Feier der Bischofsweihe
von Dr. theol. Werner Guballa und
Dr. theol. Ulrich Neymeyr
Mainz. Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, hat am Ostermontag, 21. April, zwei Priester seines Bistums zu Bischöfen geweiht: Generalvikar Prälat Dr. Werner Guballa (58) und den Wormser Pfarrer Dr. Ulrich Neymeyr (45). Mitkonsekratoren waren der aus dem Bistum Mainz stammende Apostolische Nuntius für Ungarn und Moldawien, Erzbischof Karl Josef Rauber, Budapest (der in Kürze sein neues Amt als Apostolischer Nuntius für Belgien und Luxemburg in Brüssel antreten wird) und Weihbischof em. Wolfgang Rolly. Kardinal Lehmann hatte um zwei neue Weihbischöfe gebeten, nachdem Weihbischof em. Dr. Franziskus Eisenbach im vergangenen Jahr auf sein Amt verzichtet und Weihbischof em. Wolfgang Rolly aus Altersgründen dem Papst seinen Rücktritt angeboten hatte.
Die Ernennungen erfolgten am 20. Februar 2003 durch Papst Johannes Paul II. in Rom. Guballa wurde Titularbischof von Catro in Mauretanien (im heutigen Marokko) und Neymeyr Titularbischof von Maraguia (im heutigen Tunesien). Die neuen Weihbischöfe sollen, wie es in Ernennungsurkunden heißt, dem Bischof von Mainz für die pastoralen Notwendigkeiten des Gottesvolkes beiseite stehen. Neben ihrem Dienst für die Pfarrgemeinden, die sie bei ihren Firm- und Visitationsreisen besuchen werden, haben die Weihbischöfe von Kardinal Lehmann weitere Aufgaben übernommen. Guballa wird Bischofsvikar für die Geistlichen und Ordensleute im Bistum Mainz sowie für das Institut zur Geistlichen Begleitung der hauptberuflich in der Seelsorge Tätigen. Neymeyr wird Bischofsvikar für die Jugendseelsorge.
In seiner Predigt im festlichen Weihegottesdienst, der im 3. Fernsehprogramm des SWR live übertragen wurde, ging Lehmann vor allem auf das Amt in der Kirche ein. Er knüpfte an das Tagesevangelium über die Emmaus-Jünger an. Sie waren voller Zweifel und Trauer über den Tod Jesu auf dem Weg nach Emmaus dem auferstandenen Christus begegnet und kehrten mit der Botschaft nach Jerusalem zurück: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“ (Lk 24,34). Als der Auferstandene Herr nehme Jesus die Christen in Anspruch und mache sie zu Zeugen seiner Botschaft und seiner Person, betonte Lehmann. Dies gelte für alle Jünger, aber besonders auch für die, die unter Einsatz ihrer ganzen Existenz und von Amts wegen von ihm künden. „Was sollten wir eigentlich anderes erzählen, als den Sieg Jesu Christi über Hass und Tod?“, fragte Lehmann. Hier liege der Ursprung aller Dienste und Ämter in der Kirche. „In seinem Namen bringen wir dieses Evangelium des Friedens und der Versöhnung in alle Zerrissenheiten unserer Welt. Nur deshalb gibt es das Amt“, bekräftigte er.
Dies gelte auch für die Weihbischöfe. Die Sendung Jesu Christi, der seine Jünger zu allen Völkern und allen Menschen gesandt hat, um sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, sei der bleibende Ursprung auch und gerade des Bischofsamtes, betonte Lehmann. Immer wieder leuchte dieser fundamentale Auftrag zur Weitergabe des Glaubens in den Texten der Bischofsweiher auf. Wie bei den Emmaus-Jüngern werde das Wort Christi besonders wirksam, „wenn es zum Sakrament wird“. Wie damals seien auch der Kirche heute in der Nachfolge der Apostel die beiden Tische des Wortes Gottes und der Eucharistie geschenkt. Der Aufgabe, diesen doppelten Grundauftrag des auferstandenen Herrn unablässig zu verwirklichen, diene das kirchliche Amt in den verschiedenen Ausgestaltungen des Diakons, des Priesters und des Bischofs.
Bei der Weihehandlung legte der Bischof den Weihekandidaten unter Herabrufung des Heiligen Geistes die Hände auf zum Zeichen dafür, dass Christus sie in Besitz nimmt. Dann salbte er ihr Haupt mit Chrisam-Öl zum Zeichen, dass sie am Priestertum Christi teilhaben und überreichte ihnen das Evangelienbuch sowie die bischöflichen Insignien: den Bischofsring als Zeichen ihrer Treue, die Mitra, weil sie das Amt des Vorstehers ausüben und den Stab, weil sie als Hirten das Volk Gottes zu leiten haben. Nach Kardinal Lehmann und den Mitkonsekratoren Erzbischof Rauber und Weihbischof Rolly, legten alle anwesenden Bischöfe und Weihbischöfe (insgesamt 14) im stillen Gebet zur Herabrufung des Heiligen Geistes die Hände auf. Zu ihnen gehörten Erzbischof Ludwig Schick, Bamberg, die Bischöfe Gebhard Fürst, Rottenburg-Stuttgart, Franz Kamphaus, Limburg, Czeslaw Kozon, Kopenhagen, Gerhard Ludwig Müller, Regensburg, und Wiktor Skworc, Tarnow/Polen, sowie die Weihbischöfe Otto Georgen, Speyer, Johannes Kapp, Fulda, Hans-Reinhard Koch, Erfurt, Johannes Kreidler, Rottenburg-Stuttgart, Gerhard Pieschl, Limburg und Paul Wehrle, Freiburg (zurzeit Diözesan-Administrator des Erzbistums), wie auch die emeritierten Weihbischöfe Franziskus Eisenbach, Mainz, und Alfred Kleinermeilert, Trier.
Am Ende des festlichen Gottesdienstes, der unter Leitung von Domkapellmeister Prof. Mathias Breitschaft vom Mainzer Domchor, dem Domorchester und Domorganist Albert Schönberger musikalisch gestaltet wurde, dankten die beiden Weihbischöfe Kardinal Lehmann, den Mitbrüdern und allen, nicht zuletzt ihren Familienangehörigen, die sie auf ihrem Weg zum Priestertum und zum Bischofsamt begleitet haben. Guballa hat als bischöflichen Wahlspruch das Wort gewählt: „Fides per caritatem“ (Glaube wirksam in Liebe). Es ist die Weiterführung seines Primizspruches: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4,19). Er ist dem Galaterbrief entnommen in dem es heißt: „In Christus Jesus kommt es darauf an, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.“ (Gal 5,6).
Weihbischof Neymeyr hat den Bischöflichen Wahlspruch: „Christus suscepit nos“ (Christus hat uns angenommen.) Sein Leitwort knüpft an seinen Primizspruch aus dem Römerbrief an: „Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.“ (Röm 15,7).Das Bischöfliche Wappen von Guballa zeigt in stilisierter Form das Kreuz des Caritasverbandes in Verbindung mit dem Brunnen vor der Kirche seiner Heimatgemeinde Mainz-Marienborn. Weihbischof Neymeyr verweist mit seinem Wappen auf das Wappen seines Geburtsortes Worms-Herrnsheim. In der Mitte sind zwei Fische zu sehen. Sie erinnern an seinen Namenspatron, den heiligen Ulrich, und daran, dass der Fisch ein altes Symbol für Jesus Christus ist.
Bei einem offenen Empfang im Anschluss an den Gottesdienst, hieß Kardinal Lehmann in Ergänzung der Begrüßung von Domdekan Weihbischof Rolly im Dom eine Reihe von Ehrengästen namentlich nochmals herzlich willkommen, unter ihnen den Vertreter der Hessischen Landesregierung, Jochen Riebel, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Hessen und den Vertreter der Rheinland-Pfälzischen Landesregierung, Dr. Richard Auernheimer, Staatssekretär für Arbeit, Soziales und Gesundheit, die Landtagsabgeordnete Helga Hammer (CDU) und den Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel, außerdem die Generalvikare der Nachbardiözesen. Den musikalischen Rahmen boten im Kettelersaal die Dombläser und im Innenhof des Bildungszentrums die Kirchenmusik Mainz-Marienborn. Die zahlreichen Teilnehmer, geladene Gäste wie auch spontane Gratulanten, nutzten die Gelegenheit, den beiden neugeweihten Weihbischöfen persönliche Glückwünsche zu überbringen. Viele baten auch um Autogramme, welche Guballa und Neymeyr geduldig auf die Gottesdiensthefte oder die Weihebildchen schrieben. Zum Gedenken an die Bischofsweihe enthielten diese neben Fotos der Neugeweihten im Bischofsornat das jeweilige Wappen und den bischöflichen Wahlspruch. Auf Neymeyrs Gedenkbild steht der vollständige Text seines Wahlspruchs aus dem Römerbrief (15,5-7). Guballa ließ ein Wort der Emmausjünger drucken: „Bleibe bei uns Herr. Geh mit uns. Sprich mit uns. Brich uns das Brot. Das uns das Herz brennt. Das uns der Sinn aufgeht. Dass wir dich erkennen und dich verkünden.“ Das Emmausmotiv ziert seinen Bischofsring. Der Bischofsring Neymeyrs zeigt die Anfangsbuchstaben des griechischen Namen für Christus „CR“ (Chi, Rho).
Der Vorsitzende der Mainzer Diözesanversammlung, Caritasdirektor i.R. Wilhelm Schulze, sprach im Namen der in der Diözesanversammlung vertretenen Räte (Katholikenrat, Priesterrat und Dekanekonferenz) und Berufsgruppen Glückwünsche aus, besonders auch im Namen der Sprecherin des Katholikenrates, Dr. Hildegard Dziuk, und stellvertretend für die rund 4000 gewählten Mitglieder der Pfarrgemeinderäte. „Wir haben lange auf die Ernennung unserer neuen Weihbischöfe gewartet“, erklärte Schulze. Diese Wartezeit habe für viele Einrichtungen, aber auch für die Amtsträger im Bischöflichen Ordinariat, und für die Pfarrgemeinden im ganzen Bistum vielfältige Belastungen mit sich gebracht. Jetzt könnten alle wieder auf- und durchatmen, denn mit der Bischofsweihe sei auch eine neue Aufgabenverteilung in der Leitung und Führung des Bistums bekannt gegeben worden. Mit besonderer Freude sei die Entscheidung aufgenommen worden, dass die „Pastoralen Räte“ als eigenes Dezernat bestehen bleiben. Da die beiden Weihbischöfe zugunsten von „Netzwerk Leben“, der Initiative des Bistums Mainz für Frauen in Schwangerschaft und in Notsituationen auf persönliche Geschenke verzichtet haben, überreichte Schulze den Neugeweihten ein symbolisches Geschenk: jeweils eine kleine „Schatztruhe“ mit Weizensamen, damit die Saat ihres pastoralen Tuns mit dem Segen Gottes aufgehen und Frucht bringen solle.
Werner Guballa wurde am 30. Oktober 1944 in Mainz-Marienborn geboren. Er begann sein Theologiestudium in Mainz, trat 1966 in das Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom ein und setzte das Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana fort. Am 10. Oktober 1970 wurde er in Rom durch Kardinal Jan Willebrands zum Priester geweiht. Seine Studien in Rom schloss Guballa 1975 mit der Dissertation ab. Im selben Jahr wurde er Kaplan in Bensheim-St. Georg und zwei Jahre später (1977) Subregens und Ökonom im Bischöflichen Priesterseminar in Mainz. 1982 wurde er Pfarrer der Hochschulgemeinde St. Albertus in Mainz. Neun Jahre später (1991) übernahm er die Leitung der Pfarrei Darmstadt-St. Ludwig. Und wurde hier auch zum Dekan gewählt. Bischof Lehmann ernannte Guballa 1996 zu seinem Generalvikar. Zugleich wurde er Mitglied des Domkapitels und des Geistlichen Rates sowie Moderator der Kurie und Ökonom des Bistums. Daneben übernahm er ab 1997 die Leitung des Dezernates „Pastorale Räte“.
Ulrich Neymeyr wurde am 12. August 1957 in Worms-Herrnsheim geboren. Nach dem Abitur trat er ins Mainzer Priesterseminar in Mainz ein und studierte an der Mainzer Universität sowie in Münster i.W. Philosophie und Theologie. Am 12. Juni 1982 wurde er durch Kardinal Hermann Volk in Mainz zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er für zwei Jahre (1982-1984) als Kaplan in Mainz-Lerchenberg und Mainz-Drais. Wegen seiner hervorragenden Examina erhielt er ein Graduiertenstipendium des Landes Rheinland-Pfalz und wurde 1984 zur Vorbereitung seiner Promotion beurlaubt. Nach Abschluss der Promotion berief ihn Bischof Dr. Karl Lehmann 1987 zum Subregens und Ökonom im Bischöflichen Priesterseminar in Mainz. 1993 übertrug ihm der Bischof die Leitung der Pfarrei Rüsselsheim-Haßloch-Dreifaltigkeit und -Auferstehung. Im Herbst 2001 übernahm er die Pfarrgemeinden Worms-Horchheim, Worms- Wiesoppenheim und Offstein.
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| © Bischöfliches Ordinariat |
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