Mit einem riesigen Pressetross begleiteten die Medien die römischen Kardinalsfeiern

Rom. Das von Papst Johannes Paul II. einberufene Konsistorium zur Kreierung von 44 neuen Kardinälen am Mittwoch und Donnerstag, 21./22. Februar, in Rom war auch ein riesiges Medienereignis. Kein Wunder also, dass die neuen Eminenzen passend zur Eurovisions-Fanfare auf den Petersplatz marschierten. Zu den ohnehin 400 ständigen Korrespondenten in Rom akkreditierten sich beim Presseamt des Vatikan weitere 250 Journalisten, 180 Radioleute, 74 Kamerateams und 40 Fotografen für das Konsistorium.

Schon seit dem römischen Überraschungscoup vom 28. Januar rätselten die Berichterstatter besonders über das Wieso und Warum der plötzlichen Kardinalsernennung des Mainzer Bischofs Karl Lehmann. Jedes Detail erhielt hohe publizistische Aufmerksamkeit. Wo immer der angebliche "Rebell aus Deutschland" während der Feiern in Rom auftauchte, schleppte sich ein internationaler Journalistentrupp hinterher. Für den "Corriere della sera" ist Lehmann bereits der "wahre Star des Konsistoriums". Auch während der zweieinhalbstündigen Gratulationscour in der Benediktionsaula des Vatikanpalasts zwängten sich die Medienleute in die dichte Menschentraube um den Mann im knallroten Talar.

Schon am Wochenende vor der Romreise und auch nach der Rückkehr wurden im Mainzer Bischofshaus ständig Kabel aus- und eingerollt, Scheinwerfer justiert und Mikrophone postiert: Fototermine, Interviews für die Mainzer Zeitungen und den regionalen Hörfunk, Gespräche mit der "Frankfurter Sonntagszeitung", Associated Press und dem Südwestrundfunk. Hintergründiges und Vordergründiges. Die ZDF-Reporter begleiteten den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ohnehin auf Schritt und Tritt für ein Filmportrait am Tag des Konsistoriums. Ein ähnliches Bild auch in der römischen Unterkunft und bei den zwei extra angesetzten Presseempfängen. Das italienische ARD-Studio funkte Lehmanns Äußerungen nach Deutschland, die BBC verbreitete ihr Interview mit dem Kardinal gleich auf allen Kontinenten. Ted Turners Endlosnachrichten CNN fingen ruhigere Bilder in San Saba ein während des ersten Gottesdienstes Lehmanns nach dem Konsistorium.

Der Mainzer Bischof drängte sich nicht ins Scheinwerferlicht. Unterm Strich hat er letztlich dennoch mehrere Dutzend Statements abgegeben - neben dem offiziellen Mammutprogramm und privaten Begegnungen. Geduldig und freundlich wiederholte der erfahrene Gesprächspartner, der 1983 als erster deutscher Bischof im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert wurde, nicht nur bei den zwei extra angesetzten Pressemeetings zigmal: Nein, Ratzinger sei kein Intimfeind. Den Papstrücktritt habe er nie gefordert. Er kenne auch nicht den Grund, der ihn letztlich unter den Kardinalshut gebracht hat.

In der sonst so ruhigen Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl lieferten sich Tontechniker kleine Gefechte mit langen Mikrofonstangen und Kameraleute rempelten sich gegenseitig an beim Kampf um die vorderen Plätze. Die geballte Medienmacht von Hörfunk, Fernsehen und Zeitungen überrollte das vornehme Anwesen, wo sonst diskrete Diplomatie getrieben wird. Kein Durchkommen mehr beim Empfang der vier deutschen Kardinäle durch den Außenminister. Fischer und die Purpurfarbenen entschlüpften der Medienschlacht nach nur knappen Erklärungen durch die Hintertür Richtung Botschaftsgarten. Doch schnell reagierte der Journalistenpulk. In wenigen Augenblicken umringen mehrere Reihen aufmerksamer Zuhörer erneut die kleine Runde beim Gedankenaustausch auf dem Rasen.

Für Lehmann ist ein solcher Rummel mittlerweile nichts Neues mehr. Nicht erst seit der Abtreibungsdebatte ist er gefragt bei den Medien, die ihn kurzerhand als "progressiv" oder "liberal" eingestuft haben. Begriffe, mit denen der Kardinal wenig anfangen kann. "Es kommt mir darauf an, dass man sich von der modernen Welt herausfordern lässt und den Dialog mit ihr nicht verweigert." Aber dies mit einem eigenen, festen und klaren Standpunkt. Wenn das liberal sei: Okay. Punktlandung für den Bischof, der schon für eine Fernsehsendung einen Jumbo nach Rom gesteuert hat. Im Flugsimulator. Als Kardinal wird er sicherlich noch häufiger ganz real am Tiber landen müssen. (Bns)