Dan Browns „Sakrileg“ - Pro und Contra

 

Jetzt ist der Film "Da Vinci Code" im Kino zu sehen. Millionen, die das dazugehörige Buch unter dem Titel "Sakrileg" verschlungen haben, freuen sich. Andere glauben, dass Buch und Film boykottiert werden sollten. Wieder andere finden das Buch einfach platt.

Zur Sache:

  • "Sakrileg" bedeutet "Religionsfrevel".
  • In dem Historien-Thriller von Dan Brown geht es um eine finstere Verschwörung in der katholischen Kirche. Diese halte das Wissen geheim, dass Jesus Christus mit Maria Magdalena ein Kind gezeugt habe.
  • Das Buch ist weltweit rund 48 Millionen Mal verkauft worden.

Hier die Stellungnahme von Katharina Dörnemann:

Um es vorweg zu sagen: Ich bin Krimifan und habe nichts gegen gut gemachte Unterhaltungsliteratur. Doch Sakrileg ist in meinen Augen einfach nur ein schlechtes Buch.

Ein Bestseller ist selten ein literarisches Meisterwerk, aber Brown bewegt sich sprachlich an der unteren Trivialitätsgrenze, Typen und Ortsbeschreibungen bedienen so ziemlich jedes denkbare Klischee. Was die Behauptung, alle Kunstwerke seien "wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben" wert ist, zeigt sich z.B., wenn ein ausführlich beschriebenes Leinwand – Gemälde im Louvre jedoch ein auf Holz gemaltes Altarbild ist. Und unabhängig von dem von Ungenauigkeiten und Halbwahrheiten strotzenden Theoriegemisch, das die professoralen Protagonisten Seite um Seite darbieten, sind etliche für die Krimihandlung wichtige Details einfach unlogisch. Hinzu kommt, dass Brown von Christentum keine Ahnung hat: so wird 'Christus' im Wechsel mit 'Jesus' als historischer Eigenname verwendet, von Auferstehung ist überhaupt nicht die Rede. Dafür wird die ominöse 'Blutlinie' der direkten Nachkommenschaft Jesu wieder einmal als brisante Enthüllung präsentiert, als ob diese schon oft bemühte Spekulation die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern könnte. 

Natürlich kann ein Autor in einem Roman behaupten, was immer er will, das ist eine Grundvoraussetzung für Literatur. Doch sollte auch ein Phantasiegebäude eine gewisse innere Logik aufweisen und 'Fakten', die suggerieren, sie seien redlich recherchiert, sollten nicht beliebig zurechtgebogen werden. 

Ein Christ wird sich durch diesen Unsinn wohl kaum in seinem Glauben erschüttern lassen. Was ist aber mit den Vielen, die offenbar Browns (kirchen-) historische Kenntnisse für fundiert halten und ihr Unbehagen an einer als machtgierigen und frauenfeindlich empfundenen Kirche hier wissenschaftlich untermauert sehen ? Ich glaube, jede Warnung vor Buch oder Film wertet in den Augen dieser Skeptiker den Inhalt nur auf.

Natürlich gibt es für Kath. Öffentliche Büchereien keine 'Weisung' für den Umgang mit Sakrileg (oder irgendeinem anderen Buch). Generell sollte die Qualität eines Buches das Kriterium für die Anschaffung sein, doch halte ich es ebenso für ein legitimes Argument, jedem Leser/in die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Urteil zu bilden.

 

Die eigentliche Herausforderung ist, auf die generelle Kirchenskepsis zu reagieren, mit der Sakrileg ja so offensichtlich den Zeitgeist trifft. Wenn es gelingt, über das Kirchenbild ins Gespräch zu kommen und so ein Gegenbild zu zeichnen, dann hat die Debatte um Brown und seine Thesen ja wenigstens etwas Gutes. Und für Gespräche über Bücher sind Büchereien auf jeden Fall ein guter Ort.

Katharina Dörnemann arbeitet in der Fachstelle für katholische Büchereiarbeit im Bistum Mainz. Der Artikel ist in leicht gekürzter Form zuerst erschienen in der Kirchenzeitung für das Bistum Mainz, Glaube und Leben, Ausgabe 20 vom 21. Mai 2006.

Mehr Info zum Thema finden Sie zum Beispiel beim Borromäusverein.
Link zum Borromäusverein...

Obigen Text "Dan Browns „Sakrileg“ - Pro und Contra hier zum Download (pdf, 24 KB)

 

 

 

Cover Dan Brown Sakrileg