vor der Umgestaltung


Blick in den neu gefassten Innenraum von St. Ludwig

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Blick in den neu gefassten Innenraum von St. Ludwig

Blick in die neu gefasste Kuppel

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Blick in die neu gefasste Kuppel