Thilo Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab: wie wir unser Land aufs Spiel setzen"
Rezension von Christoph Holzapfel in "medienprofile", hrsg. von St. Michaelsbund und Borromäusverein
Sarrazin, Thilo:
Deutschland schafft sich ab : wie wir unser Land aufs Spiel setzen / Thilo Sarrazin. - 8. Aufl. - München : Dt. Verl.-Anst., 2010. - 461 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-421-04430-3 fest geb. : 22,99 €
Thesen zur Sozial- und Bevölkerungspolitik, die Aufsehen erregten
Der Mann hat Mut: Thilo Sarrazin spricht aus, was viele Deutsche zu denken scheinen, aber kaum einer zu sagen wagt: Die Deutschen werden weniger, sie werden dümmer und es droht eine muslimische Überfremdung. Was nach Satire klingt, ist tatsächlich die Essenz des gut 400 Seiten starken Werkes. Seine Schreckensvision im letzten Kapitel: Deutschland verarme, 2050 hätte mehr als die Hälfte der Oberbürgermeister "einen türkischen, arabischen oder afrikanischen Migrationshintergrund", die sich für den Erhalt geschichtsträchtiger Kulturdenkmäler nicht mehr interessierten (S. 401). Mit Verweis auf Statistiken, Umfragen und unzählige Belege in anderen Publikationen versucht er, seine Thesen zu belegen, unter ihnen auch die von der erblichen Intelligenz, die - wie viele andere auch - als widerlegt gelten muss. Sarrazins Buch kommt mit wissenschaftlichem Anspruch (Sprache, Tabellen, Anmerkungen, Literaturverzeichnis) daher und bleibt doch eher auf Stammtischniveau. Die Stichhaltigkeit seiner Berechnungen, seiner Verweise auf die Untersuchungen anderer und seine Argumente kann nur überprüfen, wer sich mit den vielen von Sarrazin angerissenen Themen auskennt: Genetik und Intelligenzforschung, Bevölkerungsstatistik, Bildungswesen, Zuwanderung und Sozialpolitik. Deshalb kann man getrost davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der mehr als 650.000 Käufer dieses Buches über das erste Kapitel hinaus gekommen ist. Für Katholische öffentliche Büchereien scheint eine Anschaffung daher nur sinnvoll, um das Informationsbedürfnis der Leserinnen und Leser zu befriedigen.
Oktober 2010
Mehr Info zum Thema finden Sie zum Beispiel auf der Internetseite "medienprofile" des Borromäusvereins Bonn:
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