Allgemeines zum Mainzer Dom
1. Einführung
Der Mainzer Dom ist als Kathedrale und Bischofskirche der geistliche Mittelpunkt des Bistums Mainz. Unter dem Patronat des heiligen Martin von Tours versammeln sich hier seit mehr als 1000 Jahren die Gläubigen der Stadt und des Bistums Mainz zusammen mit dem Bischof von Mainz und dem Domkapitel, um als lebendige Kirche Zeugnis zu geben für den christlichen Glauben.
Im Dom verkündet der Bischof als Lehrer im Glauben das Wort Gottes und weiht einmal im Jahr die heiligen Öle, die bei der Spendung der Sakramente Zeichen des Heiles sind. Hier im Dom vollziehen der Bischof oder die Weihbischöfe die Weihe an neuen Diakonen und Priestern und beauftragen auch andere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Seelsorge mit ihren Diensten.
Im Dom finden aber nicht nur Gottesdienste, sondern auch geistliche Konzerte, festliche Versammlungen und öffentliche Vorträge statt. Täglich wird er ebenso von Menschen besucht, die einen Augenblick der Stille und des Gebetes suchen, als auch von unzähligen Touristen aus dem In- und Ausland.
2. Die Geschichte
Kurz nach 975 n.Chr. ließ Bischof Willigis mit dem Bau des Domes beginnen. Das geplante Gebäude war so groß, daß damals alle Christen der Stadt in ihm Platz gefunden hätten.
Der Anlaß für diesen Bau bestand aber nicht in einem Raummangel, sondern hatte viel mehr kirchenpolitische Gründe: Der doppelchörige Dom des Erzbischofs von Mainz und Kanzlers des Reiches sollte der Staatsdom des Reiches werden. Doch er konnte die Verwirklichung seiner Idee nicht mehr erleben: am Tage der Einweihung im Jahr 1009 vernichtete ein Brand den stolzen Bau.
Erst der zweite Nachfolger des heiligen Willigis, Erzbischof Bardo, vollendete den Wiederaufbau in etwas verwänderter Gestalt und weihte ihn im Beisein des Kaisers 1036 ein. In den folgenden beiden Jahrhunderten wurde der Dom jedoch noch mehrfach von Bränden und kriegerischen Unruhen beschädigt, so dass erst am 4. Juli 1239 - dem heutigen Kirchweihfest - auch das Westwerk des Doms eingeweiht werden konnte.
Dank dieser langen Baugeschichte spiegelt sich im Mainzer Dom die Entwicklung im Baustil der Romanik: der Unterschied zwischen der schlichten und monumentalen Bauweise zur Zeit der ottonischen Kaiser im Ostchor und der reich gegliederten Architektur des Westchors mit der Kuppel zur Zeit der Staufer ist deutlich zu erkennen.
Neue Zeiten haben neue Ideen und bringen diese auch in den Bauten zum Ausdruck. Die Gotik steuerte ihren Teil zum Dom bei: Um 1300 werden die Wände der beiden Seitenschiffe durchbrochen und jeweils um eine Reihe mit Kapellen erweitert: eine wesentliche Veränderung des romanischen Raums.
Nach einem Blitzschlag, der den gotischen Westturm vernichtete, fand der Sohn des berühmten Baumeisters Balthasar Neumann, Ignaz Michael, die geniale Lösung eines bis in die äußersten Spitzen steinernen Kuppelbaus. Diese Lösung der Barockzeitwar zunächst sehr umstritten, hat sich im Lauf der Jahrhunderte aber gut bewährt: Der steinerne Turm übersteht ebenso 1793 die Beschießung durch die deutschen Truppen, die die Heere der französischen Revolution aus Mainz vertreiben wollten, wie im 20. Jahrhundert die verheerenden Brände des Zweiten Weltkriegs.
Der Ostturm wechselte im 19. Jahrhundert mehrfach die Gestalt, als sich immer wieder starke Bauschäden bemerkbar machten. Den Grund für diese Schäden entdeckte man aber erst zu Beginn des 20. Jahrhundert: Der Dom ist auf Eichholzpfahlgrundierungen gebaut, die im Laufe der Zeit, als der Grundwasserspiegel absank, morsch geworden waren. 1924 - 1928 wurden die Fundamente durch neue Baumethoden gesichert und die auseinander-strebenden Steine wieder fest zusammengefügt.
Bei den Bombenangriffen der Aliierten im August 1942 wurde der Dom getroffen und brannte aus. Bis 1960 wurde eine umfassende Innenrenovierung mit einer Umgestaltung des Westchores abgeschlossen. Nicht zuletzt durch Umweltschäden, aber weiterhin auch durch Spannungen in den Fundamenten sind immer wieder Sicherungsmaßnahmen und Renovierungen des Mainzer Doms erforderlich.
3. Stationen einer Innenbesichtigung
Wenn man den Mainzer Dom betritt, müssen sich die Augen erst langsam an das Dämmerlicht des Innenraums gewöhnen. Eigentlich entfaltet der monumentale Bau erst bei feierlichen Gottesdiensten, wenn er erfüllt ist von Licht, Weihrauchschwaden und Klängen, seine volle Wirkung. Doch wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird auch im Alltag beim Rundgang durch die zunächst fast karg wirkenden, hohen Gewölbe so manches faszinierende Detail der Innenaustattung entdecken.
In den Bögen der Seitenwände des Langhauses setzen Malereien der sogenannten Nazarenerschule von 1859/64 (Veit, Settegast und Lasinsky) mit Szenen aus dem Leben Jesu farbige Akzente ins Graubraun des Buntsandseins. Im Westchor, über dem Hauptaltar, zieht ein modernes Bronzekreuz die Blicke auf sich. Dahinter ist im Halbdunkel des Chorraums das großangelegte Schnitzwerks eines Chorgestühls aus der Rokokozeit zu ahnen, das in seiner Mitte von einer Darstellung des heiligen Martin überragt wird. Unterhalb befindet sich der Bischofssitz, die "Kathedra", auf dem der Bischof inmitten des Domkapitels bei feierlichen Gottesdiensten Platz nimmt.
An den Pfeilern des Langhauses, an den Wänden des Querschiffes und in den Seitenaltären sind die Grabmäler der Mainzer Bischöfe zu entdecken: eine kunstgeschichtliche Besonderheit des Mainzer Doms, in denen sich das wechselnde Selbstverständnis und verschiedene Kunststile vom 13. bis zum 19. Jahrhundert widerspiegeln. In der Krypta unter dem Westchor befindet sich die - weitaus bescheidenere - Grablege der Mainzer Bischöfe aus unserem Jahrhundert. Die Ostkrypta ist dem Gedächtnis der heiligen Männer und Frauen geweiht, die eine besondere Beziehung zum Bistum Mainz hatten. Ihre Reliquien werden in einem modern gestalteten, goldenen Schrein aus dem Jahr 1960 aufbewahrt.
Dem stillen Gebet vorbehalten ist die Gotthard-Kapelle (1137 geweiht), eine doppelgeschössige romanische Anlage, die einst als Palastkapelle des erzbischöflichen Hofes diente. Das geheimnisvolle frühromanische Udenheimer Kreuz im Altarraum der Kapelle ist eine besondere Kostbarkeit der Mainzer Kirche.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Grab von Bischof Emmanuel von Ketteler (gest. 1877) in der Marienkapelle. Es hält die Erinnerung wach an diesen sozial und politisch engagierten Bischof, der wichtige Impulse zur Entwicklung der modernen katholischen Soziallehre gab.
4. Weiterführende Links
Dombauverein Mainz
Die Mainzer Domchöre
Das Mainzer Domkapitel

Blick in den Ostchor

Udenheimer Kreuz

Reliquienschrein in der Ostkrypta

Grabdenkmal von Erzbischof Siegfried III. v. Eppstein